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„Muss dem Material und meinem Körper vertrauen“Troisdorfer gehört zu den besten im Downhill-Mountainbike

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Hendrik Walther beim Downhill Bike Fahren

Hendrik Walther beim Downhill Bike Fahren

Rund 10.000 Euro kostet eine Saison in dem Sport. Hilfe bekommt Hendrik Walther auch durch Sponsoren.

Bis zu 70 Stundenkilometer zeigt der Tacho, wenn Hendrik Walther sein Mountainbike über Wurzeln und Felsen jagt und mit ihm meterweite Sprünge macht. Was für Spaziergänger nach einem steilen Waldweg aussieht, ist für den 26-jährigen Troisdorfer eine Trainingsstrecke. Sein Sport beginnt dort, wo andere längst auf die Bremse treten.

Hendrik Walther gehört zu den besten Downhill-Mountainbikern Nordrhein-Westfalens. Der gebürtige Bayer, der über Hennef nach Troisdorf kam, startet für das Rheingrün-Dasso-Racing-Team aus Rheinbreitbach und bezieht seine Rennlizenz vom German Cycling (ehemals Bund Deutscher Radfahrer) über den Heidelberger Radsportverein HD-Freeride, um in der Elite-Klasse antreten zu dürfen und um an hochklassigen Rennen wie dem iXS European Downhill Cup teilzunehmen.

Ab dem Moment waren wir nach der Schule und fast jedes Wochenende mit unseren Rädern aus dem Discounter durch die Hennefer Wälder unterwegs.
Hendrik Walther, Downhill-Mountainbiker

Im iXS Downhill Cup wiederum, der bedeutendsten Rennserie Deutschlands, fuhr er in diesem Jahr unter anderem im österreichischen Semmering auf Rang 19 und belegte Platz 16 in Spicak (Tschechien). Beide Rennen im benachbarten Ausland gehören zur nationalen Serie.

Dabei begann alles erstaunlich unspektakulär. „Als ich 14 war, kam ein Freund aus dem Allgäu-Urlaub zurück und erzählte vom Mountainbiken. Ab dem Moment waren wir nach der Schule und fast jedes Wochenende mit unseren Rädern aus dem Discounter durch die Hennefer Wälder unterwegs“, erinnert sich Walther. Im Herbst 2014 kaufte er sein erstes richtiges Mountainbike, ein Jahr später folgte die erste Reise in die Alpen.

Antrieb ist die Mischung Action, Naturerlebnis und mentaler Ruhe

Was ihn bis heute antreibt und fasziniert, beschreibt er so: „Es ist die Mischung aus Action, Naturerlebnis und der mentalen Ruhe, die ich beim Fahren spüre. Das ist wie eine Art Meditation.“ Mut gehöre auch dazu, reiche allerdings nicht: „Entscheidend sind Selbstvertrauen und die Fähigkeit, die eigenen Grenzen richtig einzuschätzen. Ich muss meinem Material und meinem Können vertrauen und wissen, dass ich eine Situation kontrollieren kann.“ Heute fährt Walther bewusst mit etwas Sicherheitsreserve: „Ich bin nicht mehr mit der Brechstange unterwegs, sondern eher bei 95 Prozent. Mir ist wichtiger, sauber zu fahren und die Bremspunkte optimal zu treffen.“

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Der Trainingsaufwand hinter den oft nur wenige Minuten dauernden Rennläufen ist enorm. Zehn Rennwochenenden stehen in dieser Saison im Kalender. Trainiert wird vor allem auf dem Mountainbike, ergänzt durch Krafttraining und Ausdauereinheiten auf dem Ergometer. Im Rhein-Sieg-Kreis sind geeignete Trainingsmöglichkeiten allerdings rar: „Im Siebengebirge ist das Fahren verboten.“ Gute Möglichkeiten gebe es eher Richtung Sauerland oder im „Nutbush Forest“, der Anlage in Bergisch Gladbach-Nussbaum im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Eine Saison kostet Hendrik Walther rund 10.000 Euro

Downhill ist zudem eine Materialschlacht. Ein aktuelles Wettkampfrad kostet inzwischen bis zu 12.500 Euro, selbst gute Gebrauchtmodelle liegen noch bei mehr als 4000 Euro. In Walthers Fuhrpark stehen insgesamt sechs Fahrräder: zwei Downhill-Bikes, zwei Enduros mit und ohne Motor, ein Dirtbike sowie ein BMX. „Am häufigsten gehen die Laufräder kaputt“, erzählt er: „Zum Glück unterstützt mich mein Vater bei den Reparaturen.“

Hendrik Walther gehört zur deutschen Spitze im Downhill-Mountainbike.

Hendrik Walther gehört zur deutschen Spitze im Downhill-Mountainbike.

Rund 10.000 Euro verschlingt eine Saison mit vollem Rennkalender, Training an exotischen Orten, Unterkünften und Material. Dank Sponsoren ist das besser zu stemmen. Sein Team unterstützt ihn umfassend: Rheingrün stellt das Wettkampfrad, übernimmt das Startgeld und beteiligt sich an den Reisekosten. Gemeinsam reist die Mannschaft mit Transporter inklusive mobiler Werkstatt und Teamzelt zu den Rennen.

Auch körperlich fordert der Sport seinen Tribut. Eine ausgekugelte Schulter mit anschließender Operation, ein Schlüsselbeinbruch und vier Handgelenksbrüche stehen bereits in der Krankenakte. Trotzdem zieht es Walther immer wieder auf die schwierigsten Strecken Europas. In Wales meisterte er in diesem Jahr einen Sprung mit einer Flughöhe von rund zehn Metern. Im österreichischen Bikepark Leogang flog er sogar 23 Meter weit durch die Luft.

Hendrik Walther gehört inzwischen zur deutschen Spitze Downhill

Beruflich arbeitet der Informatiker in der IT-Entwicklung. Den Leistungssport betreibt er neben seinem Beruf. „Es braucht ein hohes Maß an körperlicher Fitness, um auf diesem Niveau fahren zu können.“

Mit seinen Leistungen gehört Walther inzwischen zur deutschen Spitze. 2025 gewann er die Gesamtwertung des Gravity Cups, feierte einen Rennsieg und belegte bei den Deutschen Meisterschaften in Ilmenau Rang 15 in einem hochklassigen Teilnehmerfeld. Vom Profi-Dasein träumt der 26-Jährige dennoch nicht mehr. „Dafür bin ich inzwischen zu alt.“

Seine sportlichen Ziele bleiben trotzdem ambitioniert: „An einem richtig guten Tag ist vielleicht einmal eine Top-Ten-Platzierung im iXS Downhill Cup möglich.“ Langfristig möchte er sich auf den schwierigsten Strecken Europas und Nordamerikas weiterentwickeln. Zu seinen Traumzielen zählen unter anderem Fort William in Schottland, Val di Sole in Italien und – hoffentlich ab 2027 – der Whistler Mountain Bike Park in Kanada.

Wer Walthers Downhill-Abenteuer einmal aus der Perspektive des Fahrers erleben möchte, kann ihn auf seinem Youtube-Kanal „Gambler Rider“ begleiten. Dort veröffentlicht der Troisdorfer spektakuläre Helmkamera-Videos von den schwierigsten Strecken Europas und zeigt eindrucksvoll, wie sich Tempo, Präzision und Adrenalin aus der Perspektive des Piloten anfühlen.