Schuster zieht eine Strafanzeige wegen Geheimnisverrats in Erwägung. Hintergrund ist die Akteneinsicht, die die SPD zum Flugplatz Hangelar forderte.
Disput um Flugplatz-GrundstückLandrat Sebastian Schuster erwägt Strafanzeige gegen SPD in Rhein-Sieg

Ein rund 3000 Quadratmeter großes Grundstück am Flugplatz Hangelar sowie die Flugzeugwerft sollen verkauft werden.
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Eigentlich geht es „nur“ um den möglichen Kauf eines Grundstücks. Die Eigentümer der fraglichen rund 3000 Quadratmeter großen Fläche am Flugplatz in Sankt Augustin Hangelar und der darauf befindlichen Flugzeugwerft möchten verkaufen, die Flugplatzgesellschaft Hangelar hat Interesse zu kaufen. Wirtschaftlich spricht nichts dagegen, das zumindest ist der Tenor der Gesellschaft.
Damit hätte das Thema schon erledigt sein können. Weitere Gespräche hätten geführt, ein Kaufpreis ermittelt und schließlich Verträge geschlossen werden können. Doch so einfach war es dann doch nicht. Vorgänge, die offenbar über rein wirtschaftliche Betrachtungen hinausgehen, haben das Thema „Grundstückskauf am Flugplatz Hangelar“ inzwischen zum Politikum gemacht.
SPD fordert Akteneinsicht – Verdacht wegen Interessenskonflikten
Weil Befürchtungen um mögliche Interessenskonflikte im Raum stehen, hatte die Kreistagsfraktion der SPD in einem Antrag an den Kreisausschuss Akteneinsicht zum gesamten Vorgang sowie Transparenz seitens der Kreisverwaltung gefordert. Es besteht demnach der Verdacht, dass einem bekannten CDU-Spender der Weg zum potenziellen Kauf freigemacht werden sollte, indem die Flugplatzgesellschaft Hangelar (FGH) durch Mehrheitsvotum auf ihr Ankaufsrecht verzichtet.

Das Grundstück mit der Flugzeugwerft liegt direkt am Rollfeld und am Gelände der Bundespolizei.
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Im Ausschuss eskalierten jetzt die Spannungen zwischen Landrat Sebastian Schuster (CDU) und der SPD. Schuster zieht eine Strafanzeige gegen die SPD wegen Geheimnisverrats in Erwägung. Das erklärte er in der Sitzung am Montag, 19. Januar. Er vermute, dass vertrauliche Akten zu einem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gegeben worden seien, als lediglich zwei Fraktionen Akteneinsicht genommen hätten, nämlich die SPD-Fraktion sowie die Grünen-Fraktion (Koalitionspartner der CDU im Kreis). „Sie nehmen das auf Ihren Eid, dass Sie das nicht waren?“, fragte Schuster in Richtung der Sozialdemokraten, die dies bejahten.
Sollte der Landrat Anzeige erstatten, werden wir juristisch darauf reagieren.
„Ich habe im Kreisausschuss angekündigt, zu prüfen, ob Strafanzeige gestellt wird“, erläuterte Landrat Sebastian Schuster auf Anfrage der Redaktion. Alle diejenigen, die Akteneinsicht erhalten hätten, hätten zuvor eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet. „Wenn Vermutungen bestehen, dass nach Akteneinsicht widerrechtlich Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, ist der Landrat gehalten, so zu verfahren“, sagte Schuster.
„Dieser Umgang im Ausschuss ist ein Tiefpunkt“, sagte SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Sara Zorlu der Redaktion nach der Ausschusssitzung und bezog sich damit auch auf Angriffe der Männer aus den Fraktionen der CDU und Grünen, die sie als „persönliche Diffamierungen“ bezeichnete. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Sollte der Landrat Anzeige erstatten, werden wir juristisch darauf reagieren.“
Landrat Schuster will keine Weisung über Abstimmungsverhalten erteilt haben
Die SPD-Kreistagsfraktion ist misstrauisch vor allem, weil sich das Abstimmungsverhalten des Rhein-Sieg-Kreises zur Ausübung des Ankaufsrechts von dem aller anderen Vertreter der Anteilseigner unterscheide. Anteilseigner sind die Stadt Bonn (Stadtwerke Bonn, 49,6 Prozent), der Rhein-Sieg-Kreis (38,4 Prozent), die Stadt Sankt Augustin (zehn Prozent) und die Fliegergemeinschaft Hangelar (zwei Prozent).
Der Vertreter des Rhein-Sieg-Kreises in der Gesellschafterversammlung soll sich laut Informationen dieser Redaktion zunächst in einer informellen Sitzung dafür ausgesprochen haben, das Ankaufsrecht der FGH auszuüben. Auch vor der Abstimmung in der Aufsichtsratssitzung am 12. Dezember, zehn Tage später, sollen noch alle Beteiligten einmütiges Interesse an dem Kauf des Grundstücks geäußert haben.
In der darauffolgenden Abstimmung der Gesellschafterversammlung am selben Tag stimmte der Rhein-Sieg-Kreis dann jedoch als einziger dagegen. Der Vertreter des Kreises, Mehmet Sarikaya, soll anschließend geäußert haben, dennoch froh zu sein, dass die Abstimmung zugunsten des Ankaufsrechts ausgegangen war, erfuhr die Redaktion.
Ich bin mir sicher, dass ich mir in dem gesamten Vorgang nichts habe zuschulden kommen lassen.
Die SPD stellte daher in ihrem Antrag die Frage: „Gab es eine Weisung des Landrates an den Gesellschaftervertreter des Rhein-Sieg-Kreises, gegen das Ankaufsrecht zu stimmen? Wenn ja, auf welcher Grundlage?“ Das verneinte Landrat Sebastian Schuster schließlich im Ausschuss, nachdem er von der Sozialdemokratin Sara Zorlu erneut darauf angesprochen wurde. Er berief sich auf rein wirtschaftliche Bedenken, denen sich Sarikaya angeschlossen habe. Er habe nicht versucht, eine Entscheidung durchzudrücken. „Ich bin mir sicher, dass ich mir in dem gesamten Vorgang nichts habe zuschulden kommen lassen“, bekräftigte Schuster.
Dem widersprach Michael Richter (SPD), der für die Partei Akteneinsicht genommen hatte. „Es wird sehr klar, dass der Landrat in Richtung des Vertreters gesagt hat, wie abzustimmen ist“, sagte Richter.
Bekannter CDU-Spender soll weiterer Kaufinteressent sein
Bei dem weiteren Kaufinteressenten, der vom Verzicht der FGH auf das Ankaufsrecht hätte profitieren können, soll es sich nach Informationen der Redaktion um den Univers-Busunternehmer Eberhard Penz handeln, der in den vergangenen Jahren mehrfach großzügige Spenden in Höhe von jeweils rund 30.000 Euro an die CDU überwiesen hat. Diese sind in den Rechenschaftsberichten der CDU aus den Jahren 2020 und 2025 vermerkt. Wie die Redaktion erfuhr, soll Penz schon länger Interesse an dem Grundstück gezeigt und dies auch in Hangelar lautstark kundgetan haben. Er soll selbst Hobby-Pilot sein.
Landrat Sebastian Schuster könnte für ihn als möglicher Türöffner fungiert haben. Im Mai 2025 gab es laut Informationen der Redaktion ein Treffen zwischen dem Referenten des Bonner Oberbürgermeisters Guido Déus, Christian Siegberg (damals noch Mitglied im Kreistag), Landrat Sebastian Schuster, Kaufinteressent Eberhard Penz sowie den beiden Geschäftsführern der Flugplatzgesellschaft, Michael Rudersdorf und Rainer Gleß, bei dem es um das Kaufinteresse Eberhard Penz’ ging. Vermittelt wurde das Treffen von Christian Siegberg.
Auf Anfrage der Redaktion bestätigte Sebastian Schuster, dass ein solches Treffen „auf Wunsch von Herrn Siegberg“ stattgefunden habe. „In dem Gespräch äußerte Herr Penz einen Erwerbswunsch an dem Werftgrundstück. In diesem Zusammenhang wurden etwaige bestehende Rechte der Flugplatzgesellschaft an dem Grundstück thematisiert“, teilte Schuster mit. „Details hierzu mussten noch geprüft werden.“
Der Verdacht der Begünstigung eines Parteifreundes ist auch der Hintergrund des Compliance-Verfahrens, das die Stadtwerke Bonn (SWB) gegen Christian Siegberg, den Referenten des Bonner Oberbürgermeisters, eingeleitet hatten. Er soll die Vertreter der Stadtwerke vor der Abstimmung um das Ankaufsrecht schriftlich aufgefordert haben, gegen die Ausübung des Ankaufsrechts zu stimmen.

