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Betreten der Ruine verboten17-Jähriger stürzt im Pleistalwerk in Sankt Augustin sechs Meter tief

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Rettungskräfte im Wald vor der Ruine des Pleistalswerks, wo der Jugendliche vermutlich abgestürzt war.

An dieser Stelle war der 17-Jährige mutmaßlich abgestürzt.

Der 17-Jährige war auf ein Vordach getreten, das unter seinem Gewicht nachgab. Er wurde schwer verletzt. Die Rettung gestaltete sich aufwendig.

Ein 17-jähriger Jugendlicher ist am Mittwochabend, 8. April, im ehemaligen Pleistalwerk in Sankt Augustin geklettert und abgestürzt. Er wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Bei dem Gelände handelt es sich um einen sogenannten Lost Place, das Werk ist verlassen, das Betreten ist verboten.

Die ehemalige Ziegelei liegt an der Pleistalstraße bei Birlinghoven, sie ist durch den dichten Bewuchs rundherum von der Straße nicht einsehbar. Am Mittwochabend war der Hennefer mit einem Freund in der Ruine unterwegs, um sie zu erkunden. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei soll er gegen 20.20 Uhr auf ein Vordach getreten sein, das unter seinem Gewicht nachgab. Der 17-Jährige stürzte etwa sechs Meter tief. Sein Freund wählte den Notruf.

Transport des Patienten zum Rettungswagen war schwierig

Rettungsdienst und Notarzt versorgten den Jugendlichen an der Unfallstelle. Doch der Transport zum Rettungswagen stellte sich als Herausforderung heraus: Das Gestrüpp war dicht, und es wurde dunkel. Die Freiwillige Feuerwehr aus Niederpleis leuchtete das Gebiet mit einem Flutlichtmast am Fahrzeug und mobilen Leuchten aus, zusätzlich brachten die Einsatzkräfte eine Schleifkorbtrage in das Gemäuer. Mit einer Kettensäge schnitten die Ehrenamtlichen den Weg frei, der bei Dunkelheit zahlreiche Stolperfallen aufweist.

Währenddessen, es war bereits 21.40 Uhr, landete ein Rettungshubschrauber auf dem nahegelegenen Sportplatz des SV Birlinghoven. Ein Vereinsangehöriger hatte die Tore aufgeschlossen und das Flutlicht eingeschaltet.

Auf dem Sportplatz des SV Birlinghoven landete der Rettungshubschrauber Christoph Rheinland.

Auf dem Sportplatz des SV Birlinghoven landete der Rettungshubschrauber Christoph Rheinland.

Die Notärztin des Hubschraubers unterstützte die Betreuung des 17-Jährigen, der nach Aussage der Polizei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt worden war. Er wurde in die Bonner Uniklinik geflogen. Gegen 22 Uhr war der Einsatz beendet, der Verkehr war nicht beeinträchtigt.

Ruine des Pleistalwerks darf seit 2008 nicht mehr betreten werden – wegen Einsturzgefahr

Das Pleistalwerk war einst eine Ziegelei, es produzierte ab 1841 feuerfeste Steine, Dachziegel und Tonröhren zur Entwässerung von Häusern und Straßen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bedarf an Steinen groß, und das Werk exportierte sie sogar nach Italien, Frankreich und in die Schweiz.

Die Ruine des Pleistalwerks ist ein sogenannter Lost Place und darf seit 2008 nicht mehr betreten werden.

Die Ruine des Pleistalwerks ist ein sogenannter Lost Place und darf seit 2008 nicht mehr betreten werden.

1971 wurde die Produktion eingestellt, weil eine Modernisierung des Fabrikgebäudes zu teuer gewesen wäre und auch der Bedarf an Ziegelsteinen gesunken war. In den folgenden 20 Jahren wurde das Gelände von einer Firma genutzt, die Maschinen für die Autoindustrie herstellte. Anschließend nutzten es verschiedene Unternehmen als Lagerfläche. Seit 2008 ist das Betreten verboten, weil die Ruine einsturzgefährdet ist.

Für einige Menschen üben sogenannte Lost Places große Anziehungskraft aus, obwohl das Betreten in diesen alten Industrieanlagen oder stillgelegten, unterirdischen Bunkern häufig verboten ist. Immer wieder geschehen Unfälle, weil Trittflächen nachgeben und Personen abstürzen. Dies wurde am Mittwochabend auch dem 17-jährigen Hennefer zum Verhängnis. Mit einer Strafe müssten er und sein Freund aber nur rechnen, wenn der Grundstückseigentümer sie anzeige, so die Polizei.