Siegburg – So was nennt man Freud'sche Fehlleistung. Als „neuer Pfarrer von Siegburg“ habe er sich der Lokalzeitung im sächsischen Stollberg vorgestellt – und dann natürlich gleich korrigiert. Was aber zeigt: Ein bisschen schlägt sein Herz immer noch für Siegburg, räumt Pater Raphael Bahrs ein. Er war der 50. und letzte Abt auf dem Michaelsberg und hatte mit seinem überraschenden Rücktritt am 16. Mai 2010 sozusagen das Ende der traditionsreichen Abtei eingeläutet. Nun ist er Pfarrer in der kleinen Kreisstadt zwischen Chemnitz und Zwickau.
Nach seinem Rücktritt hatte Bahrs, mittlerweile 53, Siegburg den Rücken gekehrt, fand Obdach in der Erzabtei St. Martin in Beuron im Donautal und wurde wenig später von seinem Abtpräses in Rom suspendiert. „Aus kirchenrechtlichen Gründen, ich hatte mir nichts zuschulden kommen lassen“, betont Pater Raphael, der jetzt froh ist, dass der Vatikan die Suspendierung wieder aufgehoben habe und für ihn der Weg frei ist für einen Neuanfang. Dafür wechselte er von Beuron ins Benediktinerkloster Wechselburg, ein erst 1993 gegründetes Priorat der Abtei Ettal, eine halbe Autostunde von seiner neuen Wirkungsstätte entfernt. Offiziell wird Bahrs erst am 9. Februar in sein Amt als Pfarrer eingeführt, doch längst schon hat er die Arbeit aufgenommen.
Und er steht geradezu vor einer missionarischen Aufgabe. Anders als im Rheinland sind die Katholiken mit 2,5 Prozent der Bevölkerung eine Minderheit in Sachsen. Gerade mal 890 Katholiken, verstreut auf viele Dörfer, zählt die Pfarrei St. Marien, zu der noch zwei weitere Kirchen gehören. Da sei es gut, dass er einen Dienstwagen habe, meint Bahrs, mit dem er die Schäfchen besuchen kann – gemeinsam mit seinem Subsidiar. Der sei mit seinen 86 Jahren für den Soziussitz zu alt, witzelt Pater Raphael und spielt auf seine Leidenschaft fürs Motorradfahren an. Doch ohnehin steht seine Maschine, eine Suzuki Bandit 1200 s, immer noch in der alten Heimat. Bei seiner Schwester hat er das gute Stück untergestellt und will es holen, „bevor der TÜV abläuft“.
