Windeck – Konstantin strampelte aufgeregt mit den Beinchen, der Säugling gluckste und strahlte was das Zeug hielt beim Anblick der glitzernd silbernen Taufschale. Das Wasser, das ihm schließlich übers Köpfchen rann, war zuvor aus dem Ohmbach geschöpft worden. Pastorin Dörle Böttcher aus Leuscheid und Kollegin Ulrike Ritgen aus Herchen hatten gut daran getan, das kalte Wasser aus dem kleinen Bachlauf im Wald bei Leuscheid mit einem guten Schuss Nass aus der mitgebrachten Thermoskanne aufzuwärmen. Fröhlich brabbelnd fanden auch Mika Sommer und Paul-Luka Schenk ihre Freiluft-Taufe bei Vogelgezwitscher unter einem grünen Blätterdach – wohl gehalten in den Armen ihrer Taufpaten – offenbar ganz prima. Zu dritten Mal feierten die beiden evangelischen Gemeinden ihren Pfingstgottesdienst gemeinsam „im grünen Dom“, wie die Pastorinnen erklärten.
Rund 150 Gläubige waren der Einladung zum Open-Air Gottesdienst am Pfingstsonntag gefolgt, hatten Kissen und Campingstühle über holprige Waldwege bugsiert und so ein stilles, vor allem aber auch idyllisches Plätzchen für Gebete beim Taufgottesdienst gefunden. „Von Jahr zu Jahr werden es deutlich mehr“, sagte Mario Gatzmanga, an diesem morgen zuständig für die Kollekte.
Magdalena und Herbert Sozius hatten den sonntäglichen Kirchgang mit einem Spaziergang durch den Wald verbunden. „Wir haben gehört, dass das hier so toll sein soll.“ Wie zahlreiche andere Teilnehmer hatte das Ehepaar den Weg über Stock und Stein zu dem in einer Talsohle gelegenen Platz sogar samt Rollator gemeistert. Dass schließlich etwa das „Vater unter“ auf Baumstümpfen, abschüssigen Wiesenflächen, Kissen und Decken oder auf Klappstühlen gebetet wurde, skizzierte eine besondere, naturgegebene Mystik.
Andächtig lauschten die Zuhörer der Predigt, Böttcher sprach von der Kraft des Feuers und seiner symbolischen Bedeutung von Zerstörung und Liebe. Ebenso über die Elementare Macht bis hin zur Taufe als Zeichen des göttlichen Segens. Und Dörle Böttcher erinnerte auch an die Brunnesage, nach der im Mittelalter das blinde Burgfräulein Mathilde durch ein Paar Tropfen ihr Augenlicht wieder erlangt haben soll. (aha)
