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Empörte ElternNiederkasseler Schulleiterin stellt nach Gerücht klar: „Wir haben noch Papier“

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Eine Person holt Papier aus einem Kopierdrucker.

An den Kopierern der Realschule gibt es noch genug Papier. Darauf weist die Schulleitung hin, nachdem ein Gerücht in den sozialen Medien die Runde machte. (Symbolbild)

In Windeseile machte das Gerücht die Runde, Niederkasseler Eltern sollten Papier für den Schulunterricht spenden. Was ist dran?

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten: Was häufig dem Journalismus nachgesagt wird, gilt umso mehr für die sozialen Medien, das zeigte sich gestern in Niederkassel. Besorgte Eltern empörten sich darüber, dass es in der Mondorfer Alfred-Delp-Realschule kein Papier mehr gebe. Die Eltern sollten spenden, entweder Geld oder Material. Den Bürgermeister erreichte am Mittag eine E-Mail, und noch bevor dieser dem Gerücht nachgehen konnte, wurde es online verbreitet und teils hämisch kommentiert. Unsere Zeitung fragte nach, in der Schule und bei der Stadtverwaltung.

Die gute Nachricht: „Das Papier reicht auf jeden Fall bis Jahresende“, teilte Schulleiterin Nicole Schulze mit. Sie habe lediglich den Lehrkräften mitgeteilt, dass der Vorrat zur Neige gehe und keine unnötigen Kopien angefertigt werden sollten. „Wir gehen jetzt sparsam damit um, es gibt aber eine Reserve.“ Eventuell sei durch einen unbedachten Post in einer WhatsApp-Gruppe das Thema hochgekocht. Es habe definitiv keinen Spendenaufruf an die Eltern gegeben. Und auch keine Aufforderung ans Kollegium, selbst Papier zu besorgen.

Die Stadt Niederkassel hat den Bereich IT aus den Budgets herausgelöst

Tatsächlich steckt hinter dem nun aufgeploppten Problem durchaus eine schlechte Nachricht: Die Budgets der Schulen wurden laut Schulleiterin seitens der Stadt gekürzt aufgrund der Haushaltsmisere. Es gebe ein Investitionsbudget, aus dem zum Beispiel Tische und Stühle bezahlt würden, so Nicole Schulze, und ein Verbrauchsmaterialbudget unter anderem für Papier. Zum Jahresende müsse es halt eingeteilt werden, das sei aber „überhaupt nicht schlimm“. Die Realschule könne jederzeit Unterricht und Klassenarbeiten sicherstellen.

Wenn es knapp auf knapp käme, sagt Schulze, könne sie sich an die Stadt wenden. Das Budget für diese Ausgaben habe sich nicht verändert, teilte hingegen Stadtsprecher Markus Thüren auf Anfrage mit. Lediglich die IT sei herausgenommen worden und werde nun zentral von der Stadt verwaltet. 

Das Geldmittel, über die die Schulen eigenständig verfügten, orientierten sich an den Vorjahreszahlungen, für die Realschule sei dieses Budget vor kurzem sogar außerplanmäßig erhöht worden. „Sollten Anschaffungen, trotz aufgebrauchtem Budget, für den Schulbetrieb dringend notwendig sein, so werden wir natürlich sicherstellen, dass der Betrieb weitergehen kann.“

Im Rathaus sei man für Fragen, Anregungen und Kritik jederzeit offen und dankbar, sagt Thüren: „Auch in diesem Fall hätten wir gerne auf die an uns gerichtete Anfrage geantwortet und die Situation geklärt. Ich finde es sehr bedauerlich, wenn stattdessen voreilig mit Falschinformationen bei Facebook Stimmung gemacht wird. Das hilft niemandem und löst keine Probleme – vielmehr schafft es Gräben, wo keine sein müssten. Das können wir in Niederkassel besser.“