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Sperrung NordbrückeMegastau vor der Fähre – In Mondorf klingeln die Wecker nun früher

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Frau mit Kind an einem Flohmarktstand

„Um sechs Uhr muss ich auf der Autobahn sein.“ Bei Kate Morrissey-Stocksiefen klingelt der Wecker nun früher.

So mancher Mondorfer wird vom Hupkonzert geweckt: Wie der Ort unter dem Megastau zur Fähre leidet, das war Thema beim Garagentrödel. 

Links abbiegen? Unmöglich. Als Kate Morrisey-Stocksiefen wie immer zur Arbeit wollte, gab's in Mondorf kein Durchkommen mehr. Seit der Sperrung der Nordbrücke klingelt ihr Wecker in der Langgasse nun eine Dreiviertelstunde früher. „Um sechs Uhr muss ich auf der Autobahn Richtung Köln sein“, sagt die Finanzplanerin, „ich habe meine Arbeitstage neu geplant.“ Sie genießt die Ruhe an diesem Dorftrödel-Sonntag, bei dem der Megastau zur Fähre das beherrschende Thema war.   

„Das Hupen ist das Schlimmste“, sagt Sigrid Huber, die ihren Stand vis à vis der Kirche aufgebaut hat. Die Provinzialstraße sei vor allem morgens komplett dicht, vom Netto an der großen Kreuzung bis zum Rhein. Bernhard Paul, genannt Shorty, stoppt mit seinem Fahrrad, schildert in Rage seine letzte Autofahrt nach Bonn-Endenich: Statt einer Viertelstunde wie früher brauchte er fast zwei Stunden, „das haben wir den Politikern zu verdanken, die lieber Fahrradwege als Brücken bauen“.     

Bei den Einzelhändlern in Mondorf bleibt die Laufkundschaft weg

„Eine Katastrophe für die Region“, stimmt Jens Hansen zu. „Das wird den Niedergang noch beschleunigen.“ Er könne zum Glück überwiegend im Homeoffice arbeiten, müsse aber zweimal in der Woche nach Bonn ins Büro, fährt schon um 5.30 Uhr los und möglichst früh zurück, „bevor bei der Telekom Feierabend ist um 15 Uhr“.

Seine Frau, die eine Praxis für Hand- und Fußpflege hat, schildert, dass ihre vorwiegend älteren Kunden weite Fußwege in Kauf nehmen müssen, weil die Parkplätze weggefallen sind. Einbußen habe sie noch nicht: „Ich arbeite nur mit Termin.“ Standnachbarin Ludmila Fischer, die beruflich medizinische Massagen anbietet, nickt: „Hier kann keiner mehr parken.“ Noch schlimmer treffe es die  Einzelhändler, wie die Boutiquebesitzerin nebenan, „da bleibt die Laufkundschaft weg“.

Ein Mann auf einem Fahrrad vor einem Flohmarktstand

„Die Huperei ist am Schlimmsten“, sagt Sigrid Huber (r.). Bernhard Paul (l.), genannt Shorty, ist sauer auf die Politik: „Die bauen lieber Fahrradwege als 'ne Brücke.“

Krankenwagen, die Patienten abholen wollen und quer stehend den Verkehr blockieren, hat sie ebenso beobachtet wie waghalsige Wendemanöver genervter Autofahrer. „Was soll das werden“, wirft Jens Hansen ein, „wenn die Fähre bei Hoch- oder Niedrigwasser ausfällt?“ 

Wochentags füllten sich die schmalen Sträßchen ringsherum mit dem Schleichverkehr, das beobachten Christa Odenthal und Waltraud Kreuzberg vor allem morgens. „Dann kommen die Nachbarn nicht aus ihren Garageneinfahrten raus.“ Kürzlich habe eine Bekannte zwei Stunden für die paar Hundert Meter bis zum Rhein gebraucht.

Zu Fuß zu gehen sei keine Option: „Sie braucht ihren Wagen auf der anderen Rheinseite.“ Eine andere habe ihr Auto bei Bekannten im linksrheinischen Bornheim-Hersel abgestellt, pendelt bis dahin mit dem Fahrrad. „Damit ist man schneller auf der Fähre“, weiß auch Studentin Mirja Schöne, die sich an den Slalom durch den dicken Verkehr auf ihrem Weg zur Bonner Uni schon gewöhnt hat.           

„Die Leute sind frustriert“, schildert Thomas Schmitz, den die plötzliche Brückensperrung auf dem Heimweg von einem Festival überraschte. Sich mit dem Wohnwagen einen Weg zu bahnen bis nach Mondorf, „das war die Hölle“. Umwege zu fahren, das gehöre nun zum Alltag, und das belaste ja auch alle anderen Anwohner.

Eine Frau an einem Flohmarktstand

„Die Leute kommen kaum aus ihren Garageneinfahrten und brauchen zwei Stunden für ein paar hundert Meter bis zur Fähre“, sagt Waltraud Kreuzberg.

Das Schlimmste sei, dass eine schnelle Lösung nicht in Sicht ist. „Jeder weiß, dass es nicht von heute auf morgen geht, eine neue Brücke zu errichten.“ Und wenn heute gesagt werde, dass frühestens 2030 Baustart sei, müsse man noch ein paar Jahre draufrechnen. „In Deutschland braucht ja mittlerweile alles endlos lange.“ Das sehe man auch an der Rheinspange, eine Brücke über den Rhein im Norden Niederkassels, die schon seit Jahren diskutiert werde: „Die könnte uns jetzt helfen.“     

Der Megastau betreffe nicht nur die Berufspendler, sondern alle Mondorfer, Radler, Fußgänger, Buspassagiere. Er bringe mehr Lärm,  mehr Gefahren und Einschränkungen. Er habe gerade erfahren, dass die Fahrradprüfung der Grundschule Mondorf aufgrund der aktuellen Verkehrslage ausfallen werde, erzählt der Familienvater: „Mehr als ärgerlich, dass auch die Kinder darunter leiden müssen.“  

Ein Mann vor seinem Haus

Die Rheinspange, die würde uns jetzt helfen, sagt Thomas Schmitz.

Den Verkehr zu entflechten, das würde für mehr Durchfluss  sorgen, meint Kate Morrisey-Stocksiefen. „Wenn es Einbahnstraßenregelungen gäbe für die Pkw in Richtung Fähre und zurück, könnte man besser abbiegen.“ Und vielleicht sei dann auch wieder Platz für das Parken am Straßenrand.