Hennef – Wie ein normaler Baukompressor sah das Gefährt aus, das am Donnerstag vor der Sporthalle des städtischen Gymnasium stand. Doch ein zweiter Blick machte neugierig und lockte auf die Baustelle der derzeit gesperrten Anlage. Denn auf dem Blech war ein ungewöhnlicher Wert aufgemalt: 2500 bar. Der Hennefer Bauunternehmer Alexander Hildebrandt sorgte für Aufklärung: „Das ist kein Hochdruck-, das ist ein Höchstdruckgerät.“
Beton regelrecht weggeschossen
Mit eben diesem Wert nämlich kann über eine Spritzlanze Wasser regelrecht auf Beton geschossen werden. Allein durch den Druck springen kleine Brocken weg, und es wird freigelegt, was sich darunter befindet. Das ist im Fall der Halle von besonderem Interesse. Für die Montage der Sportgeräte hatte eine Firma 56 Löcher in die Spannbetonbinder gebohrt. Die Mitarbeiter hatten nach einem Plan gearbeitet und mit den alten Trägern begonnen. Als sie zu den neuen Bindern kamen, prangte ihnen ein Zettel entgegen: Dübeln und stemmen verboten! Sie stellten ihre Arbeiten sofort ein, ein Statiker sichtete, was dort an Löchern entstanden war, und ließ das Gebäude sofort sperren. Er konnte akute Einsturzgefahr nicht ausschließen.
Binder können wegknicken
In dem unter hohem Druck gepressten Beton nämlich sorgen Stahlstäbe für die nötige Spannung und die Stabilität der im Fertigbetonwerk entstandenen und über die ganze Breite der Halle liegenden Teile. Wird dieser Stahl angebohrt, können Binder wegknicken, und das Dach stürzt ein. Die neuen waren nach einem Brand am 7. August 2018 eingesetzt worden, um die Sportstätte für die Schule wieder herzurichten.
Stahl freigelegt
Jetzt soll ein Gutachter überprüfen, ob diese angenommene Gefahr tatsächlich existiert. Darum hat Hildebrandt als Bausanierer den Auftrag bekommen, an zwei Stellen die Bohrungen freizulegen und damit einen Blick auf den verbauten Stahl zu ermöglichen. Ohrenbetäubend ist der Krach, wenn das Wasser auf die Fläche geschossen wird. Bröckchen fliegen durch die Luft, langsam schält sich die Hülle heraus, durch die die langen Stäbe geschützt sind.
Die Arbeiten werden auf einem riesigen Gerüst erledigt. Es sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Hildebrandt, eine Gerüstbaufirma zu finden, die in der gefährdeten Halle die schweren Stützen aufbaute, die die Träger jetzt abfangen. Eine große Plattform ermöglicht den Arbeitern und Gutachtern Zugang zu den gefährdeten Abschnitten. Die für die Sportgeräte vorgesehene Schiene ist deutlich zu erkennen, dafür war die Montage ausgeschrieben.
Fachleute werden hinzugezogen
Am Nachmittag kletterten Experten in die Höhe und nahmen die beiden freigelegten Bohrungen in Augenschein. Tatsächlich sind nach Informationen dieser Zeitung Spannstäbe betroffen. Der Gutachter will Fachleute hinzuziehen, die sich mit Stahl noch besser auskennen. Da es keine dynamischen Belastungen auf dem Dach gibt, wie etwa bei einer Brücke, könnte es sein, dass die Schäden noch in der Toleranzzone liegen. Die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet. Dann erst kann über weitere Schritte entschieden werden.
