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Zweimal nach Santiago de CompostelaElfjährige aus Hennef wanderte auf dem Jakobsweg

3 min
Mit ihrer Mutter Bernadette wanderte Lea Sippl nach Santiago de Compostella.

Mit ihrer Mutter Bernadette wanderte Lea Sippl nach Santiago de Compostella. 

Die Gymnasiastin Lea Sippl engagiert sich für ihre Mitmenschen

Lea Sippl ist ein Mädchen wie viele Gleichaltrige. Sie besucht die 5. Klasse am Städtischen Gymnasium Hennef, nennt Mathe und Musik ihre Lieblingsfächer und schreibt ordentliche Noten. An einer Hennefer Musikschule lernt die Elfjährige Saxofon und festigt ihre Fertigkeiten zudem in der Musikklasse des Gymnasiums.

Neben Leas „normalen“ Hobbys Musik und Hiphop-Tanzen erscheinen ihre Leidenschaft für Nähen und Langstrecken-Wandern für so junge Menschen heute eher ungewöhnlich. Ein Charakterzug, der sich schon im Kindesalter  herauskristallisierte, ist das große Herz für ihre Nächsten, wie das Gespräch mit Lea und ihrer Mutter Bernadette Sippl verdeutlichte. „Ich will dazu beitragen, dass es allen Menschen gutgeht“, sagt Lea mit verblüffender Selbstverständlichkeit und bescheidenem Lächeln.

Lea näht Leseknochen, Mäppchen und Taschen und verkauft sie zugunsten ihres Patenkinds im Kongo

Das Nähen lernt sie an der Maschine ihrer Mutter. Der Nähkurs, den ihr Urgroßmutter Hildegard schenkt, beflügelt sie noch mehr und kommt ihr in Sachen Nächstenliebe zugute. Neben Kleidungsstücken für sich selbst sind es von ihr genähte Sachen, mit denen sie Menschen beglückt. „Weil es schöner ist, wenn sich die anderen darüber freuen“, sagt sie über ihr Motiv. Für ihre Mutter ist das nicht ungewöhnlich: „Es war ihre Idee. Sie näht schon lange und sitzt oft stundenlang an der Maschine“. Mittlerweile an der eigenen, die sie sich zu ihrer Kommunion wünschte.

Seit ihrem fünften Lebensjahr näht sie Leseknochen, Mäppchen, Taschen, Schlüsselanhänger. Beim Hennefer Weihnachtsmarkt 2024 bietet die damals Neunjährige im Stand des Missionskreises der Hennefer Kirchengemeinde Liebfrauen ihr Sortiment an. Es habe sich „sehr gut“ verkauft, berichtet die Mutter. Rund 300 Euro erbringen Leas Produkte. Das Geld wandert aber nicht in die Spardose. Es ist das finanzielle Fundament für die vom Missionskreis vermittelte Patenschaft mit einem Mädchen aus dem Waisenhaus „La Bonté“ im kongolesischen Mwene-Ditu. Dass es wie Leas Urgroßmutter Hildegard heißt, ist ein schöner Zufall. Mittlerweile ist das Waisenkind zweieinhalb Jahre alt und „selbstverständlich“ hat ihre Patin ein Foto von ihm.

Die Elfjährige näht gern und verkauft ighre Produkte auf dem Hennefer Weihnachtsmarkt. Den Erlös spendete sie für ihr ein Waisenkind im Kongo, für das sie die Patenschaft übernahm.

Die Elfjährige näht gern und verkauft ighre Produkte auf dem Hennefer Weihnachtsmarkt. Den Erlös spendete sie für ihr ein Waisenkind im Kongo, für das sie die Patenschaft übernahm.

Bei der Aktion „Echthaarspenden für krebskranke Kinder“ findet die Gymnasiastin die nächste Möglichkeit Bedürftige zu unterstützen. Sie überlegt nicht lange und lässt ihre Haare wachsen. Die erforderliche Mindestlänge von 30 Zentimetern ist bald erreicht und das Haar bekommt seine neue Zweckbestimmung. Lea bereut den Verlust nicht: „Die Haare wachsen wieder nach, dafür kann sich jetzt ein Kind über eine Perücke freuen.“

Der Jakobsweg war immer Thema. Lea war Feuer und Flamme.
Bernadette Sippl

Ihre Begeisterung für das Wandern entdeckt die Gymnasiastin, als sie mit der Mama in mehreren Etappen ins 125 Kilometer entfernte Marburg wandert, um Lutz, einen Freund der Familie zu besuchen. „Es gab jede Menge Zeit für Gespräche. Auch der Jakobsweg war immer Thema“, erzählt die Mutter: „Lea war Feuer und Flamme. Sie wollte das unbedingt machen.“

Für die Aktion „Echthaarspenden für krebskranke Kinder“ ließ sich Lea Sippl ihren langen Zopf abschneiden.

Für die Aktion „Echthaarspenden für krebskranke Kinder“ ließ sich Lea Sippl ihren langen Zopf abschneiden.

Zunächst nimmt das Wander-Duo den 75 Kilometer langen Beuroner Jakobusweg durch die Schwäbische Alb und das obere Donautal in Angriff. Dann einen Teil des Münchner Jakobswegs. Zweimal führt es beide nach Santiago de Compostela. Zunächst vom galizischem Sarria aus, das ein gutes Stück vor den letzten 100 Kilometern bis zur Pilgerstadt liegt. Diese 100 Kilometer sind Voraussetzung für die Campostela, wie das Beweisdokument heißt, den Jakobsweg absolviert zu haben. Die Ankunft ist für beide ein „einmaliges Erlebnis“.

„Menschen aus aller Welt sind da, alle mit der gleichen Begeisterung“, sagt die Mutter. „Man versteht sich gleich, auch ohne die andere Sprache zu können“, ergänzt die Tochter. Das Schöne am Wandern seien die Ruhe und die Zeit für einander. „Wir unterhalten uns sehr viel und man merkt, dass sich alles im Leben regelt“, betont Lea. Viele Gleichaltrige hätten noch kein Interesse am Wandern. Mit ihrer Mutter findet sie es sehr schön: „Manche sagen auch, wir wären wie Schwestern.“