GesundheitswesenAuszubildende führen eine Station in der Asklepios Kinderklinik

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Katharina Hinter und Tobias Theysen beim Anlegen von Schutzkleidung.

Katharina Hinter und Tobias Theysen beim Anlegen von Schutzkleidung.

Freude am Umgang mit Menschen ist für den Beruf wichtig.

Man merkt schnell, dass hier die Abläufe routiniert sind. Bei der Übergabebesprechung kommen die Mitarbeitenden schnell zur Sache. 17 Auszubildende führen für zehn Tage eine Station in der Asklepios Kinderklinik. Im Herbst machen sie ihre Prüfung. Die Zeiten, als es Krankenschwestern, Altenpflegerinnen oder Kinderkrankenschwestern gab, ist inzwischen vorbei. Das neue Pflegeberufegesetz führte ab Januar 2020  die bisherigen Berufsausbildungen zur neuen Pflegefachfrau oder - mann zusammen. „Dieser Abschluss eröffnet eine breitere Möglichkeit des beruflichen Einsatzes in der Gesundheitspflege“, erklärt Jutta König. Sie ist Ansprechpartnerin für die Auszubildenden bei dem Projekt. Als Pflegepädagogin betreut sie die jungen Menschen in der Johanniter Bildungseinrichtung in Bonn. Das entspricht der Berufsschule bei anderen Lehrberufen.  

Thomas Schemmel aus der Pflegedirektion der Asklepios Kinderklinik hatte früher eine Ausbildung als Kinderkrankenpfleger absolviert. „Hier bei uns in der Klinik können die Mitarbeitenden eine Zusatzqualifikation für die Kinderkrankenpflege erwerben“, erklärt er die  Fortbildungsmöglichkeiten im Berufsfeld der Pädiatrie. Dadurch würde das gelernte noch einmal in Richtung Kinderpflege vertieft. Fortbildungen gebe es zudem für den Bereich Anästhesie, Kinderonkologie und Intensivpflege.

Die Pflegekräfte in der Kinderklinik in Sankt Augustin haben auch viel im Hintergrund zu tun

Die Auszubildenden werden zusätzlich bei dem Projekt von Katharina Hinter und Sabine Rieth betreut. Beide sind für die zentrale Praxisanleitung auf der Station verantwortlich und haben noch die frühere Ausbildung als Kinderkrankenschwester absolviert, später eine 300-stündige Fortbildung absolviert. Nun können sie den Titel Praxisanleitende führen. Sie haben alles im Blick. Während eine Auszubildende gerade eine Liste ausfüllt, klingelt mehrmals das Telefon im Stationszimmer. „Gehen sie ran und lassen die Liste erst mal liegen“, so der Tipp von Hinter. Arbeitsabläufe koordinieren und Wertigkeiten setzen, auch das gehört zur Arbeit auf der Station. „Wir haben eigentlich mehr im Hintergrund zu tun, als man denkt“, erklärt Rieth den Berufsalltag im Krankenhaus. 

Auszubilkdende führen einen Tag lang eine Staion der Asklepios Kinderklinik

Besprechung mit Pflegepädagogin Jutta König (l.) auf der schülergeführten Station inder Asklepios Kinderklinik.

Die Aufgaben auf der von Auszubildenden geführten Station wechseln täglich, damit alle einmal alles machen können. Tobias Theysen ist heute der Schichtleiter. Im Alter von zwölf Jahren wurde er in der Kinderklinik in Sankt Augustin erfolgreich operiert. Er hatte ein kleines Loch in der Herzscheidewand. „Ich habe mich damals so gut aufgehoben gefühlt. Deshalb wollte ich nur hier meine Ausbildung machen“, so der 20-Jährige. Die liebevolle Pflege von Menschen ist in seiner Familie Tradition. „Meine Oma, meine Mutter und fünf ihrer Geschwister haben auch diesen Beruf ergriffen“, berichtet er. Zwei Isolierzimmer gibt es auf der Schülerstation. Während er die Schutzkleidung anzieht, hat Hinter einen Blick auf ihn.

Eine zusätzliche Ausbildung als Kinaesthetics-Trainerin hilft beim Heben und Umbetten von Menschen

Die Stimmung im Team ist gut. Die Arbeit erfüllt die Menschen. „Kinder haben oft unnötige Angst, wenn sie ins Krankenhaus kommen“, so Schemmel. „Hat ein Kind große Angst, ist auch der Schmerz groß.“ Eine Aufgabe der Pflegefachkräfte sei es auch, diese Angst zu nehmen. Da sei manchmal Kreativität gefragt. „Ich habe mal einen Kopfstand gemacht und dabei ist mir alles aus den Taschen gefallen“, berichtet er über einen ungewöhnlichen Ansatz, einem weinenden Kind die Angst auf dem Weg ins Untersuchungszimmer zu nehmen. Kreativität sei in der Pflege gefragt. 

Zwei Auszubildende überprüfen eine Medikamentenliste.

Sophia Talmon (l.) und Jana Haubrichs bei der Überprüfung einer Medikamentenliste.

Jana Haubrichs und Sophia Talmon überprüfen gerade eine Medikamentenliste. Sie wollten beruflich „immer etwas mit Menschen machen.“ Die heute 22-jährige Haubrichs begann ihre Ausbildung nach einem freiwilligen sozialen Jahr, die 20-jährige Talmon hatte schon in der Schule ein klares Ziel. Beide machen ihre Ausbildung in der Johanniter Klinik in Bonn; auch Mitarbeitende des Waldkrankenhauses und der Asklepios Kinderklinik sind auf der schülergeführten Station. Sie alle bilden gemeinsam die Klasse bei den Johannitern.   

„Wir haben einen schönen Beruf“, so Rieth. Sie hat noch eine zusätzliche Ausbildung als Kinaesthetics-Trainerin. Zur Pflege gehört auch das Heben und Umlagern von Menschen. „Die Nutzung der eigenen Körperbewegung und der des Gegenübers können in Einklang gebracht werden“, erklärt sie. Auf diese Weise würden Bewegungsabläufe kraftsparend und einfach wie möglich gestaltet. „So richtig bewusst ist mir das geworden, als wir einmal ein Kind mit vielen Brüchen auf eine Behandlungsliege legen mussten“, erinnert sich Schemmel. Mit Hilfe von Sabine Rieth sei dies sehr gut gelungen.

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