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Auf ehemaligem CampingplatzNach 14 Jahren startet die Agger-Renaturierung in Lohmar-Peisel

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Blick auf die Baufläche.

Auf dem vier Hektar großen Grundstück des ehemaligen Campingplatzes soll die Agger sich ausbreiten.

Die Bauarbeiten haben begonnen: Bis Ende des Jahres soll ein natürlicher, breiterer Flusslauf der Agger in Lohmar-Peisel wiederhergestellt werden. 

Wo früher einmal Campingwagen standen, ist jetzt eine vier Hektar große Baufläche. Schon zum Jahresende soll hier Wasser fließen. Die Baumaßnahmen zur Renaturierung des Aggerabschnitts in Lohmar-Peisel haben im Februar begonnen. Auf Dauer soll so die Wasserqualität verbessert und die Biodiversität gefördert werden. Außerdem soll die Umgestaltung der Agger zum Hochwasserschutz beitragen: Indem der begradigte Flusslauf sich auf einem breiteren Gebiet ausbreiten kann, werden zusätzliche Überschwemmungsflächen zum Rückhalt von Hochwasser geschaffen.

Das Projekt kostet insgesamt 2,4 Millionen Euro, die Planungs- und Baukosten werden zu 80 Prozent vom Land NRW gefördert. Die restlichen 20 Prozent trägt der Aggerverband. Schon seit 2012 ist das Projekt in Planung, auch an anderen Abschnitten der Agger bestand bereits die Idee der Renaturierung. „In anderen Gebieten ist oft das Problem, dass wir wegen der dortigen Grundstücke nicht die Möglichkeit haben, zu bauen“, sagt Uwe Moshage, Vorstand des Aggerverbandes. „Das hat hier zum Glück seit langer Zeit geklappt.“

Aggerverband: Gesetzgebung stand der Projektumsetzung im Weg

Grund war, dass der Betreiber des ehemaligen Campingplatzes in Peisel insolvent ging. Der Campingplatz sei schon lange in einem „fürchterlichen Zustand“ gewesen, sagt der Grünen-Vorsitzende Horst Becker: „Toilettenabfälle wurden einfach in den Boden eingeleitet, und solche Dinge.“ Nach der Insolvenz wurde das Grundstück unmittelbar neben dem Restaurant Mykonos zügig mithilfe von Fördergeld gekauft.

Dennoch habe es lange gedauert, bis endlich mit der Umsetzung des Projektes habe begonnen werden können, so Uwe Moshage: „Es sind jetzt 14 Jahre seit Planungsbeginn – das zeigt ein Dilemma, in dem wir hier in der ganzen Republik stehen.“ Das Handeln verschiedener Akteure sei durch die Gesetzgebung stark eingeschränkt gewesen, beispielsweise durch Auflagen der Naturschutzbehörde.

Wir brauchen in Deutschland Instanzen, die entscheidungsfähig sind.
Uwe Moshage, Vorstand des Aggerverbandes

„Aber immer dann, wenn wir Gewässer entwickeln wollen, heißt das doch: Wir wollen etwas Neues schaffen und den Zustand verbessern“, unterstreicht Moshage. „Wir brauchen in Deutschland Instanzen, die entscheidungsfähig sind. Wenn wir das nicht hinbekommen, dann werden Projekte weiterhin so lange dauern wie dieses hier.“

Eine Frau steht vor einem Plakat.

Projektleiterin Silke Leuchtenberg erklärt den Ablauf der Renaturierungsmaßnahmen.

Laut Wasserrahmenrichtlinie seien die unterhaltspflichtigen Verbände beauftragt, Gewässer ökologisch zu verbessern, sagt Projektleiterin Silke Leuchtenberg, die in der Abteilung Gewässerentwicklung beim Aggerverband arbeitet. „In der letzten Bestandsaufnahme für diesen Abschnitt der Agger wurde der Zustand mit ‚mäßig‘ beurteilt, der ökologische und chemische Zustand mit ‚nicht gut‘. Das heißt, dass wir gefordert sind, zu handeln.“

Im Februar sei es endlich „sehr rasant“ losgegangen, so Leuchtenberg. Innerhalb weniger Tage wurde die Fläche mit finanzieller Unterstützung der Stadt Lohmar geräumt und die Baustelle eingerichtet. Außerdem sind bereits große Teile der Befestigungen auf dem Campingplatz zurückgebaut. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die hier teilweise auch über einen längeren Zeitraum für wenig Geld gewohnt hatten, hatten diese über Jahre auf unterschiedliche Weise gestaltet. 

Überbleibsel des Campingplatzes wurden für das Projekt zur Herausforderung

So einiges sei bei diesen Arbeiten bereits aus dem Boden geholt worden, so Uwe Moshage, „auch vieles, was wir nicht haben wollten“. Beispiele dafür sieht man am Rand der Baustelle: Hier liegen mehrere riesige Wasserkanister, Schläuche und gestapelte Bodenbeläge. Auch mehrere Bäume und Sträucher wurden ausgegraben, die später wieder eingesetzt werden sollen.

Als Nächstes werde der obere Boden abgeschabt, erklärt Silke Leuchtenberg, „das hätte eigentlich schon längst passiert sein sollen“. Durch die Campingplatznutzung sei der Boden jedoch sehr inhomogen, weswegen dieser zuerst getrennt werden müsse, bevor er entsorgt oder weiterverwendet werden könne. Durch diese aufwendige Arbeit sei man etwas ins Stocken gekommen, es solle aber schnellstmöglich weitergehen.

Blick auf alte Wasserkanister.

Überbleibsel des ehemaligen Campingplatzes wurden aus dem Boden des Grundstücks geholt.

In der ersten Bauphase solle es auf der anderen Aggerseite, gegenüber dem Campingplatz Jansen, losgehen. Von Süden wolle man sich dann langsam nach Norden durcharbeiten. Wenn alle Ufer- und Sohlbefestigungen entfernt sind, beginnt das Anlegen eines Gewässerlaufs. Dieser soll unterschiedlich strukturiert sein, mit Flachwasserzonen und Kiesbänken als Lebensraum für Wasserorganismen.

Auch eine kleine Insel ist Teil der neuen Struktur des Flusslaufs. „Wir wollen ja für Hochwasserereignisse eine bessere Vorsorge bewirken. Deswegen wird die gesamte Fläche, auf der wir jetzt stehen, abgesenkt“, erklärt die Projektleiterin Leuchtenberg. Das werde sukzessive während der Bauphasen passieren, „da ist man monatelang mit beschäftigt“.

Für den letzten Bauabschnitt plant der Aggerverband, in Zusammenarbeit mit der Stadt Lohmar einen Info-Point zu bauen. Dieser soll Radfahrern und Spaziergängern die Maßnahme erklären. Zum Schluss geht es an die Bepflanzung. Dies sei unter anderem für den Schutz der Biodiversität wichtig: Bäume und Sträucher spendeten Schatten, so werde sich das Gewässer weniger schnell erhitzen. Zu hohe Wassertemperaturen wiederum gefährdeten den Sauerstoffgehalt in der Agger, erläutert Silke Leuchtenberg. 

Das alles bis zum Jahresende fertigzustellen, wirkt ambitioniert. Sie sei jedoch aktuell optimistisch, dass alles im Zeitplan klappen werde, sagt die Projektleiterin. Der aktuelle Stand der Renaturierung ist mit aktuellen Bildern und Maßnahmen immer auf der Webseite des Aggerverbands einsehbar.