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Muskeln statt PaketePostbote aus Sankt Augustin massiert ein Jahr lang seine Kollegen

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Christian Zwettler, der eine gelbe Mütze trägt, massiert einen seiner Kollegen, der auf einer Liege liegt.

Auch so kann ein Job bei der Post aussehen: Christian Zwettler massiert seine Kollegen im Rhein-Sieg-Kreis.

Christian Zwettler aus Sankt Augustin arbeitet normalerweise als Zusteller bei der Post. Jetzt massiert er für ein Jahr seine Kollegen – und hat seit August schon mehr als 1000 Kollegen durchgeknetet.

Am Anfang stand ein Lob. Ein Kunde hatte sich schriftlich positiv über Christian Zwettler geäußert, Zusteller aus dem Zustellstützpunkt Niederkassel. Die Leiterin der Niederlassung Betrieb Bonn, Katharina Putz, immerhin Chefin von rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ließ das Schreiben einrahmen und brachte es dem Gelobten persönlich vorbei. Dabei kamen sie ins Gespräch, und Putz erfuhr, dass der Mann ausgebildeter Masseur und Mentalcoach ist.

Das behielt sie im Hinterkopf. „Gerade die Zustellung ist ein harter Job“, erzählte sie jetzt bei einem Treffen in der Zustellbasis Siegburg an der Lindenstraße, von wo die Pakete auf die Reise in die Haushalte gehen.

Postbote aus Sankt Augustin massiert seine Kollegen ein Jahr lang

Bis zu 700 Kilogramm täglich bewegen ihre Leute, bis zu 31,5 Kilogramm kann eine einzelne Sendung schon mal wiegen. „Der Arbeits- und Gesundheitsschutz ist bei uns ein Fokusthema“, erklärte die Niederlassungsleiterin, „bisher haben wir dem an Gesundheitstagen Rechnung getragen.“

Doch jetzt habe sich eine neue Chance aufgetan. Mit Zwettler verabredete sie die „Montagsmassage“. An dem Tag nämlich hat er frei und bot zunächst an seinem Zustellstützpunkt Massagen für seine Kolleginnen und Kollegen an. Später weitete er es auf andere Standorte aus.

Elf Monate lang lief der Probebetrieb. Dann stand die Entscheidung fest. Dank des guten Feedbacks und der Nachfrage verließ Zwettler die Zustellung und wird nun ein Jahr lang nichts anderes tun, als Hand anzulegen.

Postbote hat im dänischen Profifußball gearbeitet

Seit dem 1. August hat er schon 1123 Massagen absolviert. „Der Bedarf ist da“, sagte er. Weil er selbst aus dem Job kommt, weiß er, wo es zwickt und wie er mit den Kolleginnen und Kollegen umgehen muss. Gab es zu Anfang noch offene Termine, hat sich das inzwischen erledigt. „Da habe ich mir die Leute schon selber geholt“, berichtet der kommunikationsfreudige Mentaltrainer.

Die in der Zustellung sind für mich die Superstars.“
Christian Zwettler

Von 1999 bis 2002 machte er seine sportmedizinische Massageausbildung in Kopenhagen. In den drei oberen Fußball-Ligen in Dänemark hat er gearbeitet, Praktika in England und bei St. Pauli absolviert. Der gebürtige Köln-Kalker ist in Sankt Augustin groß geworden, aber viel durch die Gegend getingelt, war in Wien oder Berlin unterwegs. 2015 hat er im Nebenjob bei der Post angefangen, seit 2020 ist er ganz dabei.

Mit dem neuen Angebot will er, „dass es den Kollegen gut geht. Die in der Zustellung sind für mich die Superstars“. Einen Marathon gingen sie in der Woche, an Briefen trügen sie eine Tonne im Monat aus. „Das geht in die Knochen, die Muskeln, den Kopf.“

Deshalb ist die Motivationsseite für ihn so wichtig. „Am Anfang war es ein bisschen schwierig, aber nach dem ersten Tag lief das super. Das ist toll für die Leute, er ist ein sehr guter Mentaltrainer“, lobte David Symonowicz, der Leiter der Zustellbasis Siegburg.

Manuel Hennes zum Beispiel ließ sich die Beine durchwalken. Der Mann „mit dem gelben Herzen“, wie er genannt wird, kam sogar aus dem Urlaub für den Termin, auch wenn das normalerweise in der Arbeitszeit passiert. „Das ist ein Pluspunkt für die Zusteller. Es ist jedes Mal die Erfüllung. Genau das brauchen die Beine, wenn sie so viel laufen.“ Und Martin Joppien bekannte freimütig: „Ich find ihn klasse. Seit er das macht, habe ich keine Nackenprobleme mehr. Ich freue mich jedes Mal darauf, wenn er kommt.“