Kurz vor dem Ende des Schuljahres haben lokale Akteure eine niedrigschwellige Orientierungshilfe für Berufseinsteiger angeboten.
„Chance 2026“Schülerinnen und Schüler erhalten in Siegburg eine persönliche Berufsberatung

Die Reihe „Chance“ fand 2026 zum ersten Mal im Kreishaus des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg statt.
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Die Jugendlichen kommen weder zum Speeddating, noch lassen sie sich auf einer Berufsmesse beraten. Im Saal „Swist“ im Kreishaus in Siegburg sitzen Schüler und Schülerinnen, die im Juni kurz vor ihrem Abschluss stehen, Experten und Expertinnen gegenüber, die sie beim Einstieg in die Berufswelt begleiten. Das Ziel: „Es geht darum Perspektiven zu eröffnen und zu schärfen“, erläutert die stellvertretende Leiterin des Bonner Schulamtes, Claudia Schwennesen.
„Chance 2026“ heißt die Veranstaltung, die in diesem Jahr erstmalig in Siegburg stattfand. Seit sechs Jahren läuft die Reihe zur Berufsorientierung für Jugendliche bereits in Bonn. Mit dem zusätzlichen Standort sollen gemäß der Organisatoren mehr Hilfesuchende angesprochen werden, für einige seien die Wege nach Siegburg schlicht kürzer. Die Agentur für Arbeit, die Kommunale Koordinierungsstellen der NRW-Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn sowie Schulen aus der Region arbeiten hierbei zusammen, um jungen Menschen Anregungen für den Berufseinstieg zu geben.
Jugendliche können sich eigenständig anmelden
Anders als bei Berufsmessen melden sich die Jugendlichen vorab eigenständig, über ihre Eltern oder über ihre Lehrkraft für die Veranstaltung an und erhalten einen individuellen Termin bei einem Berufsberater oder einer Berufsberaterin. Den Ablauf vor Ort schildert Susanne Wagner, Pressesprecherin Agentur für Arbeit Rhein-Sieg/Bonn: „Es wird erstmal allgemein geschaut, was die Jugendlichen interessiert.“ Je nach Schüler und Schülerin seien die Vorstellungen unterschiedlich genau. Bei der ersten Beratung gleiche man diese Vorstellungen mit weiterführenden Angeboten ab. Beim Interesse für einen handwerklichen Beruf etwa, leite die erste Ansprechperson die Jugendlichen an den Beratungsstand der Handwerkskammer zu Köln weiter. Das passiere alles unter einem Dach, Stichwort kurze Wege.
Fachkräfte des Arbeitgeberservices können den Jugendlichen Angebote für Ausbildungsstellen, Praktika oder Kontaktadressen weitergeben. Über die den Verein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste und die Gesellschaft zur Förderung beruflicher Integration werden den Schülerinnen und Schülern Weiterbildungen für ihre sozialen Fähigkeiten näher gebracht. Und die im Januar in Siegburg neu gegründete Jugendberufsagentur vernetzt 15- bis 27-jährige Menschen aus dem Rhein-Sieg-Kreis mit Jobcenter, Jugendhilfe und Agentur für Arbeit.
„Man wird hier in Empfang genommen und durchgeleitet“, lobt die stellvertretende Leiterin des Bonner Schulamtes, Claudia Schwennesen das Angebot in Siegburg: „Die persönliche Ansprache ist wichtig.“ Für die Orientierungssuchenden sei es zentral, dass die Beratungen niedrigschwellig sein.
Wir brauchen Fachkräfte in der Region und die Jugendlichen brauchen Orientierung – das ist ein Match.
An der „Chance 2026“ haben nach Informationen der Veranstalter 74 Jugendliche aus zehn Schulen im Haus der Bildung in Bonn teilgenommen. Der Großteil sei von Berufskollegs gekommen. Für den Termin in Siegburg zählten die Organisatoren 71 Anmeldungen aus elf Schulen, überwiegend von Haupt- und Realschulen. Seit dem Beginn der Veranstaltungsreihe liege die Teilnehmendenzahl konstant über 110 Personen. Mit dem zweitägigen Angebot an zwei Standorten zeigten sich die Zuständigen zufrieden.
„Wir brauchen Fachkräfte in der Region und die Jugendlichen brauchen Orientierung – das ist ein Match“, sagt Brigitte Böker, Leiterin des Amtes für Schule, Bildung, Kultur und Sport des Rhein-Sieg-Kreises zur Veranstaltung. Man merke den jungen Leuten ihre Motivation an. Laut Böker gibt es im Schuljahrgang 2024/25 des Kreises 160 sogenannte „Unversorgte“, sprich Jugendliche, die noch keine Ausbildung in Aussicht haben. Gemessen an den jährlich, durchschnittlich 6000 Abschlüssen von Schülerinnen und Schülern im Rhein-Sieg-Kreis, sei diese Quote aber sehr gering. Für die offenbar wirksame Orientierungshilfe beim Berufseinstieg sei die enge Vernetzung lokaler Akteure förderlich, ist Böker sicher.
Bei den Gründen für eine potenziell Überforderung der Schüler und Schülerinnen nennen die Expertinnen die unübersichtliche Menge an Möglichkeiten, aber auch die Folgen der Corona-Pandemie und mentale Belastung durch die weltpolitische Lage. Beratungsangebote seien daher unerlässlich. Auch: „Damit die Jugendlichen gar nicht erst in ein Loch fallen“, so Susanne Wagner.
Orientierungshilfe wird an unterschiedlichen Stellen geboten
Und nicht nur im analogen Raum gibt es Orientierungshilfen: Caroline Hamsch von der Kommunalen Koordinierung (Koko) spricht davon, dass derzeit eine Berufswahl-App entwickelt werde. Online finden sich zudem zahlreiche regionale Beratungsangebote.
Die Berufsberatung Siegburg ist unter der 02241/300800, die Berufsberatung Bonn unter 0228/9248000 zu erreichen. Wer sich per E-Mail an die Beratungen wenden möchte, kann dies über Siegburg.Berufsberatung@arbeitsagentur.de und Bonn.Berufsberatung@arbeitsagentur.de tun. Die Homepage für beide Anlaufstellen lautet www.berufsberatung-bonn.de.
Informationen für den Übergang von der Schule zum Beruf auf www.bo-brs.de richten sich neben der jugendlichen Zielgruppe auch an Eltern und Lehrkräfte. Dort finden sich unter anderem Angaben zu regionalen Beratungsstellen und Veranstaltungen wie Fachmessen oder Ausbildungsbörsen.
