Unser Reporter Olaf Pohl erlebt die WM in den USA
Troisdorfer bei der WMInternationales Flair und Fan-Freundschaften am Stadion

Schon beim ersten WM-Spiel, das Olaf Pohl in San Francisco sah, machte der Troisdorfer nette Bekanntschaften.
Copyright: Olaf Pohl
Das erste WM-Spiel, das ich in Kalifornien besucht habe, war zugleich die erste Überraschung des Turniers. Außenseiter Qatar trotzte der Schweiz ein 1:1 ab und sicherte sich damit einen unerwarteten Punktgewinn. Die eigentliche Erkenntnis des Tages gewann ich allerdings nicht auf dem Spielfeld, sondern rund um das Stadion.
Schon Stunden vor dem Anpfiff mischten sich auf den weitläufigen Wegen und Plätzen Tausende Menschen aus aller Welt. Natürlich waren Schweizer und Qatarer darunter. Doch je mehr Gespräche ich führte, desto größer wurde meine Überraschung. Viele Besucher kamen aus Ländern, deren Nationalmannschaften sich gar nicht für diese Weltmeisterschaft qualifiziert hatten.
Internationale Atmosphäre rund um das Stadion in San Francisco
Zu ihnen gehörte die Familie Sannelli aus San Francisco. Vater Rocco (40) stammt ursprünglich aus Italien, Mutter Veronika (37) aus Moskau. Seit 14 Jahren leben sie in den USA. Tochter Victoria (9) und Sohn Nicolas (6) waren ebenfalls mit dabei. Nicolas spielt selbst begeistert Soccer. Obwohl weder Italien noch Russland bei diesem Turnier vertreten sind, kam die Familie, „um dem Schweizer Team die Daumen zu drücken.“
Wenig später traf ich Reiana Bahrme (24) aus Kuwait. Die Maschinenbaustudentin lebt seit vier Jahren in San Francisco. Ausgerechnet die Weltmeisterschaft 2022 im benachbarten Qatar verpasste sie damals, weil sie bereits ihr Studium in Kalifornien aufgenommen hatte. Diesmal unterstützte sie das benachbarte Land am persischen Golf. „Mir gefällt vor allem die internationale Atmosphäre", sagte sie vor dem Spiel.

Erstes WM-Spiel, das Olaf Pohl in San Francisco sah: Schweiz gegen Qatar.
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Auch auf den Tribünen setzte sich dieses Bild fort. Neben mir saßen chinesische Zuschauer, die angereist waren, um Japan zu unterstützen. Im Laufe des Nachmittags begegnete ich Menschen aus zahlreichen weiteren Ländern. Viele waren nicht wegen ihrer Nationalmannschaft gekommen, sondern weil sie die Kombination aus Fußball, WM und internationalem Flair erleben wollten.
Die Organisation überzeugte, die Bierpreise nicht
Sportlich verlief die Partie lange erwartungsgemäß. Die Schweiz führte bis in die Schlussphase hinein mit 1:0 und schien einem erfolgreichen Turnierstart entgegenzusteuern. Doch dann gelang Qatar noch der späte Ausgleich. Entsprechend groß war der Jubel bei den Fans des Außenseiters. Ich machte ein Erinnerungsfoto mit Fans aus Qatar, die mir aus Freude einen Schal schenkten.

Familie Sannelli aus San Francisco unterstützte die Schweiz. Vater Rocco (40) stammt ursprünglich aus Italien.
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Die Stimmung im Stadion war ordentlich, erreichte aber nicht annähernd die Intensität, die man beispielsweise von einem Bundesligaspiel des 1. FC Köln kennt. Dafür überzeugte die Organisation. Trotz der großen Menschenmengen funktionierten Einlass, Sicherheit und Verkehrslenkung reibungslos. Wie so oft sorgten die Volunteers für gute Stimmung, aber auch die Ordnungskräfte bewiesen viel Fingerspitzengefühl. Weniger erfreulich waren die Preise. Für 0,6 Liter frisch gezapftes Bier wurden 24,50 Dollar verlangt. Das Stadionbier blieb damit eher ein Luxusartikel.
Für meinen Freund Patrick Sausen aus Troisdorf-Oberlar war der Besuch dennoch etwas Besonderes. Obwohl er mittlerweile seit vier Jahren in unmittelbarer Nähe des Stadions lebt, hatte er es bislang noch nie ins Innere geschafft, weder zu einem Footballspiel noch zu einer anderen Veranstaltung. Nun erlebte er ausgerechnet bei einer Fußball-Weltmeisterschaft seine Premiere.
