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Sperrung ab FebruarAutobahn GmbH will keine Ausnahmen für ÖPNV bei Bonner Nordbrücke machen

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Ab Anfang Februar will die Autobahn GmbH des Bundes die Bonner Nordbrücke für Fahrzeuge sperren, die schwerer als 7,5 Tonnen sind. Das gilt dann auch für Linienbusse.

Ab Anfang Februar will die Autobahn GmbH des Bundes die Bonner Nordbrücke für Fahrzeuge sperren, die schwerer als 7,5 Tonnen sind. Das gilt dann auch für Linienbusse. (Archivbild)

Anfang Februar und damit zwei Wochen später als geplant wird die Bonner Nordbrücke für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht gesperrt.

Bei der geplanten Teilsperrung der Bonner Nordbrücke für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen wird es voraussichtlich keine Ausnahmen für den öffentlichen Nahverkehr geben. Das hat die Autobahn GmbH des Bundes auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt. „Auf Grundlage der fachlichen Bewertung der externen Gutachter ist eine restriktive Vorgehensweise notwendig“, sagt Pressesprecherin Sabrina Kieback. Die Sperrung gelte für alle Fahrzeuge, die schwerer als 7,5 Tonnen seien.

Ausgenommen seien nur Einsatzfahrten von „sicherheitsrelevanten Behörden und Organisationen wie Rettungsdiensten, Feuerwehr und Betriebsdienst sowie des Katastrophenschutzes“. Die  Abstimmungen über die Modalitäten der Sperrung würden noch laufen, so Kieback. Anders als bislang angekündigt, soll die Sperrung nicht bereits Mitte Januar in Kraft treten. Das sei „nicht realisierbar“, so die Sprecherin der Autobahn GmbH. Die Teilsperrung soll nunmehr Anfang Februar starten.

Rhein-Sieg-Landrat und Bonner Oberbürgermeister beraten das weitere Vorgehen

Sie ist nach Angaben der Autobahn GmbH erforderlich, um die Standsicherheit des Bauwerks für den übrigen Verkehr weiterhin zu gewährleisten. Die 1967 gebaute Brücke sei ursprünglich für eine geringere Verkehrsbelastung geplant worden. Altersbedingt sei das Bauwerk in einem Zustand, der den gestiegenen Anforderungen durch den heutigen und zukünftigen Verkehr nicht mehr gerecht werde. Verschiedene Varianten für einen Ersatzneubau werden seit Langem geprüft. Ein solcher Neubau wird nach dem aktuellen Stand der Planungen allerdings erst in den 2030er Jahren umgesetzt.

Den Wunsch nach einer Ausnahmegenehmigung für den ÖPNV hatten die Verkehrsunternehmen aus der Region, aber auch Vertreter der Politik geäußert. Die angekündigte Brückensperrung für schwere Fahrzeuge würde den Linienverkehr erheblich beeinträchtigen. So müssten im Fall der Sperrung Umleitungen unter anderem für den Flughafenexpress (SB 60) der Bonner Stadtwerke (SWB) und die Linie 550 (Köln-Wahn – Niederkassel – Bonn Hbf) der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) jahrelang genommen werden. Betroffen wären auch die von der RSVG betriebenen Buslinien zur Anbindung der Ursulinenschule in Bornheim-Hersel und des Collegium Josephinum im Bonner Norden an den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

Unterdessen haben inzwischen auch der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn über die Folgen der Brückenteilsperrung beraten. Am Donnerstag fand dazu ein Gespräch mit Landrat Sebastian Schuster und dem Bonner Oberbürgermeister Guido Deús statt, an dem auch Vertreter der Deutschen Bahn teilnahmen. Schuster und Deús haben dabei nach Angaben des Rhein-Sieg-Kreises die Autobahn GmbH gebeten, noch einmal zu prüfen, ob Schulbusse die Nordbrücke nicht doch weiter überqueren dürfen - zumindest bis zum Ende des laufenden Schuljahrs. Stadt und Kreis erhoffen sich so mehr Zeit für die Planung  von alternativen Routen.

Verwaltung rechnet mit täglich 3000 zusätzlichen Lkw-Fahrten im Bonner Stadtgebiet

Mittlerweile wird auch immer klarer, welche Folgen die Teilsperrung der Nordbrücke haben dürfte.  Nach Angaben der Autobahn GmbH sind von den 100.000 Fahrzeugen, die die Nordbrücke täglich überqueren, 5000 Lkw schwerer als 7,5 Tonnen. 60 Prozent davon haben ihren Start- oder Zielort in Bonn selbst oder im Bonner Umland. Bonner Stadtverwaltung und Kreisverwaltung gehen deshalb davon aus, dass täglich rund 3000 Lkw Ausweichstrecken suchen werden, die auch durch das Bonner Stadtgebiet führen.

Das dürfte nach einer ersten Einschätzung der beiden Verwaltungen unter anderem zu deutlich mehr Verkehr auf der Reuterstraße, der Niederkasseler Straße (L 16), der Königswinterer Straße (L 193), der Kölnstraße (L 300) und der Siegburger Straße (L 83) führen. Stadt und Kreis haben angekündigt, die neue Verkehrsführung, die an vielen Stellen im Bonner Stadtgebiet durch die Teilsperrung der Nordbrücke erforderlich wird, in den nächsten Tagen mit der Autobahn GmbH abstimmen zu wollen.

Die Sperrung einer der wichtigsten Rheinquerungen darf nicht auf dem Rücken von Kindern und Familien ausgetragen werden
Nils Suchetzki (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Kreistags

Im Kreistag hat sich nach der FDP jetzt auch die SPD zum Thema Nordbrücke positioniert. Die Sozialdemokraten fordern den Landrat auf, „frühzeitig und mit Nachdruck Lösungen zur Sicherstellung eines zuverlässigen, sicheren und zumutbaren Schülerverkehrs zu entwickeln“. „Die Sperrung einer der wichtigsten Rheinquerungen darf nicht auf dem Rücken von Kindern und Familien ausgetragen werden“, sagt Nils Suchetzki, der Vorsitzende des Planungs- und Verkehrsausschusses des Kreistags. „Gerade im Schülerverkehr brauchen wir Verlässlichkeit. Lange Umwege, unzumutbare Fahrzeiten oder gar der Zwang, auf Elterntaxis auszuweichen, sind keine akzeptable Lösung.“

Für den Fall, dass es für den Busverkehr keine Ausnahmegenehmigung gebe, solle der Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam mit der RSVG „tragfähige Alternativkonzepte“ umsetzen. Denkbar sei, so die SPD, etwa der Einsatz „kleinerer, brückentauglicher Fahrzeuge“. Ziel müsse sein, noch vor Beginn des zweiten Schulhalbjahres Klarheit zu schaffen und „praktikable Übergangslösungen zu finden, die den Alltag von Schülerinnen und Schülern nicht zusätzlich belasten“.