Humorvolle Bronzen treffen in der Galerie von Jutta Radicke auf faszinierende Raumwelten.
Galerie Jutta RadickeAusstellung in Sankt Augustin zeigt Werke von Franziska Schemel und Vitali Safronov

Die Bronzearbeiten von Vitali Safronov haben Witz.
Copyright: Markus Peters
Vitali Safronov erfüllt sich einen Wunschtraum, den wohl viele Künstler teilen. „Mord eines Kunstkritikers“ heißt eine seiner Bronzearbeiten, die derzeit in der Galerie von Jutta Radicke zu sehen sind. Darin liegt der Berufsnörgler reglos in einer güldenen Wanne, alle Viere von sich gestreckt, die Brille noch auf der Nase und bedeckt von einer quietschbunten Suppe.
Der Bildhauer Vitali Safronov zeigt die Beklopptheiten des Alltags
Man merkt es gleich, der 1966 in Omsk geborene Bildhauer hat den Schalk im Nacken, zumal gerade er das Urteil der Kunstkritik nicht fürchten muss. Zu speziell und originell sind die zwölf ausgestellten, filigran gearbeiteten Objekte, in denen immer wieder der Übermut durchschimmert. Mal sind es töricht Verliebte, ein kopfstehender Trinker oder die glückliche Sau, die eine innige Freundschaft mit einem Vegetarier pflegt. Immer wieder geht es um die Balance, die des Einzelnen oder des Paares, die auf die Probe gestellt wird.
Doch je leichtfüßiger das Sujet, desto ambitionierter ist die Umsetzung. Detailversessen verpasst Safronov seinen Figuren Gesichtszüge und Kleidung, markiert Details und sorgt mit der pointierten Bemalung dafür, dass seine Werke nicht nur wegen ihrer Bronze glänzen. Vitali Safronov gelingt es so, die Beklopptheiten des Alltags herauszuarbeiten und in etwas Liebenswertes zu verwandeln.
Franziska Schemel malt einschüchternd leere Räume
Eine eigene Handschrift der ganz anderen Art zeichnen die Arbeiten von Franziska Schemel aus, die sich die Ausstellung mit Safronov teilt. Ihre Werke sind raumgreifend im speziellen Sinn. In ihren Zentren steht eine architektonische Konstruktion, mal menschenleer, mal mit einigen schemenhaften Gestalten beseelt. Womöglich sind es U-Bahnstationen, ungenutzte Büros oder Shopping Center, gerne kombiniert mit Fotografien, die Schemel selbst umgesetzt hat. Dabei arbeitet die Künstlerin mit Acryl, Pigmente, Graphit, Sand, Steinmehle, Rost oder Metall, die sich mal zu einem Gemälde, einer Wandskulptur oder einem Schaukasten formen.

Eine typische Arbeit von Franziska Schemel.
Copyright: Markus Peters
Oft wirken diese Flächen einschüchternd, der Einzelne, wenn überhaupt vorhanden, nichtig. Und doch entfalten sie eine Macht, so dass man sich ihrer Faszination nicht entziehen kann. Unwillkürlich sucht man die richtige Distanz zu diesen Darstellungen, nah genug, um alles zu erkennen, weit entfernt genug, um nicht in den Sog dieser Flächen hineingezogen zu werden.
Zum Ereignis wird die Ausstellung auch durch ihre Präsentation. Jutta Radicke spielt hier die Stärken ihrer Galerie aus: Die niedrigen Souterrain-Decken und die schwarzgestrichenen Wände multiplizieren die Wirkung von Franziska Schemels Arbeiten noch und lassen sie mitunter eins mit ihrem Hintergrund werden. Genau gesetzte Lichtpunkte bringen die Objekte von Vitali Safronov zum Glänzen und ermöglichen es den Betrachtern, ganz nahe heranzugehen. Das Resultat dieser Darstellung ist nichts weniger als spektakulär.
Die Ausstellung wird noch bis Mittwoch, 15. Juli in der Eisenachstraße 33, Sankt Augustin gezeigt. Öffnungszeiten sind jederzeit nach Vereinbarung (Telefon 0 22 41 / 33 57 73 oder info@galerieradicke.de), jeden Dienstag open house von 15.00 bis 22.00 Uhr.
