Siegburg/Sankt Augustin/Lohmar – Genau dort haben sie schon als Duo zusammengearbeitet. In Lohmar eroberten die beiden Geistlichen die Herzen vieler katholischer Gläubiger und bekamen wegen der dort starken Ökumene auch viel Zustimmung unter den Protestanten. Der eine, Pfarrer Fred Schmitz (65), überzeugt mit sensibler, nachdenklicher, sich zuwendender Art und zugleich stets passenden und lustigen Sprüchen des Komikers Loriot. Damit hat er schon viele Freunde gewonnen und manche brenzlige Situation im Nu entspannt. Der andere, Pfarrer Bonifatius Müller (53), ist der agil, verschmitzt und jugendlich wirkende Seelsorger, der als kölscher Jung zu den rheinischen Christen passt und oft mitreißend wirkt.
Prima Voraussetzungen also für ihr neues Wirken. Und damit geht es, unabhängig vom im März geplanten Einführungsgottesdienst, schon am Freitag los. Joachim Kardinal Meisner hat zum 1. Februar Schmitz zum Dechanten als Nachfolger von Peter Weiffen (früher Siegburg, jetzt Köln-Brück) ernannt und Müller zum Definitor. Den Posten als Stellvertreter Weiffens, gegen dessen Versetzung seine Großgemeinde vergeblich protestiert hatte, bekleidete Schmitz schon seit drei Jahren.
"Dass ausgerechnet Bonifatius Müller mein Stellvertreter wird, habe ich mir nicht ausgesucht", sagte Schmitz. "Aber ich habe es mehr als begrüßt." Ausgesprochen nicht nur für Schmitz, sondern auch für Müller hatten sich der Dekanatsrat sowie Pfarrer, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten. Er wolle nun als Dechant sehr stark koordinieren, so Schmitz, und mit allen die Frage klären: "Wohin soll sich die Kirche entwickeln und was bedeutet Kirche im Ort, in der Stadt und in der Gesellschaft?"
Auf der "richtigen Rheinseite", sagt Müller, sei er geboren, in Köln-Sülz. Einen Bruder hat er. 31 Jahre gehörte Müller zu den Benediktinern des Siegburger Michaelsbergs als freigestelltes Ordensmitglied mit verschiedenen Seelsorgestellen.
Vor zwei Jahren wechselte er vom Orden in die Diözese als Pfarrer. Seit 2004 ist er schon in Lohmar. Müller: "Fürs Pfarrer-Examen musste ich richtig büffeln." Etwa Verwaltung und Kirchenrecht. Und Hobbys? "HKZ", antwortet er. Was bedeuten soll: "Ich han kein Zick." Zeit habe er neben der Seelsorge fast nur für seine zwei Katzen und den Garten am Pfarrhaus in Wahlscheid. (ca)
Richtig einer von hier - das ist Fred Schmitz, der im März 66 wird und am 7. Juni seit 40 Jahren Priester ist. In Troisdorf geboren, eine Schwester, ein Bruder, ging er in Siegburg aufs Gymnasium, absolvierte Abitur und Studium in Bonn, kam nach Stationen in Velbert und Wuppertal als Gefängnis-Seelsorger in den Kölner Klingelpütz (1992 bis 2001), danach und bis 2012 Leitender Pfarrer in Lohmar.
Im Herbst ging er als Pfarrvikar nach Sankt Augustin. "Ich wollte mehr Seelsorge machen und von der vielen Verwaltungs- und Kirchenvorstandsarbeit entlastet sein." Damit hatte er in Lohmar, wo er auch ein Motor der Tafel war, unter anderem wegen der lange gesperrten und sanierten Johanneskirche in hohem Maß zu tun.
In dieser Zeit fand seine Gemeinde Zuflucht in der nahen evangelischen Christuskirche. Die Ökumene wuchs dort wie kaum andernorts. Dann erhielt sie einen schweren Dämpfer, als der Kardinal wegen der Einheit der Liturgie sogar das gemeinsame Osterfeuer verbot. Mit Protestunterschriften zogen die Lohmarer zum Kölner Generalvikariat.
Danach kam Kardinal Meisner zur Visitation. Schmitz: "Die persönlichen Begegnungen habe ich als sehr gut empfunden. Wir sind uns näher gekommen und haben vieles im Gespräch geklärt." (ca)
So allgemein wollte Fred Schmitz im Gespräch mit der Rundschau aber nicht bleiben. Er setzt große Hoffnung auf die Ökumene. "Das ist ein total zentraler Punkt." Nötig sei, erläuterte der künftige Dechant weiter, ein offener und direkter Austausch miteinander. Er wünsche sich eine Geisteshaltung ohne Enge, die sich mit den Fragen beschäftige, was die Menschen wirklich bewege. Fred Schmitz abschließend: "Ich will, dass es nach vorne geht mit und in der Kirche."
