„Es ist total ungerecht“, machte sich ein Angeklagter vor dem Siegburger Amtsgericht Luft. Er wurde wegen Exhibitionismus an der Raststätte verurteilt.
„Es muss keiner ins Auto gucken“An Siegburger Raststätte ertappter Exhibitionist muss 1000 Euro zahlen

An der Siegburger Raststätte herrscht meistens viel Autoverkehr. (Symbolbild)
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Manchmal überkommen den Mittvierziger Gelüste. So wie an dem Tag an der Siegburger Autobahnraststätte, wo andere Autofahrer ihn mit heruntergelassener Hose erblickten. Gegen den Strafbefehl wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses legte der Briefträger Widerspruch ein. Es folgte der Prozess vor dem Siegburger Amtsgericht.
Ja, er sei erregt gewesen. Doch habe er sich mit einem T-Shirt bedeckt, widersprach der Angeklagte dem Zeugen. Der hatte geschildert, durchs Beifahrerfenster die nackten Tatsachen erblickt zu haben. „Warum sollte der Zeuge lügen?“, fragte ihn Richter René Dabers.
Reisende erblickten an der Siegburger Raststätte die nackten Tatsachen
Der 37-Jährige, der mit Bekannten in einem Kleinbus unterwegs war, war zum parkenden Auto gegangen, weil der Mann hinterm Steuer Blickkontakt mit ihm gesucht und dabei merkwürdig gegrinst habe, erzählte der Zeuge: „Ich wusste nicht, wie ich das deuten sollte, und wollte fragen, ob alles okay ist.“
Der Angeklagte habe weder beschämt noch schuldbewusst gewirkt, sagte der Zeuge auf Nachfrage des Richters. Er und seine Bekannten hätten das Auto umringt und die Polizei gerufen. Der Fahrer habe keine Anstalten gemacht, sich zu bekleiden.
Dabers riet dem Briefträger, den Einspruch gegen den Strafbefehl über 20 Tagessätze (à 50 Euro) zurückzunehmen, eine Verurteilung käme ihn teurer zu stehen. Dann müsse er statt der geforderten 1000 Euro rund 1300 zahlen, weil sein Nettoeinkommen höher sei als von der Staatsanwaltschaft zugrunde gelegt.
Der Angeklagte reagierte empört: „Ich finde das total ungerecht, das ist keine exhibitionistische Handlung, wenn die Leute in mein Auto schauen.“ Nach kurzer Bedenkzeit stimmte er zu, immer noch schimpfend: „Ich muss 1000 Euro zahlen für nichts.“
