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Nach Tod des PächtersStudiokino Sankt Augustin hat neue Betreiberin

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Studiokino in Sankt Augustin: Nach dem Tod des bisherigen Betreibers Ulrich Henke hat seine Tochter Miriam Fischer das kleine Programmkino nun übernommen.

Studiokino in Sankt Augustin: Nach dem Tod des bisherigen Betreibers Ulrich Henke hat seine Tochter Miriam Fischer das kleine Programmkino nun übernommen.

Miriam Fischer, die Tochter des verstorbenen Ulrich Henke, hat nun grünes Licht: Sie kann das kleine Arthaus-Kino weiterführen.

Er hinterlässt eine Lücke in der Familie, das gemeinsame Lachen fehlt Miriam Fischer, seitdem ihr Vater nicht mehr da ist. Ulrich Henke ist im Dezember im Alter von 77 Jahren überraschend gestorben, er hinterlässt das Studiokino im Haus Mülldorf in Sankt Augustin, über 30 Jahre hat er es geführt. „Das Kino war sein Lebenswerk“, erzählt Fischer, die den Betrieb seit Januar interimsmäßig führt und nun den Pachtvertrag mit der Stadt auch offiziell vererbt bekommen hat.

Ulrich Henke war nach einer überstandenen Blasenkrebs-Erkrankung im Jahr 2009 und einem darauf folgenden Herzinfarkt gesundheitlich angeschlagen, seine Venen und Arterien waren immer mehr verstopft, berichtet seine Tochter. Seit Anfang 2025 musste er deshalb wöchentlich zur Dialyse. „Er war aber grundsätzlich kein Fan von Krankenhäusern“, sagt Miriam Fischer, die ärztlichen Ratschläge habe ihr Vater oft ignoriert. Nachdem sich Wasser in der Lunge gebildet hatte und Henke sich im November dazu noch eine Atemwegserkrankung zugezogen hatte, verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Mitte November starb er.

Der Wunsch von Ulrich Henke war es, dass seine Tochter das Kino übernimmt

Miriam Fischer möchte das Studiokino, das „Baby“ ihres Vaters, guten Gewissens weiterführen. „Eigentlich wollte er schon mit 75 aufhören, ich habe aber gemerkt, dass er nicht loslassen konnte“, erzählt Fischer. Im letzten Jahr hat Henke seine Tochter jedoch schon vermehrt in die Abläufe des Programmkinos eingewiesen, es sei sein Wunsch gewesen, dass seine Tochter übernimmt.

Ulrich Henke in seinem Kassenhäuschen. Der langjährige Betreiber des kleinen Kinos in Sankt Augustin starb im November 2025.

Ulrich Henke in seinem Kassenhäuschen. Der langjährige Betreiber des kleinen Kinos in Sankt Augustin starb im November 2025.

Die 48-jährige hat sich schon immer für das bewegte Bild interessiert, als Kind hatte sie etwa einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer stehen. In ihrer Jugend konnte sie sich dann im Kino ein bisschen Taschengeld verdienen, an der Kasse oder hinter der Theke im Café. Diese Rolle nimmt jetzt ihre Tochter ein, die 15-jährige Marie ist auch filminteressiert, das Verhältnis zu ihrem Opa war besonders gut. Zum Freizeitprogramm der Familie gehörten Kinobesuche dazu, zu Hause werde dann gemeinsam eine Serie geguckt, erzählen Mutter und Tochter.

Miriam Fischer will das kleine Kino als Arthaus-Kino weiterführen

Fischer arbeitet im Beethovenhaus Bonn, schafft aktuell nur drei Vorstellungen die Woche. Das Programm des Studiokinos werde sich unter ihrer Ägide nur geringfügig ändern, sagt sie, immerhin habe jeder einen anderen Filmgeschmack. „Wenn mir der Trailer gefällt, dann zeige ich den Film“, erklärt Miriam Fischer. Auch Blicke in Filmmagazine wirft die 48-jährige, um das Programm zu planen. So liegt etwa auch nach Henkes Tod immer noch die neueste Ausgabe des epd-Film-Magazins im Büro des Kinos. Fischer erzählt, dass ihr Vater immer gesagt habe: „Wenn im epd-Film eine gute Kritik steht, dann zeigen wir den Film.“ Jeden Film vor der Ausstrahlung in Sankt Augustin zu sehen, sei der neuen Betreiberin sehr wichtig. „Man spricht ja auch manchmal danach mit den Besuchern über den Film“, begründet Fischer.

Der kleine Kinosaal des Studiokinos in Sankt Augustin: Nach dem Tod des bisherigen Betreibers Ulrich Henke wird es nun weitergehen.

Der kleine Kinosaal des Studiokinos in Sankt Augustin: Nach dem Tod des bisherigen Betreibers Ulrich Henke wird es nun weitergehen.

Henke habe seinen Betrieb immer als Arthaus-Kino verstanden, diesen Ansatz möchte seine Tochter nun weiterführen. Dass die Übernahme beschlossene Sache ist, erleichtert sie sehr. Das Haus Mülldorf gehört der Stadt Sankt Augustin, die noch im Februar angekündigt hat, einen neuen Pächter für die Räumlichkeiten zu suchen. Bewerber seien auch schon vor Ort gewesen, wie Fischer erzählt. Doch nun habe das Erbrecht gegriffen, Henkes Tochter übernimmt den Pachtvertrag.

„Mein Vater hatte immer einen flotten Spruch auf den Lippen, er war ein total lustiger Mensch“, erinnert sich Miriam Fischer. Für sie sei es immer cool gewesen, sagen zu können: „Mein Vater hat ein Kino.“ Jetzt gehört es ihr.