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AbschlussberichtDas sind die Ursachen für den tödlichen Flugzeugunfall in Sankt Augustin

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Ein Team der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung war noch am Abend des 21. März 2025 aus Braunschweig zur Absturzstelle gekommen.

Ein Team der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung war noch am Abend des 21. März 2025 aus Braunschweig zur Absturzstelle gekommen.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen hat ihren Abschlussbericht zum Absturz einer Bonanza im März 2025 vorgelegt.

Seine Kollegen gehörten zu den Ersten, die am 21. März 2025 an der Absturzstelle in Sankt Augustin-Hangelar eintrafen. Der Pilot der Beechcraft Bonanza, die kurz nach dem Start auf einem Feld aufschlug und in Flammen aufging, war selbst Notarzt auf dem Rettungshubschrauber „Christoph Rheinland“. Die Besatzung kümmerte sich sofort um die sechs Jahre alte Tochter, die bei dem Aufprall schwer verletzt wurde. Der 51 Jahre alte Mediziner starb in den Trümmern seines Flugzeugs.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) hat inzwischen den Abschlussbericht veröffentlicht. In den Schlussfolgerungen heißt es: „Der Unfall war auf ein Abkippen im Anfangssteigflug nach einer Triebwerksstörung, wahrscheinlich aufgrund eines Ausfalls der Triebwerk-Kraftstoffpumpe durch Korrosion, zurückzuführen.“ Als beitragende Faktoren nennen die Experten: die noch geringe Fluggeschwindigkeit und Höhe zum Zeitpunkt der Triebwerkstörung, eine nicht augenblickliche Reduktion des Anstellwinkels und eine hohe Arbeitsbelastung in einer kritischen Flugphase. „Eine konsequente Notlandung wurde nicht durchgeführt.“

Der Pilot wollte mit seiner Tochter übers Wochenende nach Sylt fliegen

An jenem Freitag wollte Jochen Hinkelbein aus Köln, Luft- und Raumfahrtmediziner, mit seiner Tochter übers Wochenende nach Sylt fliegen. Das Wetter war gut, die Sicht nicht eingeschränkt. Vor dem Start hatte er noch getankt, um 16.22 Uhr hob die Maschine ab. Zeugen auf dem Turm beschrieben gegenüber der BFU den Startlauf und das Abheben als unauffällig.

Als die Bonanza in etwa 15 bis 20 Meter Höhe am Turm vorbei flog, hörten sie ein Stottern des Motors und beobachteten eine schwarze Rauchwolke, die sich sofort auflöste. Andere Zeugen sagten aus, dass danach die Maschine keine weitere Höhe gewann. Ungewöhnlich tief habe sie eine Hecke am Ende des Flugplatzes in Richtung Bonner Straße überflogen. Anschließend hörten sie einen unrunden Motorlauf und dann nur noch ein leises Motorgeräusch.

Beim Absturz eines Flugzeuges am Flugplatz Hangelar in Sankt Augustin starb der Pilot.

Beim Absturz eines Flugzeuges am Flugplatz Hangelar in Sankt Augustin starb der Pilot.

Bilder aus einer nahe gelegenen Türkamera zeigen, wie das Flugzeug mit erhöhtem Anstellwinkel und ausgefahrenem Fahrwerk nach links über die Tragfläche rollte. Sekunden später prallte es außerhalb des Flugplatzgeländes in Verlängerung der Piste auf einem Acker auf und geriet sofort in Brand. Während das Mädchen das Wrack schwer verletzt verlassen konnte, erlitt der 51-Jährige tödliche Verletzungen. Die Beech BC36TC brannte aus.

Hinkelbein war ein erfahrener Pilot, seit 1992 im Besitz einer Privatpilotenlizenz, seit 2003 hatte er eine Berufspilotenlizenz. Außerdem hatte er Berechtigungen zum Instrumentenflug, als Fluglehrer und für den Kunstflug sowie weitere amerikanische und französische Lizenzen. Auf etwa 1175 Flugstunden summierte sich seine Gesamtflugerfahrung, mit 2127 Landungen. Mit einem Lehrberechtigten war er noch fünf Tage vor dem Unfall zu einem Übungsflug unterwegs, seit 2022 hatte er fast ausschließlich die Bonanza geflogen.

Seine Tochter saß in der ersten Rücksitzreihe des Tiefdeckers mit sechs Sitzplätzen. Sie war im Kindersitz gesichert und trug eine Schwimmweste. Das Flugzeug gehörte dem 51-Jährigen, es hatte seinen regulären Standplatz  am Flugplatz Hangelar. Hin und wieder flogen andere Piloten damit. Die Lufttüchtigkeit war bescheinigt, die Maschine stand nach Bordbuch aber in den Wintermonaten für mehrere Wochen oder Monate am Boden. In den drei Wochen vor dem Absturz waren fünf Flüge mit einer Gesamtflugzeit von  vier Stunden und 35 Minuten dokumentiert.

In der Kraftstoffpumpe war eine Antriebswelle gebrochen

Bei den detaillierten Untersuchungen der Trümmerteile fanden die BFU-Experten keine Beschädigungen am Triebwerk, es ließ sich von Hand vollständig durchdrehen. Gleiches gilt für den Turbolader. In der Triebwerk-Kraftstoffpumpe allerdings entdeckten sie eine gebrochene Antriebswelle und Korrosionsschäden. Vermutlich stoppte die Kraftstoffzufuhr kurz nach dem Start, weil Teile im Inneren der Pumpe festgesetzt waren und die Welle brach.

Der Pilot schaltete vermutlich die Zusatz-Kraftstoffpumpe ein, das Gemisch wurde zu fett. Das verursachte die schwarze Rauchwolke. Er schaltete dann wohl zurück, der Motor setzte kurz aus. Es war der ungünstigste Zeitpunkt für eine solche Störung - zu wenig Höhe und Geschwindigkeit, zu steiler Anstellwinkel und Stress in der Kabine. Hinkelbein leitete keine Notlandung im Geradeausflug ein, weil er wohl davon ausging, dass der Schub wiederkommt - vergeblich. Das Flugzeug kippte über die linke Tragfläche weg und zerschellte.

Eine Zeugin half der Tochter, die sich aus dem Wrack befreien konnte

Die Tochter konnte sich befreien, sie erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Eine Zeugin hatte ihr geholfen und wurde ebenfalls verletzt. Für Hinkelbein jedoch kam jede Hilfe zu spät, obwohl die Einsatzkräfte der Flughafenfeuerwehr nach drei Minuten, die der Freiwilligen Feuerwehr nach zehn Minuten eintrafen.