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Von Fischen und harten MännernTradition und pure Entspannung an der unteren Sieg

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Fährmann Gabriel Gaic bedient die Personenfähre über die Sieg bei Bergheim. Früher war er Kellner in der benachbarten Gaststätte.

  1. Ein Ausflug an die untere Sieg zwischen Siegburg und der Flussmündung am Rhein. Hier hat die Fischerei eine tausendjährige Tradition.
  2. Auch ohne Angel und Reuse ist der Sonnenuntergang an der Sieg am Ende eines schönen Sommertages ein Erlebnis.
  3. Im August 2005 traf sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dort zum Sommerinterview.

Rhein-Sieg-Kreis – Fährmann Gabriel Gaic kennt die Geschichte in- und auswendig. Denn was er tut, ist keine profane Aufgabe. Es ist eine Berufung von historischer Dimension. Dabei scheint sein Job auf den ersten Blick ganz simpel. Er lässt täglich die Personenfähre an der unteren Sieg zwischen Troisdorf-Bergheim und Bonn-Geislar pendeln.

An dieser Stelle ist der Fluss gerade mal ein paar Meter breit, und es gäbe auch die Möglichkeit, hoch oben über die Landstraßenbrücke das Ufer zu wechseln. Aber wer einmal in das Idyll der Siegauen eingetaucht ist, möchte nicht mehr hinaus. Hier, kurz bevor die Sieg in den Rhein mündet, treffen sich seit Generationen an sonnigen Tagen Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer. Sie machen Halt am Ufer, verweilen am sanft fließenden Wasser oder kehren ein in den Biergarten „Zur Siegfähre“. Kurz: Hier herrscht sommers Hochbetrieb.

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Auch für Kinder gibt es viele Aktivitäten.

Die Fähre steht im Schnittpunkt all dessen. Rechtes Ufer, linkes Ufer, Hunger und Durst, Gaststätte, warme Sonnenstrahlen, kühlendes Nass. Und sie führt ihren klingenden Namen nicht von ungefähr: Sankt Adelheid. Er erinnert an eine bald tausendjährige Geschichte. Denn just, wo Sieg und Rhein sich treffen, wird es interessant für alle, die sich für Fische interessieren. Reiher, Angler und Fischer. Nicht von ungefähr ist dort auch der Standort der Fischereibruderschaft Bergheim. Diese Zunftorganisation gilt als die älteste Deutschlands. 1025 erhielt sie von Adelheid von Vilich den Freibrief zum Fischen. Und dieses Recht hat sich seitdem weiter vererbt.

Grundlage war ein strenger Rechtskatalog. 14 Familien besaßen damals die Lizenz zum Fischen an Siegmündung und Rhein. Und sie ging jeweils lediglich auf die männlichen Nachkommen über. Nachvollziehbar, dass der Druck auf die Stammhalter groß war, auch als Fischer ihren Unterhalt zu erwirtschaften. Zwei von drei gefangenen Fischen durfte der Fischereibruder behalten, der dritte ging ans Kloster.

Tipps für Ihren Urlaubstag

Anreise: Die Sieg ist einen Ausflug wert unter anderem zwischen Siegburg und der Mündung in den Rhein. Das sind in etwa zwölf Kilometer. Das Flussufer steht weitgehend unter Naturschutz. An manchen Landzungen darf man rasten.

Picknickplatz und Einkehr: Ein beliebter Platz zum Verweilen mit einem kleinen selbst mitgebrachten Imbiss ist auf Höhe der Bergheimer Personenfähre, kurz vor der Mündung der Sieg in den Rhein. Dort ist ein kleiner Kiesstrand. Alternativ lockt das Ausflugsrestaurant „Zur Siegfähre“ mit Jägerschnitzel und Pommes.

Angeln: Wer einen Angelschein besitzt, kann für die untere Sieg zwischen Meindorfer Sportplatz und Rheinmündung einen Ein-Tages-Fischereischein für fünf Euro erwerben. Der Drei-Tages-Fischereischein kostet 10 Euro. Erlaubniskarten sind in Angelläden erhältlich.

Kanufahren: Die Sieg ist mit dem Kanu oder Kajak beschiffbar. Einstiegsstelle ist unter anderem in Siegburg-Zange unter der Brücke B 56. Voraussetzung ist allerdings, dass der Pegel bei Eitorf mindestens 30 Zentimeter hat. Die Paddeltour von Siegburg bis zu Siegfähre bei Bergheim dauert rund drei Stunden. Wer kein eigenes Kanu hat, kann sich eines mieten, unter anderem bei: Aktive Elemente, Tel. 0176 349 806 84, info@aktive-elemente.de, Tagesmiete Kanu für bis zu drei Personen 55 bis 60 €.

Schlechtwettertipp: Das Siegburger Stadtmuseum zeigt Exponate der Stadtgeschichte von der Frühzeit bis heute. Es steht zentral am städtischen Marktplatz und hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags sogar bis 18 Uhr. Montags ist es geschlossen. Eintritt 3/2,- €

Für Kinder: Das Fischereimuseum Bergheim dokumentiert in seiner liebevoll konzipierten Ausstellung die Geschichte der Fischerei und der Fischereibruderschaft in Bergheim. Es gibt Informationen zu Fischen und Fischfanggeräten, zum Gewässer und zum Naturschutz. Nebendran ist auch noch der alte Aalschokker zu sehen. Das Fischereimuseum in sonntags von 12 bis 17.30 Uhr geöffnet. Weitere Öffnungszeiten sind abzufragen unter 0228 94589017. Adresse: Nachtigallenweg 39, Troisdorf-Bergheim. Eintritt frei.

Viele Jahrhunderte waren die Familien Berufsfischer, inzwischen lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Ein Zeuge vergangener Tage ist der Aalschokker, der noch heute im Altarm der Sieg verankert liegt. Es handelt sich um einen holländischen Plattboden-Frachter von 1894. Ungewöhnlicherweise führt er eine Doppelwidmung, nämlich „Maria und Theresia“, ganz so wie die beiden Ehefrauen der Fischereibrüder Mertens hießen. Noch bis Ende der 50er Jahre fuhren die beiden Männer hinaus und fingen Aale. Von dort aus schweift der Blick gen Land, wo heute das Fischereimuseum liegt, das das Wissen um das alte Fischereihandwerk konserviert. Hier gibt es Weißfische im Aquarium, Aalreusen und immer wieder viel Programm für den Nachwuchs.

Picknick-Rezept

Hähnchen-Sandwich

Zutaten: 2 Scheiben Sandwich-Brot, Frischkäse, Currycreme, 8 Scheiben Hähnchenbrust, 4 Scheiben Salatgurke, 4 Scheiben Mango, Salz und Pfeffer, Radieschensprossen, Petersilie

Zubereitung: Das Brot ca. 1,5 cm dick schneiden. Eine Seite mit Frischkäse bestreichen, die andere Seite mit Currycreme. Die Frischkäse-Seite mit Salat belegen und die Hähnchenbrust darauf verteilen. Salatgurken und Mango auf die Hähnchenbrust legen. Salzen und pfeffern, Radieschensprossen und Petersilie daraufgeben und zusammenklappen.

Daneben gab es nur noch eine definierte Aufgabe der Bruderschaft: Der Betrieb der Siegfähre. Eine quasi historische Bedeutung bekam die Fähre auch noch einmal im August 2005, als sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dort zum Sommerinterview mit Vertretern einer großen Zeitung traf. Offenbar kein gutes Omen, denn er verlor die Wahl gegen Angela Merkel. Vor knapp sieben Jahren nun gab der letzte Fährmann aus den Reihen der Bergheimer Fischereibrüder, Matthias Mertens, das Ruder weiter. Seitdem hat Gabriel Gaic übernommen. Und er ist stolz darauf. Auch wenn er nicht von hier stammt und Angestellter des Ausflugsrestaurants ist.

Denn immer noch hat die Fischerei an der Sieg eine Bedeutung, wenn auch nur im Freizeitsektor. Zahlreiche Angler gehen hier auf Bachforelle, Hecht, Barbe und Rapfen. Und man sieht die Ansitzangler neben der Fähre direkt am Einlauf des Mühlengrabens. Sie haben die Pose im Blick. Immer mit der Hoffnung, dass sie untertaucht, denn das ist das untrügliche Zeichen, dass ein Fisch angebissen hat. Weiter flussaufwärts waten an schönen Tagen die Fliegenfischer durch die Strömung. Sie lassen die künstliche Fliege über das Wasser schweben und suchen die Aufmerksamkeit der Forelle. Doch die schönen Tiere sind selten geworden. Ebenso die Lachse, die mit einem aufwendigen Programm an der Sieg wiederangesiedelt wurden. Sie gehören zu den faszinierenden Wanderfischen, die zur Paarung und zum Ablaichen hoch in die Sieg ziehen.

Sind die Jungfische nach ein bis zwei Jahren herangewachsen, dann schwimmen sie rund 5000 Kilometer bis nach Grönland, um sich dort an Kleinkrebsen satt zu fressen. Wenn sie nach einem Jahr geschlechtsreif sind, finden sie wieder zurück in ihr Geburtsgewässer. Für Angler sind sie allerdings tabu, weil sie zu den bedrohten Arten gehören. Die Aktivangler haben es stattdessen auf die Raubfische abgesehen. Hecht und Zander sind ihre Zielfische. Rund um die Siegmündung gibt es viele aussichtsreiche Stellen für den Hobbyangler. Für Touristen, die nichts mit Angeln im Sinn haben, bleibt nur das Zuschauen.

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Denn wer an einem Fluss wie der Sieg angeln möchte, der muss einen Angelschein besitzen und einen Fischereierlaubnisschein für den entsprechenden Flussabschnitt. Aber auch ohne Angel und Reuse ist der Sonnenuntergang an der Sieg am Ende eines schönen Sommertages ein Erlebnis.