Abo

Neue FinanzierungIn Sankt Augustin sind Kürzungen beim Offenen Ganztag geplant

5 min
Auch an der Grundschule in Buisdorf wird Offener Ganztag angeboten.

Auch an der Grundschule in Buisdorf wird Offener Ganztag angeboten. 

Die Freien Träger kündigten an, dass sie die Gruppen in den Grundschulen von 25 auf 30 Kinder vergrößern müssen.

Für die Träger der Offenen Ganztagsschulen (OGS) in Sankt Augustin war es eine schlechte Nachricht. Bürgermeister Max Leitterstorf möchte den Zuschuss der Stadt für die Betreuung pro Kind um sechs Prozent kürzen. Für die Eltern ändert sich nichts. Es geht um rund 2300 Kinder an den acht Grundschulen im Stadtgebiet. 6,7 Millionen Euro zahlt die Stadt jedes Jahr an die Träger, 400.000 Euro sollen nun eingespart werden. In einem Brief informierten Leitterstorf und der zuständige Beigeordnete, Martin Eßer, die Eltern.

Ab August 2026 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Deswegen hate die Gemeinde in den letzten fünf Jahren rund 16,2 Millionen Euro in entsprechende Räumlichkeiten an den unterschiedlichen Grundschulen investiert. Leitterstorf und Eßer wiesen nun drauf hin, dass sich mit dem Zuschuss des Landes sowie der OGS-Beiträge der Eltern kein Träger für die Betreuung fände. Die Stadt müsse deswegen den Betrag aus eigenen Mitteln aufstocken.

Schließtage und Betreuungsausfälle werden wahrscheinlicher - ein großer Stressfaktor für die Familien
Hanna Sobotka, Pressesprecherin des Vereins Betreute Schulen

Aufgrund der Haushaltslage sei dies nicht mehr in dem bisherigen Umfang möglich. Im Vergleich mit anderen Kommunen zahle man noch immer gut. Um 3000 Euro wurde im Jahr 2025 in Wachtberg und Bornheim pro Kind an die Träger gezahlt, Sankt Augustin überwies 3783 Euro. Die Stadt schlägt den Trägern jetzt vor, die Kosten zu reduzieren. Sie möchte die OGS-Leitungen nicht mehr komplett freistellen, sondern teilweise in den Gruppen als Fachkräfte einsetzen, wie dies auch in den Kitas erfolgreich praktiziert werde, so Leitterstorf. 

An der „Max und Moritz Grundschule“ in Menden finden zurzeit noch Umbauarbeiten statt.

An der „Max und Moritz Grundschule“ in Menden finden zurzeit noch Umbauarbeiten statt.

Die Freien Träger können der Argumentation der Stadt so nicht folgen. Sie luden Eltern und Politiker zu einer Informationsveranstaltung ein.  Dort kündigten sie an, dass wegen der geringeren finanziellen Mittel die Personalstunden in den einzelnen Schulen deutlich reduziert werden müssen. Das führe in der Folge dazu, dass „Gruppen zusammengelegt werden und die Gruppengröße von 25 auf 30 Kinder steigt.“ Es bedeute zudem, dass vakante Stellen nicht nachbesetzt werden können. „Schließtage und Betreuungsausfälle werden wahrscheinlicher - ein großer Stressfaktor für die Familien“, so Hanna Sobotka, Pressesprecherin des Vereins Betreute Schulen (BS).

BS-Geschäftsführerein Britta Busch sieht bei der Stadt Sankt Augustin sogar einen Rechenfehler. „Dass die Stadt mehr für den Offenen Ganztag zahlt als andere Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis ist schlichtweg falsch. In den Kommunen, in den BS als OGS-Träger tätig ist, steht für den OGS-Bereich genauso viel oder mehr Geld zur Verfügung.“  Nur in einer Schule sei der Beitrag geringer, man sei deswegen aber gerade in Verhandlungen.

Miriam Niederehe, Sprecherin der AG Freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, auf der Informationsveranstaltung für Eltern und Politiker.

Miriam Niederehe, Sprecherin der AG Freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, auf der Informationsveranstaltung für Eltern und Politiker.

Miriam Niederehe, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Freien Träger: „Nach jahrelanger vetrauensvoller Zusammenarbeit mit der Stadt und der gemeinsamen Entwicklung eines Qualitätsrahmens für die OGS stellen die angekündigten Kürzungen einen gewaltigen Rückschritt dar.“ Sie hofft, dass die Pläne im politischen Raum noch einmal dsikutiert werden, damit die  OGS-Betreuung weiterhin zuverlässig und in gewohnter Qualität angeboten werden könne.   

Für das Haushaltsjahr 2026 darf es aus Sicht der SPD keine Kürzungen zulasten der Familien bei Betreuung und Qualität geben
Sascha Bäsch, Pressesprecher der SPD

Ein weiterer Punkt sorgt ebenfalls für Diskussionen. Die Stadt hat die Ferienbetreuung durch die Träger der OGS neu geregelt. Bisher mussten Eltern der höchsten Beitragsstufe monatlich pauschal 40 Euro bezahlen, auch wenn sie ihr Kind in den Sommerferien nur zwei Wochen zur Betreuung gegeben hatte. „Die Stadt hat auf Wunsch vieler Eltern diese Regelung jetzt geändert“, so Bürgermeister Max Leittestorf im Gespräch mit der Redaktion. Es müssen nur noch 120 Euro pro Ferienwoche bezahlt werden. Eine Einkommensstaffelung falle weg. Für Inhaber des Sankt-Augustin-Ausweises reduziere sich der Beitrag auf 60 Euro, zusätzlich könnten weitere Zuschüsse beantragt werden.    

Heftig Kritik kam von der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Sankt Augustin. „Für das Haushaltsjahr 2026 darf es keine Kürzungen zulasten der Familien bei Betreuung und Qualität geben. Besonders der geplante Wegfall der Sozialstaffelung in der Ferienbetreuung ist nicht akzeptabel“, so Pressesprecher Sascha Bäsch. SPD-Fraktionsvorsitzende Heike Borowski betonte, die Sorgen der Eltern seien berechtigt. Einschnitte, die vor allem Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen träfen, seien sozialpolitisch falsch.

Die Stimmenmehrheit im Rat hat das Bündnis aus CDU, FDP und Aufbruch. Es hat noch einen ganz anderen Vorschlag als Antrag an die Verwaltung formuliert. „Um einen Vergleich zu den Kosten einer Offenen Ganztagsschule in freier Trägerschaft ziehen zu können, brauchen wir ein Pilotprojekt mit mindestens einer Grundschule, an der exemplarisch eine städtische OGS geplant und konzipiert wird“, erläutert Wolfgang Köhler vom Aufbruch. Vielleicht könne die Stadt die OGS preiswerter in Eigenregie führen.

Wir werden alle Argumente prüfen und noch einmal ausgiebig diskutieren
Christopher Beckmann, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses im Stadtrat

Fest steht, dass noch nichts endgültig entschieden ist. Christopher Beckmann, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, betonte im Gespräch mit der Redaktion: „Wir werden alle Argumente prüfen und noch einmal ausgiebig diskutieren.“ Erst dann würden endgültige Entscheidungen getroffen. Am Mittwoch, 4. Februar, tagt der Stadtrat um 18 Uhr, dann soll über die Kürzungen abgestimmt werden. 

Auch die Katholische Grundschule Sankt Martin in Mülldorf ist betroffen

Auch die Katholische Grundschule Sankt Martin in Mülldorf ist betroffen.

Sibylle Friedhofen, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Sankt Augustin, meinte auf Nachfrage der Redaktion: „Wenn wir allen Kindern und Jugendlichen dieselbe Chancengleichheit geben wollen, dann müssen sämtliche Betreuungsmöglichkeiten in allen Bereichen kostenfrei sein.“ Die Bereitstellung der erforderlichen Mittel dazu sei jedoch nicht Sache der Kommunen, die schon für Gebäude aund Ausstattung sorgen würden, sondern die des Landes. Die Politik sei aufgefordert, dies so umzusetzen. 


In der Arbeitsgemeinschaft Freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe Offene Ganztagsschule Sankt Augustin sind die beiden Vereine Betreute Schulen und Jugendfarm Bonn sowie die gemeinnützigen Gesellschaften Katholische Jugendagentur Bonn und Kinderwerk Baronsky zusammengeschlossen.

Sprecherin der Arbeistgemeinschaft ist Miriam Niederehe vom Verein betreute Schulen.