Gefälschte Rolex-Uhren vertickte ein 52-Jähriger aus Lohmar, Schaden: mindestens 44.500 Euro. Doch bestraft wird er nicht. Wie kann das sein?
Falsche Rolex-UhrenWarum ein Betrüger aus Lohmar nicht zur Rechenschaft gezogen wird

Gefälschte Rolex-Uhren verkaufte ein Lohmarer im großen Stil an Pfandleihhäuser. Zur Rechenschaft gezogen wird er dafür nicht. (Symbolbild)
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Vier Angeklagte saßen vor dem Schöffengericht, die Betrüger hatten mit gefälschten Rolex-Uhren einen hohen Schaden verursacht, doch erhielten nur zwei Beteiligte milde Strafen. Der Drahtzieher wird nicht zur Rechenschaft gezogen. Und die Opfer bleiben auf ihrem Schaden - immerhin insgesamt 44.500 Euro - sitzen. Wie ist das möglich?
Doch von vorn: Ein 52-Jähriger aus Lohmar kaufte im großen Stil von einem der Mitangeklagten aus China importierte, nachgemachte Luxus-Zeitanzeiger zum Stückpreis von 150 bis 780 Euro. In diversen Pfandleihhäusern in Sieburg, Köln, Bonn und Frankfurt vertickte er die vermeintlichen Rolex für jeweils 2500 bis 7000 Euro. Versehen mit gefälschten Garantiekarten und Kaufverträgen.
Der verheiratete Lohmarer schickte zweimal seine Geliebte aus Hessen vor
Damit die Pfandleiher keinen Verdacht schöpften, schickte der verheiratete Mann zweimal seine Geliebte vor, einmal sprang deren Schwester ein. Angeklagt waren elf Fälle aus dem Zeitraum Februar bis August 2023, neunmal hatten die Betrüger Erfolg, beim zweiten gescheiterten Versuch in Siegburg wartete schon die Polizei vor der Ladentür.
Für die Ermittler waren diese Fälle nur ein Teil der Betrugstaten. Viele der angeschriebenen Leihhäuser hätten darauf verzichtet, Anzeige zu erstatten, so die Staatsanwaltschaft. Andere hätten sich überhaupt nicht zurückgemeldet - vielleicht weil sie die heiße Ware schon als echte Schnäppchen an den Mann gebracht hatten?
Angeklagt waren neben dem Betrug auch Verstoß gegen das Markenrecht und Urkundenfälschung. Das Verfahren gegen den Importeur, einen 29-Jährigen aus Rommerskirchen, trennte die Vorsitzende Richterin Julia Dibbert ab. Es blieb unklar, wie viele China-Uhren er an den Lohmarer verkaufte.
„Ich habe keine Liste geführt“, sagte der junge Mann. Der Drahtzieher hatte wohl noch andere Bezugsquellen hatte, das ergibt sich aus der Handy-Auswertung. Der geständige 29-Jährige muss sich zu einem späteren Termin vor Gericht verantworten, der 52-Jährige wird als Zeuge geladen werden.
Die beiden 36 und 32 Jahre alten, in Hessen wohnhaften Schwestern räumten alle Vorwürfe ein. Sie hätten aus Geldnot gehandelt - und, im Fall der Älteren, aus „Liebe“. Die Mutter zweier Kleinkinder hatte zu diesem Zeitpunkt Spielschulden, und sie wollte aus ihrem Alltag ausbrechen, so formulierte es ihre Strafverteidigerin. Den Lohmarer hatte sie auf einer Internetplattform kennengelernt.
Job als Kellnerin
Mittlerweile habe sie einen Job als Kellnerin, leiste noch Sozialstunden aus einem anderen Verfahren ab - in dem es ebenfalls um einen Rolex-Betrug ging, und mache eine ambulante Suchttherapie. Sie habe sich längst von dem Lohmarer getrennt und lebe wieder mit dem Vater ihrer Kinder zusammen.
Sie erhielt eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird, und muss insgesamt 3600 Euro Entschädigung an zwei Pfandleihhäuser zahlen, in 100-Euro-Monatsraten. Gegen ihre bislang nicht vorbestrafte Schwester, alleinerziehende, zweifache Mutter und Bürgergeldempfängerin, wurde das Verfahren eingestellt, sie muss 100 Sozialstunden leisten.
Landgericht Köln verurteilte Lohmarer Schwerverbrecher zur sieben Jahren Haft
Und der Drahtzieher? Der könnte in dem Rolex-Fall davonkommen. Hintergrund: Er sitzt bereits wegen anderer Straftaten in der Justizvollzugsanstalt Köln. Zudem wurde er unlängst vom Landgericht Köln wegen schweren Raubs und räuberischer Erpressung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil hat sein Strafverteidiger Revision eingelegt.
Falls diese keine Erfolg hat, werde die Strafe vollstreckt, so die Staatsanwaltschaft, zudem noch laufende Bewährungen würden widerrufen, so dass er mindestens neun Jahre hinter Gittern sitzen muss. Das Siegburger Verfahren gegen ihn würde dann endgültig eingestellt, weil es angesichts dessen nicht ins Gewicht fallen würde.
Der Wertersatz, das heißt der Ertrag aus der Tat in Höhe von 44.500 Euro, würde nicht bei ihm eingetrieben, die Pfandleiher blieben dann auf ihren Schäden sitzen. Ihnen blieb nur der Weg der Zivilklage. Sollte die Revision erfolgreich sein und der Lohmarer im Kölner Fall straffrei davonkommen, werde das Siegburger Verfahren wieder aufgenommen. Doch damit, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, sei nicht zu rechnen.
