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Stadtbibliothek
Wie Hund Milow Kindern in Troisdorf die Unsicherheit beim Vorlesen nimmt

Lesezeit 3 Minuten
Vorlesehund Milow hört einem Mädchen beim Vorlesen zu.

Hinter spanischen Wänden haben es sich Milow und Sophia gemütlich gemacht.

Vorlesehund Milow hört geduldig zu, wenn Kinder ihm in der Bibliothek vorlesen. Wie der Hund ausgebildet wurde – und wie Kinder reagieren.

Zehn Minuten täglich sollte Jeremy zuhause das Lesen üben, empfiehlt die Schule – und das fällt dem Jungen nicht wirklich leicht. Nur dienstags kann der gerade acht Jahre alt gewordene Schüler kaum genug vom Vorlesen bekommen. „Mit Milow macht es ihm richtig Spaß“, sagt Mutter Inga Schmitz: Jeden Dienstag trifft Jeremy den Vorlesehund in der Stadtbibliothek.

Seit Januar kommen Claudia Palumbo und ihr Irish Setter regelmäßig in die Bibliothek. „Ich mag Hunde und hatte das in einer anderen Bibliothek gesehen“, erzählt Leiter Philipp Maaß, wie es dazu kam. Über die Hundeschule bekam er Kontakt zu Palumbo, „und nach einem kurzen Assessment-Center haben wir Milow als Mitarbeiter eingestellt“.

Troisdorf: Die kleine Hand im Fell des Hundes vermittelt Sicherheit

Gerade Kinder, die sich mit dem Lesen und Vorlesen schwertun, können von dem Angebot profitieren. Der Hund korrigiert sie nicht, bewertet nicht. Die kleine Hand im Fell des Hundes vermittelt Sicherheit. Und so, weiß Philipp Maaß, können die Jungen und Mädchen Selbstbewusstsein tanken. Außerdem hielten sie viel länger durch. „Drei Minuten Vorlesen sind nämlich ganz schön lang“, weiß der Bibliotheksleiter.

Doch in der Tat werden an diesem Nachmittag sowohl Jeremy als auch die siebenjährige Sophia erst von der Uhr gestoppt: Schließlich sind heute fünf Kinder zum Treffen mit dem Vorlesehund angemeldet, die 50 Minuten müssen redlich geteilt werden.

Hinter spanischen Wänden haben Kinder, Hund und Besitzerin Platz genommen; gemütlich sind die Kissen, Wassernapf und eigene Decke hat Philipp Maaß für Milow aus einer Kammer geholt. „Ihr dürft ihn streicheln“, sagt Claudia Palumbo, als sie ihren Hund vorstellt. „Aber immer nur einzeln, sonst wird ihm das vielleicht zu viel.“

Vorlesehund Milow ist tiefenentspannt – aber nicht grenzenlos belastbar

Auch nach der Ausbildung zum Therapie- und Begleithund, die wegen der Pandemie nicht zweieinhalb, sondern fast vier Jahre dauerte, ist Milow zwar tiefenentspannt, aber auch nicht grenzenlos belastbar. „Zu erkennen, wann er gestresst ist“, ist denn auch ein Inhalt der Seminare, die Claudia Palumbo absolviert hat, teils mit Hund, teils ohne.


Anmeldung für die Begegnung mit dem Vorlesehund (jeden Dienstag 16 Uhr) für etwa eine Stunde per Mail an stadtbibliothek@troisdorf.de, Betreff Vorlesehund Milow.


Acht Wochen war Milow alt, als Palumbo den Welpen bekam, „und ich wollte ihn so ausbilden, dass ich ihn gut in die Gesellschaft einbinden kann“. Das Modell Vorlesehund kannte sie nicht, „aber ich habe selbst – erwachsene – Kinder und ich mag Menschen“. Zudem passt das Engagement in der Stadtbibliothek zu ihrer Ausbildung als Coach.

So können sich Interessierte in der Stadtbibliothek Troisdorf anmelden

Die siebenjährige Sophia darf man wohl als Leseratte bezeichnen. „Ich habe in der Schule das fünfte „Lies Mal“ fertiggemacht“, mit ihrer Mutter Marijke Hölters ist sie häufiger in der Bibliothek. Die Begegnung mit Milow aber ist für sie eine Premiere, auf die sie sich freut. „Schon cool“ sei das wohl, als Lektüre hat sie ein Buch über Hundebabys mitgebracht – und lässt auch Milow immer wieder hineinschauen. Ob er wohl erkennt, was sie ihm zeigt? „Hunde sehen nicht so gut“, erklärt Besitzerin Claudia Palumbo. Dafür ist die Geduld von Milow um so größer.

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