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Kommentar

Kirmes-Eklat
Es ist kein Spaß, Nazi-Parolen zu rufen

Ein Kommentar von
2 min
Eine Festbühne mit Zeltdach.

Zwei Vereine sind Ausrichter der Kirmes, sie haben Anzeige erstattet.

Auf der Kirmes im Siegburger Stadtteil Wolsdorf haben Besucher fremdenfeindliche Texte gesungen.

Die Wolsdorfer Kirmes ist ein tolles, ehrenamtlich organisiertes Fest, was angesichts der Größe des Stadtteils eine Besonderheit darstellt. Umso trauriger ist es, dass einzelne Besucher die Traditionsveranstaltung mit ausländerfeindlichen Parolen in Verruf bringen.

Die fremdenfeindliche Zeile zu „L'Amours Toujours“ war am Samstag nicht nur im Bereich vor der Bühne zu hören, sondern auch von einzelnen Personen in unmittelbarer Umgebung. Es ist offensichtlich, dass die Betroffenen sich in angetrunkenem Zustand bloß einen Spaß machen wollten, doch es gibt Regionen in Deutschland, wo Menschen meinen, was sie sagen.

Es ist nicht lustig, wenn man so etwas ruft, sondern eine Straftat. Man kann auch nicht zum Spaß eine Bank überfallen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob jemand Migrationshintergrund hat. Wer dieses Argument nutzt, um Ausländerfeindlichkeit direkt auszuschließen, bewegt sich an der Grenze zur Relativierung. Der Satz drückt keine legitime Kritik an der Politik aus, er ist und bleibt eine Nazi-Parole.

Es darf niemals normal sein, fremdenfeindliche Lieder zu singen, auf einer Kirmes nicht, nirgendwo. Es gilt, solchen Entgleisungen jedes Mal offen zu widersprechen und sie anzuzeigen, denn sonst werden sie gesellschaftlich akzeptiert. Und wenn es normal ist, ein Deutschland nur für Deutsche zu fordern, setzt dies eines Tages jemand in die Tat um – wohin das führt, steht in jedem Geschichtsbuch.