Die SPD hat eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt, in der sie Transparenz vor dem Hintergrund der Hangelar-Affäre einfordert.
Hangelar-AffäreSPD Troisdorf fordert Antworten zu mutmaßlicher Einflussnahme der Stadt bei SWB-Chef

Die Stadt Troisdorf muss sich Fragen aus den Reihen der Sozialdemokraten stellen. Es geht um mögliche Einflussnahme bei der Causa Olaf Hermes in den Stadtwerken Bonn. (Symbolbild)
Copyright: Dieter Krantz
Im Zuge der sogenannten Hangelar-Affäre hat Olaf Hermes, Chef der Stadtwerke Bonn, Ende März fristlos gekündigt. Er sehe eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Landrat Sebastian Schuster und dem Bonner Oberbürgermeister Guido Déus nicht mehr gegeben, hatte er mitgeteilt. Hintergrund sind ein möglicher Grundstückskauf am Flugplatz in Sankt Augustin-Hangelar und eine mutmaßliche Begünstigung eines CDU-Spenders als Kaufinteressent.
Im Zuge von Hermes' Kündigung kamen Hinweise auf, die Stadt Troisdorf sei in Gespräche um dessen Weiterbeschäftigung involviert gewesen und habe Bedingungen dafür gestellt. Zuerst hatte der „General-Anzeiger“ berichtet.
SPD fordert Alexander Biber auf, zu einer möglichen Einflussnahme Stellung zu nehmen
Die SPD Troisdorf fordert den Troisdorfer Bürgermeister Alexander Biber in einer Anfrage auf, zu Fragen um die mögliche Einflussnahme der Stadt Troisdorf im Zusammenhang mit den Stadtwerken Bonn (SWB) Stellung zu nehmen.
„In der aktuellen Berichterstattung wird darauf verwiesen, dass die Stadt Troisdorf als Miteigentümerin der Energie- und Wasserversorgung (ENW) ihre Zustimmung zur vorzeitigen Vertragsverlängerung von Herrn Hermes von einer strukturellen Änderung der ENW nach Wünschen der Stadt abhängig gemacht habe“, heißt es in der Anfrage der SPD.
Olaf Hermes hatte im Dezember 2025 ein Compliance-Verfahren gegen den Bonner Oberbürgermeister eingeleitet, weil er bei der Entscheidung über den möglichen Grundstückskauf in Hangelar eine unangemessene Einflussnahme des OB-Referenten Christian Siegberg sah. OB Déus und Landrat Schuster gerieten im Zuge der Diskussion um das Grundstück immer mehr in die Kritik, weil sich der Verdacht nicht zweifelsfrei ausräumen ließ, sie hätten einen CDU-Spender begünstigen wollen.
Das an die Wünsche der Stadt Troisdorf zu knüpfen, löst schon ein Geschmäckle, wenn nicht sogar ein Störgefühl aus.
Die SPD will nun von der Stadtverwaltung wissen, welche Abstimmungen es seitens der Stadt mit den Stadtwerken Bonn gegeben habe, die im Zusammenhang mit der vertraglichen Situation von Olaf Hermes stünden. Auch fragt sie, welche vertraglichen Regelungen die Stadt zwischen dem Kreis, TroikKomm und den SWB ändern wollte. Und: „Wie erklärt die Verwaltung, dass der Rat von einer solchen Verhandlungsposition bislang keine Kenntnis hatte und diese erst durch Medienberichterstattung bekannt wurde?“
Wenn die Stadt eine solche Position vertrete und „das an uns als Politik vorbeigeht, ist das nicht gut, zumal es anscheinend mit Personalentscheidungen verknüpft wird, wo es keine Verknüpfungen geben sollte“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende René Wirtz gegenüber der Redaktion. Für ihn sei klar, wenn Hermes gute Arbeit leiste, hätte sein Vertrag verlängert werden sollen. „Das an die Wünsche der Stadt Troisdorf zu knüpfen, löst schon ein Geschmäckle, wenn nicht sogar ein Störgefühl aus“, so Wirtz weiter.

René Wirtz von der SPD fordert Antworten von der Stadtverwaltung.
Copyright: Dieter Krantz
Durch die sogenannte Flugplatz-Affäre seien erhebliche Fragen zu möglicher politischer Einflussnahme auf unternehmerische Entscheidungen aufgeworfen worden, betont die SPD. „Gerade vor dem Hintergrund der Bedeutung kommunaler Beteiligungen sowie der notwendigen Trennung zwischen politischer Steuerung und operativer Unternehmensführung besteht ein erhebliches öffentliches Interesse an vollständiger Transparenz“, argumentieren die Sozialdemokraten.
Auf Anfrage der Redaktion dementierte die Stadtverwaltung die Vorwürfe: „Die Stadt Troisdorf war zu keinem Zeitpunkt in die Gespräche über eine mögliche Verlängerung des Geschäftsführervertrages von Herrn Olaf Hermes eingebunden. Diese Gespräche wurden ausschließlich zwischen den Akteuren des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn geführt.“
Stadt Troisdorf: Ziel ist, die Eigenständigkeit der Stadt und Troikomm stark zu halten
Zudem betonte die Verwaltung, an der Energiesparte der Stadtwerke Bonn (ENW) lediglich mittelbar über die städtische TroiKomm GmbH beteiligt zu sein, die ihrerseits Anteile an der BRS Beteiligungsgesellschaft Bonn/Rhein-Sieg mbH halte.
Zur Bemühung, die Handlungsfähigkeit der kommunalen Unternehmen im Blick der Herausforderungen im Energiesektor dauerhaft zu stärken, gehöre laut Verwaltung die grundsätzliche Überlegung, bestehende Beteiligungsstrukturen, insbesondere im Hinblick auf die Beteiligung an der BRS, „künftiger effizienter zu organisieren“. Das Ziel sei dabei, die „Eigenständigkeit der Stadt Troisdorf und der städtischen TroiKomm gegenüber großen Playern des Energiemarkts möglichst stark zu halten“.
Die Gremien hätten sich damit noch nicht befasst, „da es sich um interne, noch nicht konkretisierte strategische Vorüberlegungen handelt, die sich in einem frühen Prüfstadium befinden“, teilt die Stadt Troisdorf mit.
„Der Eindruck, die Stadt Troisdorf habe durch ihr Verhalten Einfluss auf den Verlauf oder das Ergebnis der Gespräche zur Vertragsverlängerung von Herrn Hermes genommen, ist aus Sicht der Stadtverwaltung sowie der TroiKomm GmbH nicht nachvollziehbar“, erklärt die Verwaltung. Weder für die Stadt noch für die TroiKomm sei erkennbar, wie sich Olaf Hermes gegenüber den Überlegungen positioniert hätte. Doch Stadt und TroiKomm setzten bei der Geschäftsführung der ENW durchaus die Offenheit für ihre Interessen voraus.
