Achim Baumgartner vom BUND Rhein-Sieg: „Das Stadtgrün wird mehr und mehr von ‚Exoten‘ dominiert, die wenig Klimaverbesserung bringen.“
Nicht auf Wüstenbäume setzenBUND-Experte: „Im Rhein-Sieg-Kreis werden falsche Bäume gepflanzt“

Ein verkümmerte Baumhasel in der Mitte des Bildes. Nicht alle von der Stadt Sankt Augustin gepflanzten Bäume wachsen gut an. Oft ist die Baumscheibe zu klein oder das Umfeld schlecht.
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Verloren und krank wirkt die mickrige Baumhasel zwischen ihren beiden artverwandten Bäumen an einer Straße in Sankt Augustin. „Alle drei werden so um die 25 Jahre alt sein“, schätzt Achim Baumgartner, Kreisgruppensprecher des BUND im Rhein-Sieg-Kreis. Dennoch haben sich die Bäume sehr unterschiedlich entwickelt. Für den Umweltschützer ist dies kein Wunder. Der mittlere Baum sei „völlig ungeeignet“ direkt an eine Tiefgaragenwand gepflanzt worden. Seine feinen Wurzeln hätten dort keine Chance, in Richtung des Bauwerks zu wachsen. Eine massive Betonwand und die mit Bauschutt verfüllte Baugrube böten keinen geeigneten Raum für gesundes Wurzelwachstum.
Die beiden anderen Baumhaseln sind dagegen normal gewachsen. Allerdings sind es keine heimischen Pflanzen. Für Insekten ist das fatal. Sie finden dort keine Nahrung. Das bedeutet, dass sie als lebenswichtige Nahrungsquelle für die Vögel wegfallen. Und die Kronen der Baumhaseln sind nicht das, was heimische Gehölze in derselben Wachstumszeit zu bieten haben. Die drei Bäume stehen im Stadtgebiet von Sankt Augustin. Aber überall im Rhein-Sieg-Kreis hat Baumgartner ähnliche Probleme beobachtet: „Das Stadtgrün wird mehr und mehr von ‚Exoten‘ dominiert!“
Exotische Bäume schützen sich vor Wasserverlust durch langsames Wachstum und kleine Kronen
Baumgartner hat eine Erklärung für das schlechte Wachstum mancher Straßenbäume. „In erster Linie sind die Standorte nicht optimal und die Pflanzlöcher zu klein.“ Darauf würde leider viel zu wenig geachtet und als vermeintlicher Ausweg der vermeintlich klimastabile „Exot“ ausgewählt. „Die in der Straßenplanung verbleibenden „Baumscheiben“ sind viel zu klein, gerade im Klimastress braucht es da ein grundsätzliches Umdenken!“ In kleinen Bodeninseln überleben die Bäume zwar die ersten Jahre, doch dann bekommen sie durch ihr Wachstum immense Probleme, das mit den Wurzeln erschließbare Wasser reiche nicht mehr aus. Die Bäume können nicht gesund weiterwachsen und verkümmern. Die Folge von Bodenverdichtung und Wassermangel.

Auch diese mickrige Baumhasel spendet keinen Schatten oder Kühle an heißen Tagen. Ihre Baumscheibe an der Straße ist zu klein und das Umfeld falsch.
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Doch nicht nur das stört ihn. „Immer häufiger werden Bäume gepflanzt, die ihre Heimat nicht in unseren Breitengraden haben. Dazu gehören die Baumhaseln“. Sie stammen ursprünglich aus Südosteuropa und Vorderasien. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Bosnien und Rumänien über die Türkei und den Kaukasus bis hin zum Iran und Afghanistan. Dort müssen sich die Bäume an das warme Klima anpassen. Sie wachsen nicht üppig, um sich vor allzu viel Flüssigkeitsverlust über die Blätter in der Hitze zu schützen. Sie bilden somit keine prächtigen Kronen, die kühlen Schatten spenden können.
Klimaanpassung in der Stadt bedeutet nicht, auf exotische ‚Wüstenbäume‘ zu setzen
Baumgartner fordert deshalb ein schnelles Umdenken. „Klimaanpassung in der Stadt bedeutet nicht, auf exotische ‚Wüstenbäume‘ zu setzen, die ihr Überleben im ‚Blumentopf‘ durch geringes Wachstum und wenig Verdunstung erkaufen, sondern klimaaktiven, kühlenden, heimischen Laubbäumen einen Lebensraum zu eröffnen, damit das Leben für uns Menschen in der Stadt erträglich bleibt.“ Man müsse das Thema Stadtgrün grundsätzlich neu denken und dafür auch Geld investieren. Dazu gehöre auch, dass öffentliche Parkplätze geopfert werden, um ausreichend Platz für Bäume zu schaffen.

So sehen prächtige Bäume in der Kölnstraße in Hangelar aus, die ihre Heimat in unseren Breitengraden haben.
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Bäume in zu kleinen Pflanzlöchern, wie sie auch in Fußgängerzonen zu finden seien, sind für Baumgartner „Wegwerfpflanzen, deren Lebenszeit auf 50 Jahre konzipiert ist, weil sie dann ihren Blumentöpfen in der Erde entwachsen sind.“ Standorte müssten in Zukunft so gewählt werden, dass sie Lebensräume für heimische Großbäume wie Eichen, Linden oder Ahorn bieten, die dort mehrere hundert Jahre alt werden können. Das brauche Platz, der geschaffen werden müsse.
Es sei notwendig, die Bäume konzeptionell so anzuordnen, dass sie gemeinschaftlich ein feuchtes Kleinklima aufbauen können und Niederschlagswasser so zurückzuhalten, dass es in den Boden eindringen kann. Durch die Blätter könne es dann später über die Verdunstungsleistung für ein kühles Stadtklima sorgen.

Achim Baumgartner, Kreisgruppensprecher des BUND Rhein-Sieg-Kreis.
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Baumgartner hat noch ein weiteres Problem entdeckt. Die offizielle Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK). Sie ist das Standard-Planungsinstrument für Kommunen, Baumpflege- und Bauämter, um hitze- und trockenresistente Stadtbäume auszuwählen. Diese Liste würde allerdings immer mehr auf nicht-heimische Bäume setzen. „Die leisten nicht nur weniger fürs Klima, sie bergen auch Gefahren“, so Baumgartner.
„Diese Arten in der Stadt zu etablieren, birgt das Risiko, dass sie nach und nach invasiv in die freie Landschaft vordringen und heimische Pflanzen verdrängen.“ Dort existieren bereits exotische Arten wie der Kirschlorbeer, der Götterbaum, die Robinie, die Rot-Eiche, das Indische Springkraut, die Herkulesstaude oder der japanische Kröterich. Sie bereiten inzwischen große Probleme.
