85 Aussteller informierten im Rhein-Sieg-Forum vom Kauf eines Fahrrades bis zum Urlaub mit dem E-Bike.
Radtouristikmesse in SiegburgDarauf muss man bei Kauf eines E-Bikes achten – Experten geben Tipps

Radreisemesse 2026 im Rhein-Sieg Forum in Siegburg.
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Der Trend bei E-Bikes ist klar zu erkennen. „Haben ist besser als brauchen“, formulierte es Joachim Rönn von Velond in Sankt Augustin auf der Radtouristikmesse im Rhein-Sieg-Forum. Viele Kunden würden leistungsstarke E-Bikes mit einer hohen Wattzahl des Akkus wählen. Damit könne man problemlos Steigungen bewältigen und lange Strecken fahren. Doch nicht immer müsse es ein Aku mit 750 oder 800 Watt sein. Es komme auf die Nutzung an. „Wer viel im Stadtverkehr fährt, dem genügen schon 250 Watt“, so Rönn. Diese E-Bikes mit Motor im Hinterrad seien deutlich leichter und bräuchten deswegen auch weniger Strom. „Mit meinem Citybike komme ich auch hundert Kilometer weit, obwohl es nur ein 250-Watt-Akku hat.“
Tolga Iseri von XXL Feld aus Sankt Augustin bestätigt das. „Beim Kauf des E-Bikes muss man genau überlegen, wo man es einsetzen will.“ Vor allem eine hohe Akku- und Motorleistung hätten ihren Preis. In der Regel würden die Kunden bei XXL Feld E-Bikes in der Spanne von 2500 bis 3500 Euro kaufen. Aber es gebe anspruchsvolle Fahrer, die ein Rad ab 6000 Euro kaufen, das dann wirklich alles biete. Für 1200 Euro gebe es aber auch schon Angebote.
Bei Ausschalten des Antriebes kuppelt sich der Motor aus
Eine neue Entwicklung setzt sich immer weiter durch. Bei der Trennung des E-Bikes vom Elektroantrieb sollte sich der Motor auskuppeln. Dann wird es zum ganz normalen Fahrrad, in Kennerkreisen Biobike genannt. Damit kann man auf geraden Ebene ganz normal fahren und den Akku schonen, was gerade bei langen Strecken von Vorteil ist. „Man fährt dann im Off-Modus“, so Iseri.

Joachim Rönn von Veloland zeigt auf ein City-Bike mit Motor im Hinterrad.
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Viele Menschen vergessen wegen des E-Antriebs das sinnvolle Schalten der Gänge, wie es beim Biobike üblich ist. Darin sind sich beide Experten einig. Wenn es der Berg hoch geht, dann muss ein kleiner Gang geschaltet werden. „Das macht man bei seinem Fahrrad automatisch, wenn man stärker in die Pedalen treten muss“, so Rönn. Der Elektroantrieb verführe jedoch dazu einfach mehr Leistung zuzuschalten, was gerade am Berg den Akku aussauge.
„Dass E-Bikes voll im Trend sind“, bestätigt Iseri von XXL Feld. „Wir machen rund 80 Prozent unseres Umsatzes damit.“ Veloland setzt deswegen komplett auf diesen Antrieb. Biobikes gibt es dort nicht zu kaufen. Und ein Blick auf die eng an eng abgestellten und mit dicken Schlössern gut gesicherten Fahrräder vor dem Rhein-Sieg-Forum bestätigt das. Biobikes sind so gut wie nicht zu entdecken.
Die größte Radreisetouristikmesse in Nordrhein-Westfalen findet im Rhein-Sieg-Forum in Siegburg statt
Die größte Radreisetouristikmesse in Nordrhein-Westfalen wird seit 25 Jahren vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) organisiert, darauf wies ADFC-Vorsitzender für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis, Bernhard Meier, hin. Er freue sich, dass Bonns Oberbürgermeister Guido Déus ankündigte, dass die Bundesstadt wieder zurück in den Verein Radregion Rheinland kommen soll. „Ich werde dies im Stadtrat beraten lassen“, so Déus im Gespräch mit der Redaktion. Es sei für ihn „völlig unverständlich gewesen, dass die frühere rot-grüne Stadtspitze den Austritt“ vollzogen habe. Das müsse jetzt dringend korrigiert werden.

Radreisemesse 26 im Rhein-Sieg Forum in Siegburg: Landrat Sebastian Schuster (r.), Bonnes Oberbürgermeister Guido Déus, die Meckenheimer Blütenkönigin Antonia Augenstein und der Meckenheimer Bürgermeister Sven Schnieber (v.r.) beim Messerundgang.
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Viele der 83 Aussteller auf der Messe kamen aus Regionen aus ganz Deutschland, und wiesen auf ihr spezielles Angebot für Radtouristen hin. Und da gibt es inzwischen wirklich tolle Sachen. Wer Regionen mit kürzerer Anreise bevorzugt, wurde fündig.
Ob Münsterland und Sauerland, Ruhrgebiet und Niederrhein, Westerwald, Siebengebirge, Eifel, Ahrtal, Bergisches Land, Siegtal, Vorgebirge und Voreifel. Wen es eher in die Ferne lockt, der fand Angebote in Schleswig-Holstein und der ostfriesischen Region Moormerland über die Lüneburger Heide bis tief in den Süden zum Kaiserstuhl, der Rad- und Weinregion an Saale und Unstrut im Osten. Aus dem benachbarten Ausland kamen das Elsass, die Wallonie, die belgische Region Ourthe-Vesdre-Amblève in der Nähe von Lüttich und das Großherzogtum Luxemburg zur Messe.
Wer mit seinem Mountainbike unterwegs ist, der sollte nicht die Wege herunterrasen, sondern achtsam fahren
Am Stand des Deutschen Alpenvereines mit seinem Vorsitzenden Björn Langer konnte man erfahren, dass dort auch Mountainbike-Fahrer eine Heimat finden können. Die Natur- und Umweltfreunde legen jedoch Wert auf Rücksichtnahme am Berg. „Wer mit seinem Mountainbike unterwegs ist, der sollte nicht die Wege herunterrasen, sondern achtsam fahren und bei Wandern auf der Strecke sein Tempo verringern“, so Langer. Auch das allzu großzügige Umfahren von Pfützen auf den Wegen, die zur unerwünschten Verbreiterung der Wege führe, sei zu vermeiden.

Radreisemesse 26 im Rhein-Sieg Forum in Siegburg
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Am Stand der Polizei konnte man auf einem Simulator E-Bike fahren. Dort bildeten sich zweitweise echte Schlangen von Besuchern, die richtiges Verhalten in kritischen Situation dort bekommen wollten. Zudem beriet die Polizei mit Schlössern über die richtige Sicherung. Der ADFC codierte Fahrräder, damit sie nach Diebstählen besser gefunden werden können. Der Verein stellt zudem sein Bett-and-Bike-Angebot vor. Dabei handelt es sich um ein dicht geknüpftes Netz fahrradfreundlicher Hotels und Unterkünfte.
Partner der Messe in diesem Jahr war die Region Hunsrück und Nahe. Sie hat ihr Angebot um Gravelbiking erweitert. Diese Räder sind darauf ausgelegt, sowohl auf befestigten Straßen als auch auf unbefestigtem Gelände, wie Schotter-, Feld- und Waldwegen komfortabel zu fahren. Für sportliche Radler gibt es aktuell 15 Touren zwischen 50 und 120 Kilometern mit bis zu 2000 Höhenmetern auf ruhigen Nebenstraßen.
In zwei Sälen berichteten am Messesonntag 13 Referenten über Fahrradtouren in den Regionen wie Südengland, der Loire, der französische Atlantikküste, in den Schluchten des Balkans sowie nach Norwegen und Südschweden. Dem Gravelbiking widmeten sich gleich mehrere Vorträge. Es geht dabei um die Vorbereitung einer Graveltour, um das neu aufgebaute Routenangebot des Hunsrücks für Gravelbiker und um das spektakuläre Graveln in British Columbia in Kanada.

