Freunde starteten eine Spendenkampagne, um der Familie zu helfen. In wenigen Tagen kamen schon 90.000 Euro zusammen.
Wenn die Helfer Hilfe brauchenFeuerwehr-Paar aus Troisdorf über den Umgang mit seiner Krebserkrankung

Das Ehepaar Schulz leidet an Krebs - doch ihren drei Kindern wollen die Eltern ein möglichst normales Leben ermöglichen.
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Sich die Feuerwehruniform überzustreifen, bedeutet Günter Schulz sehr viel. Sein Gesicht strahlt, als er sich ans Steuer des Löschfahrzeugs setzt. „Ein ungewohnter Anblick“, beschreibt seine Frau Sabine. Denn zu Einsätzen ausrücken kann das Ehepaar aus Altenrath auf absehbare Zeit nicht mehr. Die beiden Eltern dreier Kinder, die sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren, haben Krebs. Günter Schulz leidet unheilbar an Knochenmarkkrebs, bei Sabine Schulz wurde Brustkrebs diagnostiziert.
Zu allem Überfluss kam bei dem 39-Jährigen eine Gürtelrose hinzu. „Sie hat aber schon wieder nachgelassen“, sagt er tapfer. Ihm geht es schlecht genug: Seit der Tumor seinen Halswirbel zerstört hat und er ein Implantat aus Titan im Oberkörper trägt, kann er seinen Kopf nur noch eingeschränkt bewegen. „Der dritte bis neunte Halswirbel sind durch die Ärzte versteift worden“, sagt er. Dazu kommt der faustgroße Tumor am Beckenknochen. „Das ist ein blutbildender Knochen, deswegen kann der nicht entfernt werden. Ich habe früher unheimlich gerne getanzt, aber das geht jetzt nicht mehr“, sagt Schulz.
Sabine Schulz hat Angst vor dem Haarausfall durch die Chemotherapie
Seine Frau Sabine hat bereits die Chemotherapie begonnen, hat die erste Behandlung hinter sich. „Zwischen der zweiten und dritten, haben die Ärzte gesagt, fallen die Haare aus“, sagt Schulz. Sie fürchte sich davor. „Ich habe mir von meiner Mutter, die auch Brustkrebs hatte, schon mal die Haare zurückschneiden lassen. Und ein paar Freundinnen haben zusammengelegt für künstliche Augenbrauen – da hatte ich echt Tränen in den Augen“, schildert die 44-Jährige.
Bis sie selbst erkrankte, pflegte sie vor allem ihren Mann, der das vergangene Frühjahr im Krankenhaus verbrachte, und erst wieder laufen lernen musste. „Das war eine schlimme Zeit, er konnte sich nicht anziehen, selbstständig essen, wir wussten nicht, ob er überlebt oder nicht. Für die Kinder war das richtig übel.“ Sieben, elf und 15 Jahre sind sie alt.
Sie versuchen, nach außen normal zu wirken, aber wenn man sie fragt, werden sie schnell traurig.
„Sie versuchen, nach außen normal zu wirken, aber wenn man sie fragt, werden sie schnell traurig. Sie weinen oft und der Kleine ist sehr anhänglich.“ Günter Schulz ergänzt: „Wir versuchen, nicht dran zu denken und zu leben, als ob wir es nicht hätten.“
Dabei helfen soll auch die Spendenkampagne, die ihre Freundin Katharina Jordan und Löschgruppenführer Marcus Breuer gestartet hatten. Seit Sonntag waren auf der Plattform Gofundme fast 90.000 Euro zusammen gekommen. „Mit dieser Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Ich dachte, wenn da drei- bis achttausend Euro zusammen kommen, ist das schon viel“, gesteht Günter Schulz. „Es ist Wahnsinn, wie viele fremde Menschen einem helfen – normalerweise sind wir es ja, die um 3 Uhr nachts dafür aufstehen. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man selber Hilfe braucht.“
Eltern wollen ihren Kindern mit dem gespendeten Geld ein normales Leben ermöglichen
Mit dem Geld wollte die Familie zunächst ihre finanziellen Defizite ausgleichen, die Eltern erhalten Krankengeld. „Ansonsten ist das komplett für die Zeit mit den Kindern gedacht: Wir können ihnen ein normales Leben ermöglichen: Im Dezember standen drei Klassenfahrten an, die wir bezahlen mussten. Jetzt ist noch Spielraum für Wünsche in den Sommerferien“, sagt er.
Kraft gebe den beiden die Mitgliedschaft in der Feuerwehr: „Ich bekomme die Alarmierungen immer noch aufs Handy und muss sagen, es juckt mir schon gewaltig in den Fingern“, sagt der 39-Jährige. So lange er und seine Frau aber krankgeschrieben seien, sei die Mitfahrt an Einsätzen aus versicherungstechnischen Gründen nicht erlaubt.

In seinem Spind im Altenrather Feuerwehrhaus hängt noch eine Uniform - Günter Schulz brennt darauf, sie anzuziehen.
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„Ich gucke aber gerne bei Übungen zu oder fahre zum Feuerwehrhaus, wenn ich weiß, dass jemand da ist. Die Kameraden haben mich auch schon mal mit dem Mannschaftstransporter abgeholt, alle haben ihre Unterstützung angeboten.“
So bald es ihm möglich sei, wolle Schulz wieder mitfahren. „Ich bin zwar zu 80 Prozent schwerbehindert, aber den Lkw fahren kann ich noch. Ich werde bei Bränden nicht mehr in den Innenangriff gehen können, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich nicht mehr gebraucht werde“, sagt er. Auch Sabine Schulz will nach der Krebs-Behandlung der Feuerwehr treu bleiben. „Als stellvertretende Jugendwartin möchte ich beim Pfingstcamp mitfahren, sonst haben sie ja keinen weiblichen Betreuer“, sagt sie.
„Die Kommentare, die uns erreichen, sind sehr berührend. Wir versuchen, möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen.“ Günter Schulz hofft, durch die regelmäßigen Behandlungen wieder ein halbwegs normales Leben führen zu können. „Heilbar ist der Krebs nicht, man kann aber sehr lange damit leben. Wir machen uns keine Gedanken, ob einer von uns stirbt. Wir wollen kämpfen, einfach weitermachen. Positiv zu denken ist, was uns motiviert.“

