Im gut besuchten Rhein-Sieg-Forum gab es ein Unentschieden zwischen den beiden Finalisten.
JahresfinalePoetry Slammer teilen sich Erfolg in Siegburg

Am Ende freuten sich beide: Anna Lisa Azur gratuliert ihrem Mitbewerber Simon Middelkoop.
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Freunde des gesprochenen Wortes kamen wieder zu Hauf, als die Kunst des Poetry Slams gefeiert wurde. Das Rhein-Sieg-Forum in Siegburg war Schauplatz des letzten Slams Deutschlands im Jahr 2025 und zu gewinnen gab es diesmal den Buchstaben „i“, einst ging es mit dem „a“ los. Steinmetz Markus Weisheit aus Siegburg stellt die großen Buchstaben-Trophäen jedes Jahr her.
Anekdoten des Aacheners brachten Siegburger Publikum zum Lachen
Nach einer Vorrunde, in der die Stimmen des Publikums ausgezählt werden, muss im Finale das berühmte Applausometer ran. Es war dieses Mal ein denkbar knappes Rennen zwischen Anna Lisa Azur und Simon Middelkoop; die Slam-Poeten Wehwalt Koslowsky, Kim Catrin und Antonia Josefa schieden bereits in der Vorrunde aus.
Der Aachener Middelkoop begeistert die Siegburger vor allem mit amüsanten Anekdoten aus seinem Leben, während Azur mit deutlich ernsteren und unangenehmeren Themen besticht. Ihre ausdrucksstarke Performance widmet sie Themen, wie etwa dem äußeren Erscheinungsbild von Frauen.
Für Kommentare versuchst du taub zu werden, für Blicke blind
Von der Kindheit bis zum Start ins Berufsleben berichtet sie von Beurteilungen. Fazit: Man kann nur das Falsche anziehen. „Für Kommentare versuchst du taub zu werden, für Blicke blind“, so Azur. In ihrer Finalperformance widmet sie sich dann dem weiblichen Orgasmus, benennt unzählige Vorteile, die er mit sich bringe.

Simon Middelkoop aus Aachen lieferte sich mit Anna Lisa Azur ein knappes Rennen um den Sieg im Siegburger Poetry Slam.
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Er verlangsame den Alterungsprozess und beuge diversen Krankheiten vor. Azur beklagt, dass 70 Prozent der Frauen während der Penetration nie zum Orgasmus kommen. Für sie heißt es aber: „Orgas-muss und nicht Orgas-kann.“ Während das Publikum von der Wuppertalerin harte Worte garniert mit ausschweifenden Gesten bekommt, gibt es bei Middelkoop deutlich mehr zu lachen.
Er erzählt in leichter Stand-Up-Manier etwa von dem Kaiserschnitt, mit dem er und seine zwei Brüder als Drillinge zur Welt kamen. Er schildert, „emporgehoben“ und in den „Brutkasten“ gelegt worden zu sein. Die spezielle Wortwahl von Middelkoop erntet viele Lacher. Dass er sich „fühlt, wie ein Boomer, gefangen im Körper eines 23-Jährigen“, verarbeitet er dann in seiner Finalperformance. Leute am offenen Fenster beobachten, lineares Fernsehen gucken oder Geräusche beim Hinsetzen zu machen, seien alles Anzeichen dafür.
Siegburger Vize-Bürgermeisterin überreichte die Trophäe
Das Publikum im Rhein-Sieg-Forum quittierte dies mit vielen Lachern, vermutlich auch weil sich manche selbst ertappt fühlten. Im Finale konnten sich beide anhand des Applauses locker gegen Titelverteidiger René Sydow durchsetzen, vielleicht war sein Text aus der Sicht des aktuellen Zeitgeistes einfach zu pessimistisch für die Siegburger.
Doch nach mehreren Power-Applaus-Abstimmungen musste Moderator Mario El Toro ein Unentschieden ausrufen. Anna Lisa Azur und Simon Middelkoop teilten sich das steinerne „i“. Überreicht wurde es von Siegburgs stellvertretender Bürgermeisterin Susanne Haase-Mühlbauer. Musikerin Remi aus Frankfurt eröffnete den Abend mit gesungener Poetik; sie geht auch privat gerne auf Poetry Slams. Ihre zugänglichen Songtexte erzählen etwa von Selbstfindung und kommen gleichermaßen rebellisch wie melancholisch daher.

