Anlieger sind oft für das Beseitigen von Schnee und Eis auf den Gehwegen verantwortlich. Was, wenn man dazu körperlich nicht in der Lage ist?
Winterdienst in Rhein-SiegWas, wenn man nicht selbst Schnee schippen kann?

Schnee und Glatteis kommen oft plötzlich - und dann ist Schippen und Streuen angesagt.
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Schnee schippen, Sand streuen: In vielen Kommunen sind Bürgerinnen und Bürger dafür verantwortlich, dass die Gehwege bei Winterwetter sicher bleiben. Über die örtlichen Regelungen geben die Stadtverwaltungen auf ihren Internetseiten Auskunft. Für Eigentümerinnen und Eigentümer und teilweise auch Mieterinnen und Mieter gibt es Vorgaben zum Winterdienst. Werden diese nicht erfüllt, kann das geahndet werden. Doch das Befreien der Gehwege und Fahrbahnen von Schnee und Eis ist anstrengend – und älteren oder bewegungseingeschränkten Personen teilweise unmöglich.
Glatteis kann für jede und jeden zur Gefahr werden, doch für Seniorinnen oder Senioren ist das Verletzungsrisiko bei Stürzen um einiges höher. Menschen, die im Rollstuhl sitzen, haben oft nicht einmal die Möglichkeit, bei Schnee und Glätte das Haus zu verlassen. Manche Nachbarschaften organisieren sich so, dass bewegungseingeschränkte Personen keinen Winterdienst leisten müssen. Manche Senioren fragen Kinder, Enkel oder Freunde um Hilfe. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten.
Jugendliche helfen Älteren: Taschengeldbörsen in Lohmar und Siegburg
Die Stadt Lohmar verweist auf die städtisch organisierte Taschengeldbörse. Dort fänden Seniorinnen und Senioren oder bewegungseingeschränkte Personen Unterstützung. Seniorinnen und Senioren sowie Jugendliche ab 14 Jahren können sich bei der Taschengeldbörse anmelden. Ein städtischer Koordinator vermittelt zwischen den Parteien.
Die Bezahlung vereinbaren die Parteien miteinander, empfohlen wird ein Lohn von zehn Euro pro Stunde. Da ein Einsatz nicht immer spontan möglich ist, empfiehlt es sich, sich frühzeitig anzumelden. Die Anmeldung ist per E-Mail unter taschengeldboerse@lohmar.de möglich. Menschen, die Hilfe benötigen, können sich auch telefonisch bei Norbert Michels unter 02241 8662562 melden, Jugendliche bei Julian Czarnecki unter 0163 7888343.
„In funktionierender Nachbarschaft hilft man sich aus, wenn man weiß, dass den Nebenwohneden die Räum-Pflicht zu mühsam oder unmöglich ist.“
Auch die Stadt Siegburg organisiert eine Taschengeldbörse für alle, die Unterstützung im täglichen Leben benötigen, wozu auch der Winterdienst gehören kann. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren, die helfen und ihr Taschengeld aufbessern möchten, sowie diejenigen, die Hilfe suchen, können sich dazu unter 02241 1025555 oder per E-Mail an Taschengeldbörse@siegburg.de melden.
Für die Räumpflicht könne die Stadt keine Ausnahmen machen, teilt der Siegburger Pressesprecher Jan Gerull mit. Wer den Winterdienst nicht selbst leisten könne und in Auftrag gebe, müsse dies dem Ordnungsamt mitteilen. Gerull erinnert auch an den Gedanken der Nachbarschaftshilfe: „In funktionierender Nachbarschaft hilft man sich aus, wenn man weiß, dass den Nebenwohnenden die Räumpflicht zu mühsam oder unmöglich ist.“
Hennef empfiehlt, externe Dienstleister zu beauftragen
Die Stadt Hennef verweist auf die Möglichkeit, mit dem Räumdienst ein privates Unternehmen, etwa einen Hausmeisterdienst, zu beauftragen. Manchmal biete es sich an, dass sich mehrere Anlieger zusammentun, um einen solchen externen Dienstleister zu beauftragen. Auf der Webseite der Stadt gibt es eine Übersicht von Anbietern, die bei der Stadtverwaltung angegeben haben, Winterdienst zu übernehmen.
Die Gemeindeverwaltung Neunkirchen-Seelscheid empfiehlt ebenfalls die Absprache mit Nachbarn, Freunden oder Familienmitgliedern und weist auf die Möglichkeit hin, externe Dienstleister zu beauftragen. „Die Gemeinde selbst kann und darf keine Gehwegreinigung für die reinigungspflichtigen Bürgerinnen und Bürger vornehmen, da dies eine Konkurrenzsituation zu privaten Unternehmen auslösen würde“, teilt Pressesprecherin Kristina Schik mit. Senioren sowie Menschen mit Behinderung können sich jedoch durch die städtische Ansprechpartnerin sowie die Behindertenbeauftragte der Gemeindeverwaltung beraten lassen. Die Gemeinde informiert außerdem in ihrem Senioren- und Pflegewegweiser über Unterstützungsangebote.
Bad Honnef organisiert Hilfe über das ehrenamtliche Netzwerk der Stadt
Auch in Bad Honnef gibt es keine offizielle städtische Unterstützung beim Winterdienst, der Fachdienst Soziales, Integration und Ehrenamt könne jedoch im Einzelfall dank seines ehrenamtlichen Netzwerks Hilfe vermitteln. „Sobald ein Bedarf gemeldet wird, suchen die Ehrenamtskoordinatoren direkt nach einem Ehrenamtlichen, der die entsprechende Unterstützung leisten kann“, teilt Sprecherin Silke Florijn mit. Zuvor kläre man, ob die Hilfe familiär oder durch das nähere Umfeld geleistet werden könne. Der Fachdienst ist unter 02224 184339 oder per E-Mail an ehrenamt@bad-honnef.de erreichbar.

