Ausführlich beschäftigte sich der Ausschuss für Klima- und Bevölkerungsschutz mit einem Wärmeplan zur Klimaanpassung für die Gemeinde und stellte dabei fest, dass Eitorf die Wärmewende nicht mit einer einzigen Technologie lösen können wird. Im dicht bebauten Ortskern besteht allerdings eine interessante Möglichkeit für ein erneuerbares Wärmenetz. Die soll jetzt durch eine Machbarkeitsstudie genauer untersucht werden.
Der Klimaausschuss beschloss einstimmig, dafür eine Förderantrag zu stellen. Denn für ein Wärmenetz im Zentrum bestehen grundsätzlich gute Voraussetzungen. Das Gebiet weist eine kompakte Siedlungsstruktur, eine vergleichsweise hohe Bebauungsdichte und einen hohen Wärmebedarf auf. Gleichzeitig werden dort zahlreiche Gebäude fossilbeheizt. Eine zentrale Wärmeversorgung könnte daher einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Reduzierung der Treibhausgasemissionen leisten.
Wärme des Flusswassers könnte für Wämrepumpe genutzt werden
In der Machbarkeitsstudie sollen unter anderem die Wärmenutzung aus der Sieg, die Netzgröße, die Heizzentrale, Kosten und Genehmigungsfragen untersucht werden. Die Wärme des Flusswassers könnte nämlich grundsätzlich über eine Großwärmepumpe für ein Wärmenetz im Ortskern genutzt werden. Dabei soll auch der Schulkomplex in die weiteren Überlegungen einbezogen werden. Grundwasser und Abwasser kommen als ergänzende Wärmequellen in Betracht. Allerdings sind hierfür noch technische, wirtschaftliche und insbesondere wasser- und naturschutzrechtliche Fragen zu klären sowie die technische Machbarkeit einer Querung der Bahntrasse.
Der Förderantrag für die Studie wäre nach Einschätzung von Beigeordneter Iris Prinz-Klein auch wichtig für einen Investor, den Eitorf für eine Wärmeplanung gewinnen könnte. Eitorfs Wärmeversorgung ist heute fast vollständig fossil. Der Wärmebedarf der beheizten Gebäude wird im Ortskern besonders hoch eingeschätzt. Dort treffen eine dichte Bebauung, eine ältere Bausubstanz und ein hoher Anteil fossiler Heizungen aufeinander. Beim Verbrauch entfallen mehr als 60 Prozent auf Erdgas und weitere 23 Prozent auf Heizöl. Zusammen mit weiteren fossilen Energieträgern werden damit rund 95 Prozent des Wärmeverbrauchs fossil gedeckt.
Enegetische Sanierung von Gebäude könnte Wärmebedarf deutlich senken
Auch für eine Heizzentrale haben die bisherigen Untersuchungen mit der gemeindeeigenen Fläche am alten Bauhof eine Möglichkeit gefunden, die grundsätzlich als Standort in Frage kommt. In vielen anderen Bereichen wird die Wärmeversorgung dagegen voraussichtlich dezentral erfolgen müssen, besonders über Wärmepumpen und andere erneuerbare Heizsysteme. Aber auch die energetische Sanierung der Gebäude spielt eine große Rolle. Bei einer moderaten Sanierungsrate von 1,5 Prozent pro Jahr würde der Wärmebedarf bis 2045 zum Beispiel auf etwa 71 Prozent des heutigen Wertes sinken.
Im Wärmeplan wird angenommen, dass bis 2045 rund 338 Gebäude an Wärmenetze angeschlossen werden könnten. Gleichzeitig müsste der Bestand an Wärmepumpen gegenüber heute allerdings deutlich wachsen, und zwar auf etwa das neun- bis zehnfache des heutigen Bestandes. Der Wärmeplan, der genau wieder Förderantrag für die Machbarkeitsstudie auch noch vom Rat sanktioniert werden muss, soll regelmäßig an neue Entwicklungen angepasst und alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.

