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Fische bloß BeiwerkVico Friedsam aus Troisdorf gestaltet Aquarien

3 min
Vico Friedsam steht vor einem Aquarium und lächelt.

Seine Passion entdeckte er in einer Phase tiefster Langeweile.

Der 19-jährige Aquascaperer schafft spektakuläre Welten hinter Glas. Da kommt auch mal ein Ultraschallvernebler zum Einsatz.

Viele Betrachter eines Aquariums mögen meinen, das Reich des Wassers sei kleinen, bunten Fischen vorbehalten. Doch für Vico Friedsam aus Troisdorf sind die Fische bloß Beiwerk in einer akribisch geplanten Kulisse. Der 19-jährige Aquascaperer schafft spektakuläre Welten hinter Glas.

Seine Passion entdeckte er in einer Phase tiefster Langeweile: Mit 13 brach er sich ein Bein und verbrachte viel Zeit zu Hause. „Ich brauchte etwas, das ich tun konnte“, sagt Friedsam. „Und dieser Laden in Sankt Augustin hatte Showbecken, die mich sehr interessiert haben.“ Dabei handelte es sich nicht um gewöhnliche Aquarien, sondern um sogenannte Aquascapes – eine von dem Japaner Takashi Amano geprägte Form der Unterwassergestaltung.

Beim Aquascaping liegt der Fokus auf der Gestaltung

Auch wenn beim Aquascaping in Aquarien gebaut wird, seien nicht Fische die Hauptattraktion. „Es geht viel mehr um die Gestaltung von Pflanzen, Ästen und Steinen. Die Fische machen das lebendig. Es gibt aber auch Aquarien, die komplett ohne Fische auskommen“, schildert Friedsam.

„Dieser Laden in Sankt Augustin“, das ist das „Zoo & Co“. Dort macht der 19-Jährige inzwischen eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, nachdem er zuvor drei Jahre einen Nebenjob dort hatte. „Einer der Kollegen hat mir dann das Aquascaping gezeigt – er ist noch viel erfahrener als ich.“ Doch auch Friedsam hat inzwischen einiges an Expertise vorzuweisen.

Aquarium mit waberndem Nebel

Eines seiner Projekte zeigt ein japanisches Biotop mit dort typischen Pflanzen und waberndem Nebel. „Den verteilt eine Membran, dahinter sitzt ein Ultraschallvernebler“, erklärt Friedsam. Angepflanzt habe er Moos, Farne und Orchideen, ebenso Rankenpflanzen. „Manche Pflanzen leben unter Wasser, manche darüber – so wie die Begonie, die allerdings eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigt.“

Blick auf das Aquarium.

Diese Gestaltung entspricht einer japanischen Flusslandschaft. Ein Ultraschallvernebler erzeugt künstlichen Nebel.

Um ein Aquarium zu gestalten, brauche er bis zu fünf Monate. „Erst tue ich Steine und Erde als Bodengrund rein, dann verklebe ich Holz-Elemente. Ich arbeite auch mit der Tiefe, bringe sie also etwas weiter hinten an. Bis die Pflanzen angewachsen sind, dauert es allerdings mehrere Monate.“ Die Fische fühlten sich in aufwendig gestalteten Becken aber sehr wohl, da sie viele Verstecke böten.

Farne, Orchideen und Moose in der Nahaufnahme.

Farne, Orchideen und Moose brauchen mehrere Monate, bis sie angewachsen sind.

Wer selbst ein Aquarium besitzt, kennt das Problem mit dem Algenbefall. Friedsam hat einen Tipp: „Ich wechsle häufig das Wasser und setze viele Pflanzen ein. Die sind wichtig gegen Algen, denn sie entziehen ihnen die Nährstoffe. Außerdem sollte man die Beleuchtung steuern, denn sonst betreiben die Pflanzen zu viel Photosynthese und dann können die Algen wachsen.“

Vico Friedsam möchte in die Top 100 der weltweiten Bestenliste kommen

Alles muss perfekt aussehen für das Foto – denn auf dieses kommt es letztlich an. Mit dem Schnappschuss nimmt Friedsam an nationalen und internationalen Wettbewerben teil. „Das geht nur über Fotos, weil man ein Aquarium schlecht transportieren kann.“ Hier kämen auch wieder die Fische ins Spiel, die eigentlich nur Beiwerk seien. „Man scheucht sie auf, damit sie genau in der Mitte sind. Nur frontal sieht das gut aus“, sagt Friedsam.

Er hat bereits an mehreren internationalen Wettbewerben teilgenommen, zuletzt wurde er Dritter in der Klasse der kleinen Becken beim European Aquatic Plants Layout Contest (EAPLC). „Eine internationale Jury bewertet die Komposition, also wie die Steine aufgebaut sind oder der goldene Schnitt liegt, ob die Pflanzen gut gewählt und gesund sind“, erläutert er. Sein Ziel sei es, in die Top 100 der weltweiten Bestenliste zu kommen – momentan trennten ihn davon noch gut 250 Plätze.

Verkaufen tut Friedsam seine Werke nur in Ausnahmefällen. Häufig räume er ein Aquarium aus und baue damit eine neue Unterwasserlandschaft. „Es ist leider ein sehr teures Hobby, auch wenn ich mittlerweile viele Elemente gesponsert kriege“, räumt Friedsam ein. „Aber allein eine spezielle Schere kostet 120 Euro – und die Becken sind am teuersten.“