Die Konferenz in Sankt Augustin stellt verschiedene Möglichkeiten zum Schutz gegen Datenspionage vor.
Schutz vor DatenspionageFroscon zeigt freie Software in Sankt Augustin

Ein Bild vom vorigen Jahr bei der FrOSCon-Konferenz in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin.
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„Es ist für jeden ganz einfach, unabhängig von Software-Riesen wie Microsoft oder Apple zu werden“, betont Professor Michael Rademacher von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS). Wie das geht, kann jeder kostenlos am Wochenende, 15. und 16. August, erfahren. Auf dem Campus der H-BRS findet eine Konferenz zum Thema freie und quelloffene Software statt: die „Froscon“. Bei Vorträgen und an Ständen gibt es jede Menge Informationen zu dem Thema.
„Wir wenden uns gezielt nicht nur ans Fachpublikum“, sagt Dr. Hinrikus Wolf. „Alle, die Interesse an dem Thema haben, sind willkommen. Auch wenn man Einsteiger ist.“ Hinrikus Wolf ist Vorsitzender des Vereines „Froscon“, dessen Name für „Free and Open Source Software Conference“ steht. Seit 21 Jahren findet die Veranstaltung statt. Sie wurde mit der Zeit immer erfolgreicher. Voriges Jahr kamen mehr als 2000 Besucherinnen und Besucher nach Sankt Augustin.
Freie Software schützt jeden Menschen vor willkürlichen Sanktionen
„Die USA hat mit Präsident Donald Trump durch Entscheidungen gezeigt, wie wichtig es ist, unabhängig zu sein“, so Rademacher. „Wenn Apple will, dann schaltet die Firma ihre Software ab und PC sowie Smartphone sind plötzlich schwarz; nichts geht mehr“, schildert der Professor. „Ein Beispiel dafür war der Internationale Strafgerichtshof“, ergänzt Wolf. Im Mai 2025 verlor der dortige Chefankläger, Karim Khan, infolge von US-Sanktionen vorübergehend den Zugriff auf sein Microsoft-E-Mail-Konto. Auslöser waren US-Sanktionen infolge von Haftbefehlsanträgen des Gerichts. Der Vorfall führte dazu, dass das Gericht in die Wege leitete, seine IT-Infrastruktur komplett von US-Anbietern abzulösen und schwerpunktmäßig auf eine deutsche Open-Source-Lösung umzustellen.

Karim Khan, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, wurde sein Account gesperrt.
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Wie schützt man sich als normaler Bürger vor solch möglichen Sanktionen? „Einfach auf freie Software setzen“, antwortet Ivonne Zimmermann-Fabricius aus dem Studiengang Informatik der H-BRS. Sie organisiert, wie andere Ehrenamtliche, die Konferenz mit. Man müsse sich von der Dominanz der USA lösen. Und wenn jeder als kleiner Wassertropfen mitmache, entstehe eine Welle, die die Dominanz der Softwareriesen wegspüle.
Apple und Google saugen persönliche Daten wie ein Staubsauger auf
Bis es allerdings soweit ist, muss man seine persönliche IT-Infrastruktur umbauen. Bei der Konferenz werden dazu zahlreiche Workshops angeboten. So geht es am Samstag, 15. August, um 10 Uhr um das Thema „Googlefrei und Spaß dabei“, ein Vortrag in dem es um freie Alternativen zu Googles Handy-Betriebssystem Android geht. Die Zuhörer erfahren, wie sie verhindern, dass das „Duopol aus Apple und Google“ persönliche Daten wie ein Staubsauger aufnimmt. Quelloffene Software kann das verhindern und die Souveränität über die eigenen Daten wieder zurückgeben.

Es gibt Vorträge zu verschiedensten Themen beio der FrOSCon in Sankt Augustin.
Copyright: H-BRS
Am selben Tag berichtet Torsten Müller um 13.45 Uhr, wie er seine „Stimme verschenkt“ hat. Sie galt lange als eines unserer verlässlichsten Identitätsmerkmale. Diese Gewissheit schwindet. KI kann heute jede Stimme täuschend echt imitieren, inklusive Emotionen, auf Basis weniger Sekunden Originalmaterial. Der „Enkeltrick 2.0“ ist keine Zukunftsvision mehr. Reale Fälle, wie von der Slowakei-Wahl 2023 bis zum Biden-Deepfake 2024, zeigten, dass dies längst Realität ist, so Müller.
Auch in Kinder und Jugendliche ist bei der Froscon in Sankt Augustin gedacht
Auch an Kinder und Jugendliche ist gedacht. Sie können programmieren und eigene virtuelle Tiere mit 3D-Software gestalten. Auch für die Jüngsten gibt es eine Betreuung in Form von Spielmöglichkeiten und qualifizierter Kinderbetreuung im Eltern-Kind-Zimmer der Hochschule. Eine Hüpfburg ist ebenfalls auf dem Campus aufgebaut.
„Einfach mal ins Programm auf der Internetseite reinschauen und sich das aussuchen, was einen interessiert“, rät Professor Rademacher. Zahlreiche Aussteller informieren darüber hinaus an Infoständen auf der Konferenz. „Für jeden ist da eigentlich etwas dabei. Das Alter und der Wissensstand spielen keine Rolle.“