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BahnübergängePolizei sprüht in Hennef und Eitorf den Slogan „Bleib stehen, bleib am Leben“

3 min
Die Kreispolizei startete die Aufklärungskampagne "Bleib stehen, bleib am Leben" am Bahnübergang Bröltalstraße in Hennef.

Die Kreispolizei startete die Aufklärungskampagne "Bleib stehen, bleib am Leben" am Bahnübergang Bröltalstraße in Hennef.

Nach vier Toten bei drei Unfällen an Bahnübergängen im vergangenen Jahr startete die Kreispolizei eine Aufklärungskampagne.

„Achtung! Stopp! Stehenbleiben!“ riefen die Polizistinnen der Jugendlichen zu, die über die rote Ampel, vorbei an der geschlossenen Halbschranke über die Gleise am Bahnübergang an der Bröltalstraße lief. Die Beamtinnen nahmen sie in Empfang, nur Sekunden später donnerte ein Zug in Richtung Hennefer Bahnhof vorbei.

350 Euro Bußgeld sind fällig beim Missachten der Bahnschranken

Noch während der Auftaktveranstaltung für die Aufklärungskampagne „Bleib stehen, bleib am Leben“ hatte die 15-Jährige sich in Lebensgefahr gebracht. „Ich muss doch meinen Bus kriegen“, erklärte sie ihr waghalsiges Handeln. Es wird sie wohl teuer zu stehen kommen. Ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei und 350 Euro Bußgeld zeigt die Liste der Verstöße an: „Sie überquerten als nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer den Bahnübergang trotz geschlossener Schranke. “

Landrat Sebastian Schuster, die Leiterin der Direktion Verkehr, Stephanie Spengler, und der Präventionsbeautragte der Bundespolizei, Alexander Mauel, enthüllte den ersten aufgesprühten Schriftzug.

Landrat Sebastian Schuster, die Leiterin der Direktion Verkehr, Stephanie Spengler, und der Präventionsbeautragte der Bundespolizei, Alexander Mauel, enthüllte den ersten aufgesprühten Schriftzug.

Dabei hätte die junge Frau den auffälligen Pavillon und die vielen Polizistinnen und Polizisten sehen müssen. Sie ahmte das Verhalten anderer Erwachsener nach, hatte früher beobachtet, wie die noch schnell über die Schienen huschten. Es zeigt, wie wichtig und aktuell das Präventionsprojekt ist, das Landrat Sebastian Schuster offiziell eröffnete.

Vier Menschen mussten bei drei Unfällen ihr Leben lassen.
Sebastian Schuster, Landrat

Aufmerksamkeit und Achtsamkeit im Straßenverkehr mahnte er an. „Vier Menschen mussten bei drei Unfällen ihr Leben lassen“, erinnerte er an die Geschehnisse von Mai, Juli und November an den Bahnübergängen in Hennef und Eitorf. „Es gibt nichts Schlimmeres als Routine“, führte Schuster aus, denn es schlichen sich Fehler ein. An Bahnübergängen weiterzugehen könne dann tödlich enden.

„Wer inne hält, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere“, sagte er und sprach genau das an, was Minuten später beinahe verheerend geendet hätte. Der Appell der Kampagne, „Bleib stehen, bleib am Leben“, sei einfach und klar formuliert. Er wird mit Schablone und Sprühdose auf den Boden vor den Schranken gesprüht und in den sozialen Medien mit kleinen Videos begleitet, um auch jüngere Verkehrsteilnehmer zu erreichen. „Prävention beginnt mit Bewusstsein“, so Schuster.

Bei allen Unfällen mit Toten hatten die Opfer Halbschranken umgangen

„Viele Verkehrsunfälle beginnen mit Fehleinschätzungen“, erklärte die Leiterin der Direktion Verkehr, Polizeirätin Stephanie Spengler. Alle vier hatten die geschlossenen Halbschranken umgangen. „Es waren vermeidbare Unfälle“, analysierte Spengler. Die jetzige Kampagne ist Teil der europaweiten Vision Zero, also null Verkehrstote. Sie baut auf drei Säulen auf: Kontrolle, Prävention und Öffentlichkeitsarbeit. Und da gehörten die sozialen Medien dazu, um junge Menschen anzusprechen.

Der Schriftzug wird mit Farbe aus der Dose auf den Boden gesprüht.

Der Schriftzug wird mit Farbe aus der Dose auf den Boden gesprüht.

Ein Schwerpunkt liege auf den ungeschützten Verkehrsteilnehmenden, also Fußgängerinnen und Fußgängern, Roller- und Fahrradfahrenden. Gemeint sind darüber hinaus Autofahrerinnen und Autofahrer, die auf dem Bahnübergang vorziehen, obwohl es vorne stockt. Denn ein Zug kann nicht ausweichen. „Der Bremsweg kann bis zu 1000 Meter betragen“, machte der Erste Polizeihauptkommissar Alexander Mauel von der Bundespolizei klar, dort Beauftragter für die Prävention.

Jeder Verkehrstote ist einer zu viel.
Stephanie Spengler, Leiterin der Direktion Verkehr

Die Bewusstseinsänderung wird aber auch mit repressiven Maßnahmen vorangetrieben. „Wer eine rote Ampel und eine geschlossene Schranke missachtet, muss mit Konsequenzen rechnen“, so Spengler weiter.  „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel“, schloss sie ihre Ausführungen. 

Polizistinnen nehmen die Personalien der 15-Jährigen auf, die während der Auftaktveranstaltung über die Gleise lief.

Polizistinnen nehmen die Personalien der 15-Jährigen auf, die während der Auftaktveranstaltung über die Gleise lief.

Dann schritt sie mit Schuster und Mauel zur Tat. Gemeinsam nahmen sie die Schablone zur Hand und enthüllten den aufgesprühten Schriftzug mit dem Slogan. Nur Augenblicke später lief die 15-Jährige auf der anderen Seite los, dort war noch nicht gesprayt worden. Ob sie darauf reagiert hätte, bleibt indes fraglich. „Der Zug ist leise und kaum zu hören“, betonte Mauel. 

Spengler legte selbst Hand an und erledigte das zweite „Bleib stehen, bleib am Leben“ auf der anderen Seite der Gleise. In den kommenden Tagen sind noch die anderen Bahnübergänge dran. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung stehen auch noch andere Stellen, etwa an der  Strecke der S 66, auf dem Plan.