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OstergeschichteWas das Auferstehungsfenster in Siegburg zeigt

4 min
In der Siegburger Auferstehungskirche erklärt Pfarrerin Ruth Wirtz das große Auferstehungsfenster.

In der Siegburger Auferstehungskirche erklärt Pfarrerin Ruth Wirtz das große Auferstehungsfenster.

Rund 1000 Fensterscheiben kreierte der hessische Künstler Hans Heinrich Adam für die biblische Botschaft.

Mit all ihrer Kraft verhalf die Siegburger Sonne dem Buntglasfenster der Evangelischen Auferstehungskirche zu fesselnder Wirkung. Das 16,60 Meter lange und 7,80 Meter hohe Fenster wurde für den Neubau des Gotteshauses 1957 vom hessischen Künstler Hans Heinrich Adam gestaltet und dürfte am Ostersonntag 1957 mit der Indienstnahme der neuen Kirche für Gefühlsüberschwang gesorgt haben.

Mit seinen aus rund 10000, mit Bleistegen eingefassten Scheiben und Scheibchen, gewährt das Fenster den biblischen Motiven viel Platz für die Vermittlung seiner Botschaften. In sieben gleich große Felder ist das Fenster unterteilt und übernimmt damit die Symbolkraft der Zahl Sieben für das Christentum. Etwa für die jeweils sieben Sakramente, Schöpfungstage, Gaben des Heiligen Geistes, Bitten im Vaterunser, Todsünden oder Offenbarungen.

Fenster präsentiert Reise vom Sündenfall bis zum himmlischen Jerusalem

Das Fenster ist von rechts nach links zu „lesen“. Vom Sündenfall zu Beginn bis zum finalen himmlischen Jerusalem. Wobei in der Mitte gleich drei ineinander übergehende Felder das fundamentale Glaubensbekenntnis des Christentums, den Sieg des Lebens über den Tod bebildern. Die beiden rechten Felder zeigen die Zeit davor. Zunächst den Sündenfall mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Auch die Schlange trifft durch das flammende Schwert des Engels der Fluch Gottes.

Im nächsten Feld wird gezeigt wie der Walfisch Jona ausspuckt. Ein kleines Detail ist hier die Zahl drei, die Jona mit den Fingern der linken Hand zeigt. Dies greift Jesus im Matthäus-Evangelium auf: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“

Der Sündenfall mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies ist ein Detail des Fensters.

Der Sündenfall mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies ist ein Detail des Fensters.

Das zentrale Feld-Trio illustriert von rechts zunächst die beiden Marias, die am Ostermorgen das leere Grab vorfinden. Während die Hände der einen Frau Erschrecken ausdrücken, verharrt die andere in andächtigem Beten. In der Mitte sind die Soldaten am leeren Grab zu sehen, links daneben die Himmelfahrt des Auferstandenen.

Jesust ist mit knapp vier Metern die größte Figur des Fensters

Er ist mit knapp vier Metern Höhe die größte Figur des gesamten Fensters. Sie weist mit dem linken Arm nach hinten ins Davor, mit der rechten in Richtung dessen was kommen wird. Christus schwebt über der Erdkugel, was die Worte des Auferstandenen reflektiert: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden […] Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28, 18-20).

In der Siegburger Auferstehungskirche erklärt Pfarrerin Ruth Wirtz das große Auferstehungsfenster.

In der Siegburger Auferstehungskirche erklärt Pfarrerin Ruth Wirtz das große Auferstehungsfenster.

Das sechste Fenster steht für die Zeit der Kirche: Ein Lamm trägt die evangelische Kirchenfahne mit lila Kreuz auf weißem Grund. Blut tropft vom Lamm in einen Kelch, den Kelch des Heils beim Abendmahl. Darunter symbolisieren zwölf Flammen in zwölf Schalen die Jünger, die, vom Heiligen Geist erfüllt, zu Boten werden das Christentum zu verbreiten. Dies gilt als Geburtsstunde der Kirche. Das letzte Feld visualisiert die Welt Gottes im neuen Jerusalem, wo die Tore nicht mehr verschlossen sind.

Das sechste Fenster steht für die Zeit der Kirche: Ein Lamm trägt die evangelische Kirchenfahne mit lila Kreuz auf weißem Grund. Blut tropft vom Lamm in einen Kelch.

Das sechste Fenster steht für die Zeit der Kirche: Ein Lamm trägt die evangelische Kirchenfahne mit lila Kreuz auf weißem Grund. Blut tropft vom Lamm in einen Kelch.

Wichtige Elemente sind die dunklen Bögen, quasi „Strömungen“ die sich über die gesamte Fensterbreite ziehen. Einer beginnt oben neben der Paradiesszene. Später schwebt Christus auf dieser „göttlichen Ebene.“ Die „menschliche Ebene“ beginnt bei Adam und Eva. Der Strom teilt sich, geht zum einen durch die Marias, unter anderem als Zeichen für den Glauben an die Auferstehung, Der andere Zweig zieht durch die Soldaten, steht für Menschen, die Jesus als Sohn Gottes bezweifeln.

„Am Ende ist kein Bild phantastisch genug, groß genug, schön genug um zu zeigen, was da passiert ist“, sagt Pfarrerin Ruth Wirtz im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Fenster spiegele „Erfahrungsgeschichten des Glaubens“ Dieser entziehe sich der Logik und der Fakten. „Er ist eben nur möglich, weil er auf Beziehungen und Erfahrung beruht“, unterstreicht die Theologin. „Es ist fast ein bisschen wie mit der Liebe, die kann man auch nicht beweisen, aber man kann erfahren, dass es sie gibt, wenn man darauf baut.“

In der Siegburger Auferstehungskirche erklärt Pfarrerin Ruth Wirtz das große Auferstehungsfenster.

In der Siegburger Auferstehungskirche erklärt Pfarrerin Ruth Wirtz das große Auferstehungsfenster.

Die große Ausstrahlung des Fensters komme bei den Menschen an, berichtet Wirtz: „Weil große Kraft in diesen Geschichten steckt, die zum Leuchten gekommen sind durch die Gestaltung der Fenster.“ Die Welt brauche die Botschaft „mehr denn je“, sonst würden wir beim Karfreitag stehen bleiben.

"Wir brauchen Ostermenschen, die in diesem Geiste unterwegs sind. Menschen, die trotz dessen was real passiert, trotz der Weltlage, trotz der eigenen Lebenseinbrüche nicht resignieren und sagen, es sei alles sinnlos, es gehe nur bergab.“ Sondern die aufstehen und sagen: „Leben verändert sich, nichts bleibt wie es ist, es wird auch wieder neu und irgendwann für immer. Es ist eine Grundhaltung der Hoffnung, nicht des blinden Optimismus.“

Die Geschichte der Siegburger Kirche sei ja schon Osterbotschaft, „weil sie auf den Trümmern auferstanden ist in ein neues Gebäude“, so die Pfarrerin. Ausgedrückt habe sich das in der Konstruktion als Zeltkirche, das Mitgehen mit Gott in der Wüste, auch in der Trümmerwüste.“ Diese Geschichte trage eine Osterbotschaft in sich.