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Bahnen noch nicht geliefertTaktverdichtung der Linie 66 kommt Ende 2026 noch nicht

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Linie 66 quert die Südstraße, die Schranke ist zu, es staut sich.

Linie 66 quert die Südstraße, die Schranke ist zu, es staut sich.

Ein neues Gutachten soll klären, ob die Schienenwege stabil sind oder vor der Einführung des Fünf-Minuten-Taktes noch Aus- oder Umbauten notwendig sind.

Die ursprünglich für das Jahresende geplante Taktverdichtung bei der Linie 66 verzögert sich. Der Grund: Die dafür notwendigen neuen Bahnen sind noch gar nicht da. „Die Taktverdichtung ist frühestens möglich, wenn alle dafür nötigen CAF-Bahnen in Bonn und der Region einsatzbereit sind. Die ersten CAF-Bahnen erwarten wir weiterhin Ende 2026. Diese müssen dann den Zulassungs- und Inbetriebnahmeprozess durchlaufen“, teilt Silke Elbern von den Stadtwerken Bonn (SWB) mit. Auch Bürgermeister Max Leitterstorf hatte eine Verschiebung der Taktverdichtung gefordert.

Die bestellten Stadtbahnen werden voraussichtlich erst im Jahr 2028 einsatzbereit sein, sodass bis zur Taktverdichtung morgens und nachmittags noch Zeit bleibt
Oliver Kraus, Verkehrsexperte und CDU-Landtagsabgeordneter

Dass noch notwendige Bahnen fehlen, bestätigt Landtagsabgeordneter Oliver Krauß. Der Verkehrsexperte ist unter anderem Vertreter der CDU in der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS). „Die bestellten Stadtbahnen werden voraussichtlich erst im Jahr 2028 einsatzbereit sein, sodass bis zur Taktverdichtung morgens und nachmittags noch Zeit bleibt“, berichtet er der Redaktion. Im Dezember 2026 werden somit lediglich die Linien 66 und 67 getauscht.

Auch die von Leitterstorf geforderte Prüfung der Schienenwege wird noch einmal unter die Lupe genommen. „Die politischen Gremien haben uns beauftragt, ein Gutachten erstellen zu lassen, ob die Taktverdichtung mit der bestehenden Schieneninfrastruktur stabil fahrbar ist oder ob Anpassungen notwendig sind. Wenn Aus- oder Umbauten Voraussetzung für eine Taktverdichtung sind, müssten diese natürlich auch erst geplant, genehmigt, finanziert und gebaut werden“, sagt SWB-Sprecherin Elbern. 

Ich bin ein Befürworter der Taktverdichtung, doch das geht nicht auf Kosten des Verkehrs in Sankt Augustin, unter dem dann viele Bürger leiden müssen, wenn die Schranken geschlossen sind und sich lange Staus bilden
Norbert Chauvistré, ehemaliges Kreistagsmitglied der CDU

Norbert Chauvistré, stellvertretender CDU-Stadtverbandsvorsitzender, fühlt sich durch die Analyse von Professor Franz W. Peren bestätigt. Dieser hatte prognostiziert, dass, „wenn der Fünf-Minuten-Takt einfach eingeführt wird, ohne den Verkehr grundsätzlich neu aufzustellen, es zu massiven sicherheitsrelevanten Problemen führen wird“. „Leider sehen die Kreisverwaltung und fast der ganze Kreistag, wie auch die Hälfte des Sankt Augustiner Stadtrates in der Taktverdichtung nur die Vorteile, aber überhaupt kein Problem. Das ist wenig verantwortungsvoll“, schreibt Norbert Chauvistré an die Redaktion.

Als damaliges Kreistagsmitglied der CDU hatte er in einer Rede vor diesem Gremium im Jahr 2019, die der Redaktion vorliegt, darauf hingewiesen, dass die Taktverdichtung nur nach Kompensationsmaßnahmen ausgeführt werden dürfe. „Ich habe deshalb, wie auch alle anderen Mitglieder des Kreistages damals, für die Taktverdichtung gestimmt“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Doch dieser Beschluss sei nie so umgesetzt worden. „Nach wie vor fehlen Brücken oder Tunnel, um die Schranken zu ersetzen“, sagt Chauvistré. Das führe gerade in der Hauptverkehrszeit immer wieder zu Staus. Jetzt solle die Taktverdichtung Ende 2026 eingeführt werden, die Kompensationsmaßnahmen fehlten aber. „Ich fühle mich damit als Politiker hintergangen. Damit tut man der Demokratie keinen Gefallen.“

Man könne nicht einfach bei einem Beschluss das heraussuchen, was einem passe, und das, was Probleme bereite, unter den Tisch kehren. Deshalb begrüße er ausdrücklich die Initiative von Bürgermeister Max Leitterstorf, auf die Kompensationsmaßnahmen zu drängen, bevor die Taktverdichtung auf fünf Minuten eingeführt werde. „Ich bin ein Befürworter der Taktverdichtung, doch die darf nicht auf Kosten des Verkehrs in Sankt Augustin eingeführt werden. Unter den Folgen leiden dann Bürger, wenn die Schranken geschlossen sind und sich lange Staus bilden.“