Bornheim – Ein kleiner Brocken Metalloide auf dem Konferenztisch ist bisher der einzige Schmuck im neuen Dienstzimmer von Christian Dubois. Der 47-Jährige hatte Mittwoch erst seinen dritten Arbeitstag als neuer Leiter des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums (AvH) in Bornheim, „und da liegt noch nicht so viel auf dem Schreibtisch“, sagt Dubois.
Die Augen glänzen, wenn er mit sanfter Stimme von seiner neuen Aufgabe erzählt. Das AvH hat der gebürtige Hamburger und Wahl-Bonner schon länger im Blick gehabt, denn es geschehe ja nun nicht allzu häufig, „dass sich in der Region ein Gymnasium gründet“. Mit 15 Jahren sei die Lernstätte „noch ein Teenie“, und es sei seine Aufgabe, dessen Weiterentwicklung zu steuern.
Seine beiden elf- und 13-jährigen Söhne besuchen ein Bonner Gymnasium, berichtet Dubois. „Es ist hilfreich, wenn man auch den Blickwinkel des Vaters hat, nicht nur den des Schulleiters.“ Seit 18 Jahren ist der Nachfolger von Gründungsrektorin Brigitte Engelhardt, die seit Juni im Ruhestand ist, Lehrer für Chemie und Biologie, und er sei „viel rumgekommen“ in der Zeit. 1997 hatte Dubois seinen Schuldienst in Bonn begonnen, wechselte zwei Jahre später nach Baden-Württemberg „in ein völlig anderes Schulsystem“. Fünf Jahre blieb er in Korntal nahe Stuttgart, wurde dort bereits mit Verwaltungsaufgaben betraut und kam „aus Sehnsucht nach dem Rheinland“ 2004 wieder nach Bonn zurück. Drei Jahre war er am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium tätig, dann Vize-Schulleiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums.
Der Musikzweig der Bornheimer habe bis nach Bonn geschallt, sagt Dubois. „Dazu kommt noch ein fantastisches Gebäude mit zum Teil exzellenter Ausstattung“, schwärmt er von seiner neuen Wirkungsstätte. Entscheidend seien für ihn aber die Begegnungen im Haus gewesen, „mit weit über den Durchschnitt hinaus engagierten Lehrern und einer engagierten Elternschaft“.
Besonders beeindruckt hätten ihn aber die Schüler, die „mit großem Selbstbewusstsein, gut vorbereitet, freundlich und höflich“ in die Gespräche gegangen seien. Für ihn ein Hinweis, „dass die Werteerziehung an dieser Schule sehr gut gelingt“. Den respektvollen Umgang miteinander hält Dubois ohnehin für essenziell, da habe er „ganz klare Vorstellungen“.
Auch seine Leitidee zeugt von einem hohen Anspruch: „Jeder einzelne Schüler soll die bestmögliche Förderung erhalten.“ Es gelte, die Ziele hoch anzusetzen in der Schule mit knapp 1000 Schülern und 100 Lehrern.
Brigitte Engelhardt habe ein außergewöhnliches Gymnasium aufgebaut, lobt Dubois. Er möchte dessen Profil weiter schärfen, etwa mit dem Ausbau des naturwissenschaftlichen Bereichs. „Man könnte die Mint-Fächer erweitern“, sprach Dubois den Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik an. Erstmals wird es jetzt einen Informatik-Leistungskurs geben.
Und weil der sportliche Schulleiter – er fährt mit dem Rennrad zur Arbeit – auch die Bewegung seiner Schüler im Blick hat, sollen mehr solcher Angebote im Ganztagskonzept untergebracht werden. Und was macht Christian Dubois in seiner Freizeit? Ausdauersport, lesen und kochen. Von seinen ehemaligen Schülern hat er ein Buch über die Molekularküche bekommen; das passt zum Naturwissenschaftler. Auch seine Ferienlektüre ist nicht gerade Mainstream: „Überwachtes Deutschland“ des Historikers Josef Foschepoth liegt sicher ebenso wenig auf jedem Nachttisch wie „Teenie-Leaks: Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“ des 15 Jahre alten Autors Paul David Bühre.