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FluglärmLohmar fordert strengere Nachtflugregeln und Kernruhezeit am Flughafen Köln/Bonn

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Ein Flugzeug fliegt bei Nacht vor dem Mond

Nächtlicher Fluglärm ist eine starke Belastung für Einwohner Lohmars und anderer Kommunen (Symbolbild).

In einer Stellungnahme an das Landesverkehrsministerium fordert die Stadt Lohmar verbindliche Lärmgrenzen für besseren Gesundheitsschutz.

Im Streit um die künftigen Nachtflugregelungen am Flughafen Köln/Bonn bezieht die Stadt Lohmar klar Stellung. In der Ratssitzung am 7. Juli entschieden die Fraktionen mit Ausnahme der AfD einstimmig, drastische Nachbesserungen und eine Kernruhezeit einzufordern. Eine Resolution und Stellungnahme hat die Stadt am Mittwoch, 15. Juli an das Landesministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr gesendet.

Hintergrund des Konflikts ist ein Antrag des Flughafens Köln/Bonn vom März 2026 auf „Entfristung“ der bestehenden Nachtflugbeschränkungen. Aktuell sind die Lärmschutzauflagen noch bis zum 31. Oktober 2030 befristet. Der Flughafen möchte die bestehenden Regelungen verlängern; nach eigenen Angaben für mehr Planungs- und Investitionssicherheit für den Standort, ansässige Unternehmen und Beschäftigte sowie verlässliche Lärmschutzstandards für die Bevölkerung.

Aktuelles Lärmschutzkonzept des Flughafens bewertet die Stadt Lohmar als unzureichend

Fluglärm ist für Einwohnerinnen und Einwohner großer Teile des Rhein-Sieg-Kreises ein großes Problem, Lohmar ist eine der am stärksten betroffenen Kommunen. „Der Fluglärm in der Nacht kostet uns alle Lebensenergie und Zeit“, legte die Lohmarer Einwohnerin Claudia Rust in der Ratssitzung dar. Erkrankungen wie Brustkrebs, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Bluthochdruck seien Folgen von Nachtfluglärm. „An Lärm in der Nacht gibt es außerdem keinen nachweisbaren Gewöhnungseffekt. Man hört ihn immer“, so Claudia Rust.

In seinem Antrag führt der Flughafen das aktuelle Lärmschutzkonzept aus, welches nach Erfahrungen von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern sowie laut Messwerten der Fluglärmkommission jedoch nicht besonders wirksam ist. Dazu gehören Betriebsbeschränkungen in der Nacht und lärmarme An- und Abflugverfahren, lärmabhängige Entgelte und die finanzielle Begünstigung moderner, leiserer Flugzeugtypen.

Der Fluglärm in der Nacht kostet uns alle Lebensenergie und Zeit.
Claudia Rust, Einwohnerin

Die Resolution und Stellungnahme aus Lohmar basiert auf einem Schreiben, welches Mitglieder der Fluglärmkomission im März dieses Jahres für die betroffenen Kommunen formuliert haben. Nur die AfD stimmte dagegen, mit dem Argument, der Flughafen würde überzeugend darstellen, dass er sich bereits um Lärmschutz bemühe.

Der Flughafen verweist auf Berechnungen, nach denen die Lärmfläche seit 1997 um 28 Prozent geschrumpft sei. Die Fluglärmkommission hält hier mit realen Messwerten dagegen. Diesen Angaben zufolge ist der nächtliche Dauerschallpegel an den lautesten Messstellen seit 2002 nicht etwa gesunken, sondern leicht von 50,9 auf 51,2 Dezibel gestiegen. Messstellen befinden sich im südlichen Teil von Lohmar-Ort, in Siegburg-Stallberg und im nördlichen Troisdorf. Selbst die von der Flughafen GmbH beauftragten schalltechnischen Untersuchungen weisen nach, dass die sogenannte Lärmfläche angestiegen ist; das zeigt die Stadt Lohmar in der von Bürgermeister Matthias Schmitz unterzeichneten Stellungnahme.

Stadt nennt gesundheitliche Belastung für Lohmarerinnen und Lohmarer „unzumutbar hoch“

Besonders kritisch sieht die Stadt die „Explosion“ der nächtlichen Passagierflüge, die sich in den letzten 15 Jahren nahezu verdreifacht haben. Die Flughafen GmbH habe angekündigt, Nachtflüge durch höhere Entgelte verringern zu wollen, dies sei nicht passiert. Insgesamt sei keine positive Veränderung des nächtlichen Fluglärms seit Inkrafttreten der Nachtflugbeschränkungen 1997 und des Fluglärmgesetzes 2007 erkennbar. Dies mache deutlich, dass die bisherigen Bemühungen um Lärmminderung nicht zielführend waren und verschärft werden müssen. Die Belastung der Lohmarer Bevölkerung sei nach wie vor „unzumutbar hoch“. 

In ihrer Stellungnahme erkennt die Stadt Lohmar die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens für die Region an, verweist aber auch auf negative Auswirkungen, die der Lärm auf Wohn- und Wirtschaftsstandorte sowie den Tourismus hat. Weiterhin sei der Flughafen in den letzten zehn Jahren mit etwa 75 Millionen Euro von der Stadt Köln, Land und Bund unterstützt worden und habe keine Dividenden ausgeschüttet.

Für eine neue Genehmigung formuliert die Stadt Lohmar in ihrer Resolution klare Bedingungen. In einer Kernruhezeit zwischen 0 und 5 Uhr soll der Passagierflugverkehr vollständig untersagt werden. Weiterhin müssen künftige Lärmauflagen klar verbindlich und klar messbar formuliert werden: durch beispielsweise Obergrenzen für Maximalpegel und eine zeitgemäße Kategorisierung der Flugzeugtypen in Lärmklassen. Ziele wie „signifikante Lärmminderung“ müssen klar durch prozentuale Verbesserung pro Jahr und Nennung des Bezugsjahrs definiert und diese Fortschritte konsequent überprüft werden.

Zusätzlich fordert die Stadt Lohmar eine neue, unabhängige Studie zu den gesundheitlichen Risiken für die Anwohner, da die Lärmbelastung die WHO-Empfehlungen deutlich übersteige. Eine unbefristete Genehmigung lehnt die Stadt Lohmar generell ab. Nur so können auch in Zukunft Anpassungen an neue technische Entwicklungen und Erkenntnisse entschädigungsfrei vorgenommen werden, um die Lärmminderung nachhaltig zu sichern.