Stadt Sankt Augustin entwickelt ein Konzept, um obdachlosen Menschen auf Dauer zu helfen.
Obdachlos472 Menschen leben in Sankt Augustin in Übergangsheimen – Konzept soll helfen

Symbolbild: Obdachlose Männer leben auf der Straße.
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Obdachlose Menschen, die in Übergangsheimen leben, werden wegen ihrer Anschrift oft stigmatisiert, haben Nachteile bei der Wohnungssuche und bei sozialen Kontakten. Das ist das Ergebnis eines Berichtes, den die Stadtverwaltung Sankt Augustin für den Stadtrat erstellt hat und in dem sie ein Konzept entwirft, um obdachlosen Menschen auf Dauer zu helfen. Der wichtigste Punkt sei der Einsatz von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern.
Dem Bericht zufolge lebten zum Stichtag 1. August 2023 in den 15 Übergangsheimen der Stadt 472 wohnungslose Personen. Das waren zehn Aussiedlerinnen und Aussiedler; 21 Asylsuchende, die sich noch im laufenden Verfahren befinden; 18 Geduldete sowie 433 obdachlos untergebrachte Personen, davon 185 Geflüchtete aus der Ukraine.
An 15 Stellen in Sankt Augustin gibt es Übergangs-Unterkünfte für obdachlose Menschen
Übergangsheime sind oft eine zeitlich befristete Notlösung für Menschen, die sonst ohne Unterkunft auf der Straße leben müssten. Dennoch gebe es Personen, die dort schon Jahre lebten. Sie verlören dort unter Umständen, so die Vorlage der Verwaltung, einen großen Teil ihrer Privatsphäre und des eigenen Sicherheitsgefühles, wenn sie sich ein Zimmer mit einer fremden Person teilen müssten oder in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht würden.

14 Menschen leben schon über 20 Jahren in Übergangswohnheimen der Stadt.
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Bei zwei der 15 Standorte handelt es sich um Wohnungen, dazu kommt ein kleines Haus. Dort sind jeweils nur eine Person oder eine Familie untergebracht. An den restlichen zwölf Standorten in Sankt Augustin leben mehrere wohnungslose Personen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft und mit unterschiedlichen Problematiken in abgeschlossenen Wohneinheiten oder Gemeinschaftsunterkünften, so die Stadtverwaltung.
Die Unterbringung in einem Übergangsheim fördere eine negative Selbstwahrnehmung mit Minderwertigkeitsgefühlen und Versagensängsten. Zudem fühlten sich die Menschen von der Gesellschaft abgeschoben, man schaue auf sie herab, nehme sie nicht mehr wahr.
Dies führe bei einigen wiederum zu Verhaltensweisen, die die Notlage letztlich manifestieren. Dazu gehörten zum Beispiel gesteigerter Konsum bei Suchterkrankungen, aggressives Verhalten gegenüber Mitmenschen, Zerstörungswut, Verwahrlosung, psychische Instabilität oder Selbstaufgabe.
Bei Personen mit psychischen Erkrankungen kann sich der Zustand verschlimmern
Auf ein weiteres Problem weist das Konzept zur Überwindung der Obdachlosigkeit hin. Bei Personen mit psychischen Erkrankungen könne sich durch die angespannte Lebenssituation in den Übergangsheimen der gesundheitliche Zustand verschlimmern. Hierdurch häuften sich „Auffälligkeiten und Vorfälle, die sich nicht alleine auf die Unterkünfte beschränken, sondern seitens der Bürgerschaft auch im weiteren Wohnumfeld als Ärgernis oder gar Bedrohung wahrgenommen werden“.
Personen, die zur Verwahrlosung neigten, bräuchten Unterstützung: Dadurch, dass sie in ihrem Verhalten nicht kontrolliert würden und ihnen keinerlei Unterstützungsangebote gemacht würden, hätten sie keine Chance, „nach Einweisung in ein Übergangs-Heim nicht erneut zu verwahrlosen, bis sie letztlich in einer menschenunwürdigen und hygienisch höchst bedenklichen Wohnsituation vor sich hinvegetieren“, so die Vorlage.
Die meisten in den Übergangsheimen untergebrachten Personen besäßen keine ausreichende Kompetenz oder Ressource, ihrem Leben aus eigener Motivation und Kraft heraus wieder eine Wende zu geben und sich aus der Unterbringungssituation selbstständig herauszuarbeiten. Die sozialpädagogische Unterstützung sei deshalb unerlässlich.

