InnovationDiese Tüftler-Technik aus Troisdorf ging um die Welt

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Karl-Heinz Oellig hat die damals wohl erste Offsetplatten-Entwicklungsmaschine entworfen und gebaut

Die damals wohl erste Offsetplatten-Entwicklungsmaschine hat Karl-Heinz Oellig aus Troisdorf entworfen und gebaut. (Repro)

Es war die erste Maschine ihrer Art weltweit: der Troisdorfer Karl-Heinz Oellig revolutionierte mit seiner Offset-Druckmaschine den Markt.

Die halbe Firma stand beim Probelauf dabei“, erinnert sich Karl-Heinz Oellig; nach der erfolgreichen Erprobung gab es eine Gratifikation von 500 Mark für den Ingenieur aus Eschmar. Für die Firma Rotary in Siegburg hatte Oellig eine Maschine zur automatischen Entwicklung von Offset-Druckplatten konstruiert und gebaut. Zum ersten Mal mussten die fertigen Platten nicht mehr händisch gewischt werden, stattdessen löste eine Maschine die kostspielige Handarbeit ab.

Die Maschine, wohl die erste ihrer Art weltweit, ging per Luftfracht zu einer Messe in die USA, Marktgrößen wie Agfa, Kodak, Dupont und 3M wollten Prototypen haben. Ein Patent hatte Oellig damals „leider nicht“. Es sei ihm aber auch nie ums Geld gegangen, betont der Rentner im Gespräch. „Wo kommt’s her, woran liegt es?“ Diese Fragen hätten ihn immer umgetrieben. „Der spinnt, aber er hat Recht“, habe einmal ein Professor seinen Ansatz kommentiert.

Karl-Heinz Oellig sitzt an einem Tisch und hat einen Ordner mit Dokumenten vor sich liegen.

Karl-Heinz Oellig absolvierte im Ruhestand ein zweites Studium.

Der „Spinner“ hatte seine Laufbahn an der Volksschule begonnen. 1940 geboren, absolvierte Oellig danach eine Lehre als technischer Zeichner, die er mit 17 Jahren abschloss und mit der Fachhochschulreife fortsetzte. Als einer von 80 unter 1500 Bewerbern konnte er 1961 ein Studium an der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen in Köln aufnehmen und 1964 mit dem Diplom abschließen. 1968 kam Oellig zur Siegburger Firma Rotary, aber auch seine Offset-Erfindung, die er bei Kunden wie dem Burda-Verlag, Axel Springer oder dem Heinrich-Bauer-Verlag präsentierte, konnte den Konkurs der Firma nicht verhindern.

Zurück in Troisdorf, ging der Ingenieur zur Zünderfabrik „Züfa“ der Dynamit Nobel, die letzte – und längste – Station seines wechselvollen Berufslebens waren die Mannstaedt-Werke. „Ich habe den Leuten von Kloeckner viel Geld gespart“, erinnert sich der heute 83-Jährige. Immer wieder führte er technische Modifikationen ein, sein Sachverstand wurde auch in Indien geschätzt: „Ich war damals beim größten Fahrradhersteller in Delhi.“

1997 ging Karl-Heinz Oellig in den Vorruhestand. Die Hände legte er aber nicht in den Schoß: „Ein bisschen weitergearbeitet“ habe er, unter anderem 1998 ein Studium der Korrosionsschutztechnik an der Fachhochschule in Iserlohn mit einem zweiten Diplom beendet. Das Angebot allerdings, eine Firma aus dem Iran in Deutschland zu vertreten, schlug er nach einem Treffen am Frankfurter Flughafen aus.

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