Siegburg – Immer wieder verschwanden Päckchen mit teuren Handys, häuften sich Beschwerden der Empfänger bei der Post. Die hauseigene Sicherheitsabteilung erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Ermittlungen führten zu einem langjährigen Zusteller, dem jetzt der Prozess vor dem Siegburger Schöffengericht gemacht wurde.
Fast 70 verschwundene Smartphones standen auf der Liste der Staatsanwaltschaft, einige mehr als 1000 Euro wert. 39 davon habe er auf jeden Fall entwendet und noch während der Arbeitszeit für die Hälfte des Neupreises an Bekannte weitergegeben, räumte der 50-Jährige ein.
Seine Vertrauensstellung beim Arbeitgeber machte den Diebstahl einfach: Die Zusteller sortieren die Sendungen für einen Großbezirk und bestücken die Autos für ihren Bezirk selbst. Die Sendungen werden üblicherweise beim Beladen gescannt.
Der Bote unterließ das, wenn er wertvolle Mobiltelefone in der Verpackung vermutete oder auch Goldmünzen. Meist noch im Transporter packte er die Wertsachen aus, verständigte dann seine Abnehmer, die wiederum Helfer zu vereinbarten Treffpunkten schickten.
iPhone brachte Polizei auf die Spur des Täters
„Er hatte die Geräte meist nur wenige Stunden im Besitz“, sagte der ermittelnde Kommissar im Zeugenstand. Dass der Täter ein iPhone für sich behielt und unter seinem Namen anmeldete, brachte die Polizei im Februar 2018 auf seine Spur. Die monatelange Telefonüberwachung belegte eine Vielzahl von Taten.
Die Serie von Diebstählen endete erst, als die Fahnder im August 2018 mit einer Ramme die Wohnungstür des Zustellers aufbrachen, die Räume durchsuchten und den Mann schließlich festnahmen.
Der räumte schon bei seiner polizeilichen Vernehmung die Diebstähle rundheraus ein, ohne dass die einzelnen Taten zur Sprache kamen. Auch Kollegen hätten wohl lange Finger gemacht, diese Vermutung wiederholte der Angeklagte vor Gericht, allerdings ohne Namen zu nennen.
Geldsorgen nannte der Bote als Motiv, als sich seine Freundin von ihm trennte, habe er sich ins Spielen geflüchtet und seinen Amphetaminkonsum erheblich gesteigert. Nach seiner Verhaftung habe er eine Entgiftung gemacht, die schon bewilligte Therapie aber nicht angetreten, weil seine Mutter im Koma lag, wie er unter Tränen schilderte.
Versicherung der Post ersetzt Schaden nur anteilig
Nur wenige Handys konnte die Polizei in dem Fall aufspüren, davon einige im Ausland. Sie waren über Internet-Kleinanzeigen verkauft worden.
Zu den Geschädigten zählen die Kunden, die ihr bezahltes Handy nicht erhalten haben. Die Versicherung der Post hat zwar Entschädigungen gezahlt, aber nicht den vollen Wert ersetzt, sondern nur einen Teilbetrag. Der lag bei einem Gerät für 1000 Euro bei lediglich 630,36 Euro. (coh)
Da er in der Zeit sich nicht wie vorgeschrieben regelmäßig bei der Polizei meldete, kam er in Untersuchungshaft. „Zwei Wochen später ist meine Mutter gestorben.“
Sieben Wochen hat der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte hinter Gittern verbracht, den Gerichtssaal verließ er als freier Mann. Er müsse nur dann die zweijährige Haftstrafe antreten, wenn er sich in den kommenden drei Jahren nicht bewähre, so der Vorsitzende Richter Christoph Turnwald.
Ein Bewährungshelfer soll den Weg in ein geordnetes Leben unterstützten, mit regelmäßigen Screenings muss der Angeklagte nachweisen, dass er keine Drogen mehr nimmt. Außerdem 200 Sozialstunden ableisten und – als „Wertersatz“ für das versilberte Diebesgut – 22.500 Euro an die Justizbehörde zahlen. „Ich will alles wiedergutmachen“, beteuerte der 50-Jährige, „und mir schnell Arbeit suchen.“
