In Bonn wird am Mittwoch, 20. Mai, im Rex Lichtspieltheater ein Film über die Arbeit der Neuro-Chirurgin gezeigt. Der Eintritt ist frei.
HilfesprojektNeurochirurgin aus Sankt Augustin hilft Kindern mit Fehlbildungen in Eritrea

Blick in einen Operationssaal der Klinik in Eritrea, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin unterstützt wird.
Copyright: Martina Messing-Jünger
Einfach nur helfen wollte Martina Messing-Jünger, als sie sich vor zehn Jahren entschloss, bei einem Projekt in Eritrea mitzuarbeiten: der Behandlung von Kindern, die mit Fehlbildungen zur Welt gekommen sind. Messing-Jünger ist Professorin und leitet als Chefärztin die Kinderneurochirurgie der Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin. Mit einem Team von Anästhesistinnen und Pflegekräften der Kinderklinik reist sie zweimal jährlich in ihrer Freizeit ins ostafrikanische Eritrea, um dort Kinder operativ zu versorgen.
Der damalige Chefarzt der Kinderherzchirurgie in Sankt Augustin, Dr. Andreas Urban, hatte das Zentrum für kindliche Chirurgie in der eritreischen Hauptstadt Asmara (IOCCA) seinerzeit mitbegründet und dort Herzoperationen durchgeführt. Das Zentrum wird von der deutschen Hilfsorganisation Archemed finanziert.
Das Team der Kinderklinik aus Sankt Augustin hilft mit seinen Operationen den jungen Menschen
„Eritrea erhält international wenig politische und humanitäre Unterstützung, obwohl die Regierung für afrikanische Verhältnisse eine bemerkenswerte Gesundheitspolitik mit Public Health Programmen und kostenloser Gesundheitsversorgung verfolgt“, berichtet die Sankt Augustiner Professorin Messing-Jünger. Ärzte und Pflegepersonal seien den Umständen entsprechend gut ausgebildet, „allerdings verlassen aus politischen Gründen viele von ihnen das Land“.
Aufgrund des eklatanten Ärztemangels könnte nur ein Bruchteil der notwendigen Operationen durchgeführt werden. „Zudem fehlen in dem bitterarmen Land die finanziellen Mittel für technisch anspruchsvolle Eingriffe“, schildert die Professorin.

Professorin Martina Messing-Jünger in Eritrea mit einem von ihr operierten Kind und seiner Mutter.
Copyright: Martina Messing-Jünger
Messing-Jünger hat beobachtet, dass „wie überall in Afrika die meisten Patienten in Eritrea Kinder und Jugendliche sind“. Eine Diagnose, die in ihr Fachgebiet fällt, sind angeborene Fehlbildungen des zentralen Nervensystems. Dazu gehört das Krankheitsbild des offenen Rückens, Spina bifida, und des „Wasserkopfes“ Hydrozephalus.
Ein offener Rücken entsteht in bis zu 60 Prozent durch einen ernährungsbedingten Folsäuremangel der Mutter
„Ein offener Rücken entsteht in bis zu 60 Prozent durch einen ernährungsbedingten Folsäuremangel der Mutter“, berichtet sie. Deshalb setzen die Ärzte auf Vorsorge. Ein Schwerpunkt der Arbeit im IOCCA ist es, die Nahrung für Frauen mit Folsäure anzureichern, um zumindest einen Teil der Fehlbildungen zu verhindern. Messing-Jünger und ihr Team helfen darüber hinaus mit Operationen bei dieser Erkrankung, „die fast immer zu schwersten Beeinträchtigungen der Betroffenen und ihrer Familien führt“, so die Professorin.

Das Team mit Professorin Martina Messing-Jünger (5.v.l. vorne) von der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin in Eritrea.
Copyright: Martina Messing-Jünger
Seit dem Start des Projekts setzt das Team auf Ausbildung der Kräfte vor Ort und wird dabei vom eritreischen Gesundheitsministerium unterstützt. Neben der neurochirurgischen Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften werden auch die ortsansässigen Anästhesisten vom Team angeleitet. „In dem religiös geprägten Land, welches etwa zu gleichen Teilen christlich und muslimisch ausgerichtet ist, arbeiten alle örtlichen Kräfte mit großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein zum Wohle der eritreischen Kinder mit“, betont Messing-Jünger.
Im vergangenen Herbst wurde das Team vom Filmemacher Janis Farhat begleitet, der auf einfühlsame Weise die Besonderheit der neurochirurgischen Arbeit in Eritrea eingefangen hat. Dieser Film kommt als Premiere am 20. Mai ins Kino. Die Vorstellung findet um 18 Uhr im Rex Lichtspieltheater in Bonn-Endenich statt. Der Eintritt ist frei.