Die schwierige Verkehrslage in Siegburg könnte sich bald bessern: Die Stadt will ihre beiden Baustellen bis Weihnachten abschließen.
Schwierige VerkehrslageLicht am Ende des Dauerstaus in der Kreisstadt Siegburg

Stau auch in anderer Richtung.
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Drei Großbaustellen, ein Verkehrsnetz, das es kaum noch verträgt: An der Wahnbachtalstraße entsteht ein neuer Kreisverkehr, in der Grimmelsgasse wird der Boden aufgerissen – und am Autobahnkreuz Bonn/Siegburg sorgt der Brückenneubau noch bis Sommer 2027 für Dauerstau. Die Stadt versichert, bei den eigenen Baustellen im Zeitplan zu liegen. Für Pendlerinnen und Pendler heißt das bis dahin vor allem: früh losfahren oder umsteigen.
Es ist kurz vor acht Uhr morgens auf der Frankfurter Straße, und wieder einmal bewegt sich: nichts. Vor der Baustellenampel am künftigen Kreisverkehr reiht sich Auto an Auto, dahinter stauen sich die Kolonnen weit zurück in Richtung Stadtgrenze. Weiter Richtung Zentrum sieht es nicht anders aus: An dem neuralgischen Punkt zur Bonner Straße warten die Fahrzeuge, um endlich die Unterführung passieren zu können – doch dahinter wartet auch schon die Dauerbaustelle am Autobahnkreuz Bonn/Siegburg, die seit Monaten für Behinderungen sorgt. Wer in diesen Wochen durch Siegburg pendelt, braucht vor allem eines: Geduld.
Kreuzung Frankfurter Straße/Wahnbachtalstraße
Seit dem 27. Oktober 2025 baut die Stadt gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßen NRW die Kreuzung Frankfurter Straße/Wahnbachtalstraße zu einem Kreisverkehr um, um Verkehrsfluss und Fußgängersicherheit zu verbessern. Die Arbeiten laufen in vier Phasen: Kanalarbeiten, Erneuerung der Versorgungsleitungen, Umgestaltung des Kreisverkehrs, zuletzt Fahrbahn- und Radwegsanierung. Aktuell, so die Stadt auf Nachfrage dieser Zeitung, sind an der Wahnbachtalstraße die Bordsteine der Nordseite gesetzt, diese Woche beginnen die Pflasterarbeiten auf dem Gehweg, danach wird die stadteinwärts führende Fahrbahnseite asphaltiert. Parallel verlegen Bautrupps eine neue Wasserleitung, deren Inbetriebnahme noch rund sechs Wochen dauern soll – erst danach geht der eigentliche Straßenbau weiter.
Kreisverkehr hinter dem ehemaligen Galeria Kaufhof
In der Grimmelsgasse am Kreisverkehr hinter dem ehemaligen Galeria Kaufhof laufen die Arbeiten seit dem 20. Juli 2026: Tiefbau- und Leitungsarbeiten sowie der Umbau der Bushaltestelle zu einer barrierefreien Mobilstation. Die Stadt bezeichnet die Maßnahme als Vorspiel zur großangelegten Holzgassensanierung, für die kürzlich ein Förderbescheid aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) Siegburg Innenstadt eingegangen ist – der Startschuss für die Holzgasse selbst soll Anfang 2027 fallen, von Markt und Kleiberg bis zur Zeithstraße und zum Kreisel Wellenstraße. Der Tiefbau in der Grimmelsgasse befinde sich aktuell in der finalen Leitungsbauphase, so die Stadt. Danach folge rasch der barrierefreie Umbau der Haltestelle – ein Verfahren, das die Stadt nach eigenen Angaben bereits an mehreren Stellen im Stadtgebiet erfolgreich erprobt hat.
Autobahnkreuz Bonn/Siegburg
Während die Stadt für ihre beiden Baustellen zuständig ist, liegt die dritte, möglicherweise folgenreichste Maßnahme in der Verantwortung der Autobahn GmbH: Seit dem 26. Mai 2026 ist das Autobahnkreuz Bonn/Siegburg wegen des kompletten Rückbaus und Neubaus einer Brücke über die Bahnstrecke Köln–Siegen von langfristigen Verbindungssperrungen betroffen. Wer von der A3 aus Oberhausen kommend auf die A560 Richtung Sankt Augustin oder Hennef will, muss bis voraussichtlich Mai 2027 die Umleitung über die Anschlussstelle Lohmar nehmen; die Gegenrichtung von Hennef auf die A3 Richtung Oberhausen bleibt bis voraussichtlich Ende April 2027 gesperrt. Zusätzlich ist die A3 zwischen Lohmar und dem Kreuz in beiden Richtungen nur zweispurig befahrbar – bis voraussichtlich Sommer 2027. Die Sperrung ist zudem Teil eines größeren regionalen Verkehrsproblems, zu dem auch die gesperrte Bonner Nordbrücke und mehrjährige Bahnbaustellen zählen.
Für die beiden städtischen Baustellen gilt laut Stadtverwaltung: Beide sollen bis Weihnachten fertig werden. „Der Zeitplan hält“, versicherte Pressesprecher Jan Gerull. Im Juni hatte die Stadt gegenüber dieser Zeitung noch eine mögliche Verzögerung bis ins neue Jahr hinein – abhängig von der Wetterlage – nicht ausgeschlossen; diesen Vorbehalt nennt sie inzwischen nicht mehr.
Pendlerinnen und Pendlern wird geraten, die ausgeschilderten Umleitungen zu beachten, mehr Zeit einzuplanen und, wo möglich, Zeiten außerhalb der Stoßzeiten zu nutzen. Alternativ empfiehlt sie den Umstieg auf Bus und Bahn, Fahrrad oder Sharing-Angebote – gerade weil sich das Autobahn-Chaos in die Innenstadt auswirkt.

Der Kreisverkehr ist fast fertig.
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Zur Verkehrsmisere auf der Straße kommt für Pendlerinnen und Pendler in Siegburg erschwerend hinzu, dass auch die naheliegende Ausweichoption ÖPNV derzeit nur eingeschränkt verlässlich ist. Grund ist die anhaltende Stadtbahn-Krise der Stadtwerke Bonn (SWB): Seit dem 2. September fahren auf der Linie 66, die Siegburg mit Bonn verbindet, Ersatzbusse statt Bahnen – wegen technischer Probleme und ausstehender Freigaben bei großen Teilen der Fahrzeugflotte.
Nach jüngsten Angaben der SWB bessert sich die Lage schrittweise: Das 17. und 18. Fahrzeug der sogenannten fünften Serie seien wieder auf der Strecke, teilte das Unternehmen mit. Die beiden letzten Bahnen dieser Baureihe würden vorerst nicht zur Freigabe vorgestellt, weil eine vorherige Reparatur unverhältnismäßig teuer wäre.
Zudem seien die Unterlagen für die erste bis vierte Serie der B-Wagen bei der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) eingereicht worden. Ursprünglich war geplant, den TAB-Bescheid für die vierte Serie erst nach Freigabe der ersten bis dritten Serie zu beantragen. „Wir haben aber gemeinsam mit allen Beteiligten und nach umfangreichen Voruntersuchungen entschieden, nur noch einen Bescheid zu beantragen“, sagt Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn. Das solle Zeit sparen.
„Für uns gilt natürlich weiterhin gründlich vor schnell. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass unsere Werkstatt neben den regulären Freigaben und normalen Reparaturen auch die regelmäßig wiederkehrenden Prüfungen durchführen muss“, ergänzt Gregor Frohne, Bereichsleiter für Schienenfahrzeuge bei SWB Bus und Bahn. Bislang hätten sieben Bahnen den eng mit der TAB abgestimmten Prüfprozess erfolgreich durchlaufen, vier weitere seien für diese Woche vorgesehen.
Die erste bis dritte Baureihe umfasst insgesamt 25 Fahrzeuge aus den 1970er-Jahren. Die 15 B-Wagen der vierten Serie stammen aus den 1980er-Jahren. Die SWB hält weiterhin an ihrem Ziel fest, den Streckenast Hauptbahnhof–Ramersdorf ab dem 19. Oktober wieder mit Bahnen planmäßig zu bedienen und den Ersatzverkehr dort dann einzustellen. Bis Ende November soll dann auch das weitere Teilstück Ramersdorf–Bad Honnef folgen. (jv)
