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Süße Grüße und viele SorgenIn Rhein-Sieg stirbt die kleine Dorfbäckerei aus

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Süße Neujahrsgrüße brachte die Bäckerinnung ins Kreishaus: (v.l.) Anne Allstadt, Ellen Siewert, Landrat Sebastian Schuster, Obermeister Bernd Rott, Kreisdirektorin Svenja Udelhoven und Armin Klein.

Süße Neujahrsgrüße brachte die Bäckerinnung ins Kreishaus: (v.l.) Anne Allstadt, Ellen Siewert, Landrat Sebastian Schuster, Obermeister Bernd Rott, Kreisdirektorin Svenja Udelhoven und Armin Klein.

Seit 1999 bringen Bäcker süße Neujahrsgrüße ins Kreishaus. Nur noch 40 Betriebe vertritt die Innung, die Dorfbäckerei stirbt aus, sagte Obermeister Bernd Rott. 

Sie sollen Glück bringen, die süßen Neujahrsbrezel, die die Bäckerinnung ins Kreishaus brachte. Seit 1999 sei dies guter Brauch, sagte Obermeister Bernd Rott. Dabei können die Handwerker selbst ein wenig Glück brauchen: Es gibt immer weniger Betriebe, „die Dorfbäckerei stirbt aus“.

Nur noch 40 Handwerksbäcker vertritt die Innung Bonn/Rhein-Sieg im rechts- und linksrheinischen Kreis und in der Bundesstadt, so wenig wie seit Jahrzehnten nicht. Allerdings wachse die Zahl der Filialen und auch der Mitarbeiter.

Durch Verpackungssteuer sind die Brötchen in einigen Filialen teurer

„Die Konzentration in der Branche nimmt zu“, schildert Rott. Das gehe zu Lasten der Vielfalt. Die Bäcker hätten mit wachsender Bürokratie zu kämpfen, so machten den Bonner Betrieben die Verpackungssteuer zu schaffen. Wenn ein Produkt für 50 Cent in einer Tüte verkauft werde, auf die eine Kommunalsteuer von 50 Cent erhoben werde, sei das den Kunden nur schwer zu vermitteln. Dadurch würden die Produkte in den Großstadtfilialen teurer als im Kreisgebiet.        

Der gestiegene Mindestlohn belaste die Bäcker zusätzlich. Um den Abstand zu den gelernten Fachkräften zu wahren, müssten deren Löhne eigentlich um rund acht Prozent angehoben werden, „doch welcher Betrieb überlebt das?“, fragte Innungsvorstandsmitglied Armin Klein. Es werde das Signal ausgesendet, „dass sich Ausbildung nicht mehr lohnt“.   

Dass Handwerk goldenen Boden hat, dieser Ruf werde vor allem in Fernost gehört. Schätzungsweise 80 Prozent der Lehrlinge in den hiesigen Backstuben kämen mittlerweile aus Asien, „gute, fleißige, höfliche junge Leute“, weiß der Obermeister. Im Verkauf sei deren Einsatz schwieriger wegen der Sprachhürden.

Offensichtlich wollten viele nach Deutschland, wen auch nicht unbedingt in eine Bäckerei, schildert Klein: „Ich bekomme jeden Monat 50 E-Mails, auch von künftigen Köchen und Pflegekräften.“      

Frische Brötchen und frisches Brot wird es also auch weiterhin geben, Filialbetriebe aus angrenzenden Kreisen oder sogar aus Rheinland-Pfalz füllen Lücken. Da hat die Ware vom Ofen bis zur Ladentheke einen Transportweg von bis zu 100 Kilometern hinter sich.