Corny Köster fragte kurzfristig per E-Mail in Indien nach einem Termin beim tibetischen Oberhaupt und bekam die Audienz eine Woche später.
Zehn Monate lang unterwegsEitorfer erhielt auf Motorradtour nach Tibet Audienz beim Dalai Lama

Bei der Motorradtour von Cornelius „Corny“ Köster von Eitorf nach Tibet trifft er in Indien den Dalai Lama.
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Wenn man in 4800 Metern Höhe einen Platten bekommt, braucht nicht nur der Reifen frische Luft. Auch der Fahrer des Motorrades muss sich über eine Flasche mit Sauerstoff versorgen. Das passierte Cornelius „Corny“ Köster in Tibet mitten auf dem Dach der Welt. Zehn Monate lang war er unterwegs, von Eitorf nach Tibet zum Mount Everest. 47.125 Kilometer legte der 42-Jährige zurück.
Am 5. April 2025 startete die Reise auf zwei Rädern vom Eitorfer Marktplatz aus. Dabei war Nils Schneider. Freunde und 30 Motorräder begleiteten die beiden bis zur Autobahnauffahrt. Nach fünf Tagen erreichten sie mit ihren Yamaha Tenere 700 Enduros die Türkei. Kappadokien mit seinen surrealen Tuffsteinlandschaften gehörte zu den Zielen.
„Wir wollten Land und Leute auf dem Weg zum höchsten Berg der Welt kennenlernen“, erzählt Köster. Bezogen auf die Höhe vom Fuß des Berges ist zwar der hawaiianische Vulkan Mauna Kea mit mehr als 10.000 Metern der höchste Berg der Welt, davon sechs Kilometer tief im Meer, das wisse er, sagt Köster. „Aber der Mount Everest mit 8850 Metern bringt sein Maß über dem Wasser.“
In Russlang gab es Probleme mit dem Navigationsgerät wegen des Krieges in der Ukraine
In Stephansminda in Georgien trafen die Rheinländer auf Jakob, einen weiteren Motorradfahrer, mit dem sie Russland durchqueren wollten. Allerdings mussten sie dort Mitte Mai eine mehrtägige Pause einlegen, weil Schneefälle ein Weiterfahren unmöglich machten.
„In Russland gab es Probleme mit den Navigationsgerät“, erinnert sich Köster. Wegen des Angriffs auf die Ukraine wurde das GPS-Signal gestört. „Teilweise sind wir auf gut Glück weitergefahren.“ Als sie in einem militärischen Sperrgebiet angehalten wurden, war eine erkennungsdienstliche Maßnahme und eine Strafe von 20 Dollar fällig. „Die Militärpolizisten haben uns dann einen Teil des weiteren Weges mit dem Auto begleitet, damit wir uns nicht wieder verfahren.“

Motorradtour von Cornelius „Corny“ Köster nach Tibet, Pause in Kirgistan
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Durch einen Terroranschlag zwischen Indien und Pakistan in der Region Kashmir war die einzige Grenze der beiden Länder, die auf dem Weg nach Nepal passiert werden musste, geschlossen. Ein zeitintensiver Umweg über China wurde nötig. In Kirgistan trennte sich deshalb die Gruppe. Köster, freiberuflich als Beleuchter in der Filmbranche tätig, hatte wegen der Tour keine neuen Aufträge angenommen. Die anderen mussten schneller zurück, wählten deshalb eine andere Route.
Im Wakhan Valley nahe der Afghanischen Grenze verlor der Motorradfahrer seinen Auspuff
Drei Monate verbrachte Köster allein in Kirgisistan und Tadschikistan. Er übernachtete mit seinem Zelt in der Natur oder in Jurten und bereitete das Essen auf dem Benzinkocher zu. „Oft gab es einfach Einladungen von Menschen dort, die an mir und meiner Reise interessiert waren. Überall wurde mir extreme Herzlichkeit entgegengebracht“, berichtet er.
Im Wakhan Valley nahe der afghanischen Grenze verlor er seinen Auspuff auf der „holprigen Wellblechpiste“ entlang des Pamir Highway, der zweithöchsten internationalen Fernstraße der Welt. Für wenig Geld schweißte ihm ein heimischer Monteur den Auspuff innerhalb kürzester Zeit wieder an. Probleme mit der Benzinversorgung gab es nirgends. „Überall waren Tankstellen zu finden. Mit 30 Cent pro Liter Normalbenzin war in Kasachstan die preiswerteste Tankfüllung möglich.“

Diesen Seitenständer fertige ein Handwerker im indischen Goa für die Yamaha von Corny Köster.
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Zurück in Kasachstan ging die Tour durch China weiter. Dort ist es allerdings nicht erlaubt, selbst eine Strecke zu suchen. Die Fahrer von ausländischen Fahrzeugen sind angehalten, in Gruppen zusammengefasst und nur unter Kontrolle eines Guides eine vorgegebene Route zu fahren. Die Unterdrückung der ethnischen Minderheiten dort durch den Staat nahm Köster auch als Tourist wahr: Den muslimischen Uiguren, ein turksprachiges Volk in Xinjiang, wurde das Recht verweigert, ihre Sprache zu lernen, und sogar die Pässe wurden eingezogen. Als Tourist durfte man in der Region zum Beispiel nicht einfach tanken. „Nur mit einem chinesischen Ausweis bekommt man Benzin”, beobachtete Köster. Der Staat wolle wissen, wer wann wohin fahre und wofür Benzin genutzt werde.
Der Wechsel eines Schlauches in 4800 Metern Höhe schwächte den Körper des Motorradfahrers
Am 13. September erreichte Köster sein Ziel Tibet, wo er den Platten am Motorrad hatte. Der fast dreistündige Aufenthalt in 4800 Metern Höhe mit dem schweren Wechsel des Schlauches schwächte seinen Körper so sehr, dass er danach drei Tage hohes Fieber hatte. Den Mount Everest konnte er nach einem Aufenthalt in Lhasa erblicken. „Es war ein bewegender Anblick und ein Privileg, den Berg auf der tibetischen Seite in nur 30 Kilometern Entfernung zu sehen.“

Motorradtour von Cornelius „Corny“ Köster nach Tibet, Blick auf den Mount Everest
Copyright: Köster
Über Nepal ging es weiter nach Indien, auf dem Subkontinent befuhr er den Umling La in den Ausläufern des Himalaya nahe der tibetischen Grenze, der mit 5798 Metern als höchste befahrbare Pass-Straße der Welt gilt. „Allerdings wird dort in der Nähe eine weitere Straße gebaut, die über 6000 Meter hoch sein soll“, schildert Köster. Allein deshalb müsse er noch einmal hin. In Goa brach ihm der Ständer der Yamaha ab. Für 25 Euro baute ihm ein Schlosser einen komplett neuen aus glänzendem Edelstahl.
Die Begegnung mit dem Dalai Lama in Indien war für Corny Köster aus Eitorf ein bewegendes Erlebnis
Bewegend war die Begegnung mit dem Dalai Lama. Das tibetische Oberhaupt lebt dort seit den 60er Jahren im Exil. Auf dem Weg durch Indien fragte Köster per E-Mail nach einem Besuchstermin. Normalerweise ist eine Audienz so kurzfristig überhaupt nicht möglich. Umso überraschender war die Zusage. „Er ist ein Mensch mit einer unwahrscheinlichen Ausstrahlung – eine Begegnung, die ich immer mit mir tragen werde und die mich spirituell sehr geprägt hat”, sagt Köster.

Die Strecke der Motorradtour von Cornelius „Corny“ Köster von Eitorf nach Tibet.
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Nach der Fahrt entlang der indischen Küste erreichte er nach knapp drei Monaten wieder Nepal. Dort endete im Januar 2026 die abenteuerliche Reise mit dem Motorrad. Sicher in einer Holzkiste verpackt, wurde die Yamaha ins Flugzeug geladen und nach Frankfurt transportiert. Dort holte sie Köster mit einem Lieferwagen Anfang Februar ab und packte das Motorrad in Eitorf aus.
Spenden für den Verein „Kinder in Not“ wurden während der Tour gesammelt
Über eine WhatsApp-Gruppe begleiteten mehr als 750 Menschen den Abenteurer auf seiner Tour. Während dieser Zeit sammelte er Spenden für den Verein „Kinder in Not“. Unter anderem im indischen Palamaner versorgt die Organisation 1600 Kinder aus ärmlichen Verhältnissen mit Schulmaterial. Mehr als 25.000 Euro kamen über seine Spendenaktion zusammen. „Das reicht für ein ganzes Jahr“, sagt Köster erfreut. „Es war gut, selbst vor Ort sein zu können, sich selber einen Eindruck gemacht zu haben und das Projekt so transparent für alle Spender darstellen zu können.”
Es sei die bereicherndste Reise, die er je erlebt habe. „Die Welt ist gut – und über alle Länder hinweg sind es die Menschen auch.“ Der Aufenthalt in Deutschland dient hauptsächlich dazu, die Reisekasse aufzufüllen: „Die Welt ist groß, und es gibt noch unendlich viel zu entdecken.“