Abo

Max RosenthalEin Jahrzehnt als Dirigent beim MGV Seelscheid

3 min
Seit zehn Jahren ist Mark Rosenthal Dirigent des MGV Seelscheid, das wurde angemessen gefeiert.

Seit zehn Jahren ist Mark Rosenthal Dirigent des MGV Seelscheid, das wurde angemessen gefeiert.

Der Männergesangverein nutzte sein Frühjahrskonzert, um seinen Dirigenten hochleben zu lassen.

Zehn Jahre Gesang unter dem selben Dirigenten, zudem sehr erfolgreich, sind allemal ein Grund, ihm ein Konzert zu widmen. Der MGV Seelscheid ließ Mark Rosenthal beim obligatorischen Frühjahrskonzert zurecht und ausgiebig hochleben. Dies taten die 32 Herren auf einem Niveau, bei dem mit Superlativen nicht gespart werden braucht. Was anscheinend anziehend wirkt. Denn über Publikumszuspruch brauchen sich die Seelscheider Goldkehlen ebensowenig zu sorgen wie über Sängernachwuchs. Noch schöner: Das Durchschnittsalter beträgt jugendliche 54 Jahre.

Die Klasse der nebst Zugaben 22 Lieder unterstrich eine einfache Formel: Auswendiges Singen und auswendiges Dirigat tragen immer Früchte, und seien es die stehenden Ovationen und die Dankbarkeit der Gäste am Konzertende.

Ranklotzen statt Mittelmaß

Vizechorleiter Frank Schwendemann, der später im Duett mit dem Jubilar anrührend Sashas „Lichterketten“ sang, brachte in seiner Laudatio den Grund von Rosenthals Erfolgs auf einen Nenner: „Er fördert und und fordert uns.“ Hoch anrechnen müsse man seinen „Vorschuss an Vertrauen.“ In seiner positiven Bilanz, die der Dirigent gegenüber dieser Zeitung zog, stand das „ständige Ranklotzen“ ganz vorne: „Sonst wird es Mittelmaß, das findet man oft.“ Zum Ranklotzen zählen für ihn auch die Bewegungsübungen vor jeder Probe und das Einsingen. „Jedesmal 16 Minuten, immer das gleiche Vorgehen“, so der gebürtige Amerikaner und ausgebildete Opernsänger, was auf eine gewisse Akribie schließen lässt.

Höhepunkte hatte der grandiose Abend in der ausverkauften Grundschul-Aula Am Wenigerbach en masse, etwa Rosenthals Komposition „America meets Germany“. Für die fusionierte er Franz Schuberts „Des Müllers Blumen“ aus dem Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ mit der südafrikanischen Hymne „Nkosi Sikelel' iAfrika“, die mittlerweile für viele Menschen Afrikas als ihre Nationalhymne schlechthin gilt.

Seit zehn Jahren ist Mark Rosenthal Dirigent des MGV Seelscheid, das wurde angemessen gefeiert.

Seit zehn Jahren ist Mark Rosenthal Dirigent des MGV Seelscheid, das wurde angemessen gefeiert.

Erstaunlich war, wie die Sänger den romantischen Duktus Schuberts wahrten und nach dem abrupten Wechsel der Liedstruktur trotzdem der treibend-pulsierenden Rhythmik und dem Obertongesang der Hymne gerecht wurden. So einfach sich der Welthit von 2021, „The Wellerman“ von Nathan Evans anhört, so fordernd ist sein zackiges Voranschreiten und die Dynamik, vor allem beim Singen aus voller Brust. Aus einem Guss geschah dies am Samstagabend.

Die Genre-Vielfalt und Leichtigkeit mit der die Übergänge von einer Welt in die andere gemeistert wurden, waren Markenzeichen des MGV. So musste etwa der demütig-feierliche Charakter des Gospels „Oh Happy Day“ gleich im nächsten Lied den unbekümmert-fröhlichen Zügen eines „Ein Freund, ein guter Freund“ der Commedian Harmonists weichen, ohne dass ihre Botschaften an Kraft verloren.

Kölschblock laut gefeiert

Und so wie das romantische Volkslied „Das Elternhaus“ Akzeptanz in der gesamten Aula fand, gewann auch die gewaltige MGV-Premiere „Nothing Else Matters“ von Metallica Anerkennung in allen Altersgruppen. Weitere Schmankerl waren das schwer zu singende „Carezze“ von Marco Maiero, das polyphone „La Valle“ (My Way) oder das getragene „La Sera Sper Il Lag“, die alle mit dem eindringlichem Miteinander von Ober- und Unterstimmen ans Gemüt gingen.

Laut gefeiert wurden der Kölschblock („Zesammestonn“, „Wenn mir Kölsche singe“, „Du bes die Stadt“) und Verdis klangmächtiges „Erhebet das Glas“ (Verdi - Ernani), dessen furiose Schlussstretta verzugslos in Saaljubel überging. Den dürfen die Chorsolisten ebenso auf sich beziehen wie Klaus Hebekeuser, der in seiner Moderation die zehn Rosenthal-Jahre reflektierte. Er habe bei Veranstaltungen angepackt an, wenn es anzupacken galt, verzichtete beim Singen auf Beerdigungen grundsätzlich auf Honorar oder habe in der Pandemie, als es keine gemeinsame Proben gab, in Videokonferenzen mit dem Chor gearbeitet: „Wir haben ihn damals voll weiterbezahlt, weil er uns immer alles tausendfach zurückgibt.“