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Flüchtlinge in SiegburgEin neues Zuhause in Kaserne und Nobelhotel

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Siegburg – Langsam wird’s eng in den Unterkünften für Flüchtlinge und Asylbewerber, händeringend sucht die Stadt weiteren Wohnraum. Und hat jetzt neben einem Gebäude der Brückbergkaserne und dem leerstehenden Gasthaus „Waldesruh“ auch das Waldhotel Grunge in Kaldauen im Fokus, wie Bürgermeister Franz Huhn bei einer Bürgerversammlung in der Gaststätte „Zum Brückberg“ verriet. Dorthin hatte die Stadt eingeladen, um die Brückberger über ihre künftigen Nachbarn zu informieren, die vermutlich Anfang April in das Kasernengebäude einziehen werden. Ob und wann die ersten Flüchtlinge im Nobelhotel in Kaldauen Quartier beziehen, ist freilich noch offen.

Man könne sich eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft vorstellen, habe der Eigentümer, ein Immobilienfonds der Josef Esch Fonds GmbH, der Stadt mitgeteilt , erläuterte Dezernent Wolfgang Hohn auf Nachfrage dieser Zeitung. Doch müssten vor einem möglichen Vertragsabschluss noch viele Fragen geklärt werden. Dazu gehört nicht nur der Mietpreis. Das Hotel, das seit der Insolvenz des damaligen Betreibers 2003 leer stehe, müsse teilweise umgebaut, einzelne Bereiche, etwa der Swimmingpool, müssten abgetrennt werden. Auch sei, so Hohn, zu überlegen, ob die Hotelküche genutzt werden könne oder mehrere kleinere Küchen eingerichtet werden müssten und wie sich in den 65 Gästezimmern Familien unterbringen ließen, die möglichst zusammenbleiben sollten. Dass die Stadt das Hotel, das sich in Topzustand befinde, nach Auszug der Flüchtlinge wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen werde, sei keine Frage. In den nächsten zwei Monaten hofft die Stadt Klarheit zu haben.

Schneller geht’s auf dem Brückberg. Nachdem sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, wie berichtet, auf Druck des Bürgermeisters bereit erklärt hat, die frühere Soldatenunterkunft der Stadt mietfrei zur Verfügung zu stellen, müssen jetzt nur noch ein paar Brandschutzauflagen erfüllt und ein Zaun muss versetzt werden, der das künftige Flüchtlingsheim vom nach wie vor von der Bundeswehr genutzten Bereich abtrennt. Gleichwohl geht die Wohnungssuche weiter, zumal die Gaststätte Waldesruh, die der jetzige Eigentümer zur Verfügung stellte, nur bis zum Abriss in ein paar Wochen genutzt werden kann. Und schon jetzt, so Hohn, lebten einige Familien mit mehreren Kindern „etwas beengt“. Doch seien sie alle „menschenwürdig untergebracht“, versichert er.

Freilich ist mit weiteren Zuweisungen zu rechnen. Im gesamten Jahr 2014 wurden 100 neue Flüchtlinge in Siegburg aufgenommen, in den ersten Januarwochen dieses Jahres waren es schon zehn, derzeit leben 210 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften. Tendenz steigend.

Dennoch will die Stadt auf Wohncontainer verzichten. Denn die Menschen, die größtenteils aus Syrien, Eritrea und Afghanistan kommen, sollen sich möglichst schnell integrieren und deshalb dort untergebracht werden, „wo das Leben spielt“ – in den Stadtteilen, erläuterte Hohn bei der Bürgerversammlung und zerstreute gleich mögliche Ängste: Bislang habe es nie ein Sicherheitsproblem gegeben, schließlich kämen die Flüchtlinge aus „geordneten Verhältnissen“ und hätten oft „einen sehr hohen Bildungsstand.“ Doch „wer in die Gesichter der Menschen schaut“, so Hohn, der ahne, „welche schlimmen Erlebnisse diese Leute hinter sich haben“.

Ohnehin geriet der Infoabend zu einem emotionalen Plädoyer für „Willkommenskultur“. Die Hilfsbereitschaft, die sich am runden Tisch gezeigt habe, sei für ihn das „schönste Erlebnis in der ganzen Weihnachtszeit gewesen“, betonte Bürgermeister Franz Huhn, und zeigte sich zuversichtlich: „Gemeinsam schaffen wir das.“