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Workshop mit BetroffenenRollenspiele gegen platte Parolen

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In Rollenspielen mimten die Workshop-Teilnehmer Provokateure und Vermittler. Der Integrationsbeauftragte Bilal Ünal machte mit.

Sankt Augustin – In den Sankt Augustiner Ratssaal hatten die Integrationsagentur der Diakonie An Sieg und Rhein, der Caritasverband Rhein-Sieg und der Integrationsrat Sankt Augustin unter dem Motto „Parolen Paroli bieten“ eingeladen. Interessierten und Betroffenen sollte in einem Workshop mit Theaterszenen, Ist-Analysen anhand von Erfahrungsberichten und mit Verhaltensübungen geholfen werden, Vorurteile des Gegenübers zu entkräften, ihm gegebenenfalls Grenzen zu setzen.

„Leider kursieren gerade zum Thema Geflüchtete viele Stammtischparolen“, sagte Maria Neuschaefer-Rube von der Integrationsagentur, womit die Terminierung auf den „Tag des Flüchtlings“ eine stimmige Wahl gewesen sei. Als Referenten hatten die Macher den Theaterpädagogen und Schauspieler Jürgen Albrecht sowie seine Kollegin Caroline Jakubowski gewonnen.

Analyse gegen Polemik

Beider Methodik fußte unter anderem auf dem Buch „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ des Kempener Sozialwissenschaftlers Klaus-Peter Hufer. Mit einer keineswegs überzeichneten, mit Hass-, Zynismus- und Polemik-Parolen überladenen Szene stieg das Duo in Rollen eines keifenden Herrn Schröder und einer sich vergeblich ums Schlichten bemühten Frau Mutig unvermittelt auf eine hohe emotionale Ebene. Wobei die Inhalte dem entsprachen, was täglich in einigen Medien kursiert und vor allem dem, was einigen Teilnehmerinnen ähnlich widerfuhr. Viele der zitierten Beschimpfungen gingen jetzt an die Grenze des Geschmacks oder überschritten gar die des Erträglichen.

Als keifender Herr Schröder und als Frau Mutig trat das Referentenduo Jürgen Albrecht und Caroline Jakubowski an.

Seine Szene wiederholte das Dozentenpaar, wobei jetzt quasi im Wettkampf Parolen und Gegenargumente identifiziert und festgehalten wurden. Diese dienten in der Folge als Beispiel für die Verhaltungsschulung. Bei der hatte das Auditorium im mehrfachen Wechsel in die Schröder- und Mutig-Rollen zu schlüpfen. Obwohl sie überrascht war, sei ihr die Rolle der Provokateurin gar nicht so schwer gefallen, gestand eine Frau und lieferte die Begründung mit: „Man sammelt im Alltag ja ständig diese Parolen ein.“

Gegen die Schockstarre

Gleichwohl waren nicht wenige erstaunt, wie schnell einem die Gegenargumente ausgehen und man sich kaum „der Schockstarre entziehen“ könne, wenn der Hassprediger nur schnell und laut genug seine Parolen drischt.

Die Rollenspiele ließ Albrecht bewerten und daraus zielführende Verhaltensweisen und Gegenargumente entwickeln. Vom Auflösen der Verallgemeinerungen, vielleicht „mit einem Lächeln im Gesicht“, wie ein junger Mann bemerkte, bis zum beharrlichen Einfordern respektvoller Behandlung. Nach Möglichkeit sollten „Parolensprünge“ nicht zugelassen werden. Vielmehr solle man den Hetzer auffordern, beim Thema zu bleiben, unterstrich Caroline Jakubowski: „Permanentes Nachhaken ist die Königsdisziplin.“