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Egon KrillOldtimer-Fan zieht gern Strippen

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Wie ein buntes Chaos wirken die Kabel auf den Laien. Doch alle Leitungen sind sauber beschriftet, eine ausführliche Dokumentation hilft den Bastlern, die  Leitungen richtig zu verlegen. (Fotos: Mischka)

Eitorf – Es muss so im Jahr 1965 gewesen sein. Da entdeckte Egon Krill eine Leidenschaft. Er war damals gerade zehn Jahre alt. In der Goethestraße vor dem Lichtspielhaus parkte das schnittige Coupé der Kinobesitzerin. „Da habe ich mich als kleiner Junge in das Auto verliebt“, sagt der 58-Jährige. Und die Liebe hält bis heute. Doch ehe er ein Borgward Isabella Coupé sein Eigen nennen konnte, vergingen 22 Jahre. Gekauft hat Egon Krill eines der letzten 150 Exemplare auf der anderen Seite der Welt, in Kalifornien. „Bei einer Dienstreise habe ich das Auto an einer Tankstelle gesehen.“ Das war 1987. „Ich habe dann sieben Jahre für die Restaurierung gebraucht.“

Heute wirkt das Auto, das im Jahr 1960 gebaut wurde, wie aus dem Ei gepellt. Lackiert ist es in der Farb-Kombination Creme–Schwarz–Creme. Das entspricht selbstredend dem Original. Doch bis es soweit war, war viel Mühe nötig. „Ich habe das Auto zunächst bis auf die letzte Schraube zerlegt.“ Dann folgte Schritt für Schritt der Wiederaufbau. Und im Laufe der Zeit lernte Krill die kleine Gemeinde der Isabella-Fans kennen.

Komplett neu gestrickt hat Egon Krill den Kabelbaum für das feine Auto. Da war und ist der Diplom-Elektro-Ingenieur in seinem Metier. Heute weiß er, dass etwa 200 Meter Elektrokabel für die Sechs-Volt-Anlage nötig sind. Damals fing er nahe Null an. „Da gab es nur so einen ganz kleinen Plan im Bordbuch auf DIN-A5.“ Das Ding war kaum zu gebrauchen. So machte sich Krill daran, den Schaltplan nachzuvollziehen, zu zeichnen und mit Erläuterungen zu versehen. „Ich habe zusätzlich noch ein paar Schmankerl eingebaut.“ Dazu zählt auch die Warnblinkanlage, die heute Pflicht ist, früher aber nicht zur Serienausstattung gehörte. Stolz verweist er auch darauf, tatsächlich jeden Schalter bis ins Detail nachvollzogen und dokumentiert zu haben. Und einmal vom Ehrgeiz gepackt, besorgte Krill Kabel in den Originalfarben. Die dreifarbigen, die es nicht von der Stange respektive Spule gab, „habe ich nachfertigen lassen“. Dass sämtliche Strippen allen gängigen Standards entsprechen, benzin- und öl-beständig sind und Temperaturen von minus 40 bis plus 120 Grad Celsius aushalten, überrascht nicht. Außerdem hat er für die Scheinwerfer stärkere Kabel verbaut, „bei Beibehaltung des Gesamtquerschnitts des Kabelstrangs“. Das ist wichtig, damit die Leitungen weiter durch die Original-Blechdurchlässe passen.

„Das ist 60 Stunden Arbeit, die ich brauche, umso ein Ding herzustellen“, sagt Egon Krill und zeigt auf eine der vier Spannplatten, auf denen reichlich Haken angebracht sind, zwischen denen rund 200 Meter bunte Kabel angeordnet sind.

Mittlerweile hat es sich in der Szene rumgesprochen, was Krill kann. Den ein oder anderen Kabelbaum hat er bereits nach Berlin, Österreich und die Niederlande verschickt. Der jüngste Kabelbaum, den Egon Krill gefertigt hat, ging nach Brasilien. Dort lebt Walter Diemer, seit seinem fünften Lebensjahr, als sein deutschstämmiger Vater 1953 mit den drei Kindern auswanderte. Diemer, er besitzt ein noch nicht fertig restauriertes Isabella Coupe, holte die Kabelkunst Mitte Juni persönlich in Eitorf ab, als er ohnehin zu Besuch in Deutschland war.